VIS Wettbewerbe

Der Wettbewerb ist in fünf Programmschienen aufgeteilt: Fiction & Documentary widmet sich den internationalen Kurzspiel- und Dokumentarfilmen und Animation Avantgarde den besten Animations- und Experimentalfilmen. Im Österreich Wettbewerb wird das nationale Kurzfilmschaffen unter die Lupe genommen, im 2013 mit Screensessions geschaffenen Musikvideo-Wettbewerb die besten österreichischen und internationalen Musikvideos prämiert. VR the World – Virtual Reality & 360° Film Competition ist unser jüngster Wettbewerb, der die grundlegenden Konzepte von Bildsprache, Geschichtenerzählen, Partizipation und Voyeurismus in Frage stellt.

© Miragem Meus Putos (Diogo Baldaia)

Fiction & Documentary

29 Filme, 19 Länder, 9 Stunden: Der internationale Wettbewerb für kurze Spiel- und Dokumentarfilme, kurz Fiction & Documentary, präsentiert in sechs Programmen hochkarätige Neuentdeckungen ebenso wie bereits prämierte Meisterwerke aus Cannes, Rotterdam und Sundance. Alle ausgewählten Filme – selektiert wurde dieses Jahr aus 2.900 Einreichungen für diesen Wettbewerb – feiern im Rahmen von VIS ihre Österreich-Premiere.

Besonders erfreulich, nicht zuletzt angesichts der internationalen Debatten um die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in der Filmbranche und bei Festivals: Bei über 60% der Filme im Wettbewerb haben Frauen Regie geführt. Der größte Teil der Arbeiten stammt aus Europa, die zehn außereuropäischen Produktionen haben ihren Ursprung in Malaysia, den Philippinen, Iran, Israel, USA, Russland und Kanada.

Unser Dank geht an alle Filmschaffenden, die uns mit ihren Einreichungen für Fiction & Documentary ihr Vertrauen schenken. Ein großes Dankeschön gilt auch unserem Sichtungsteam, das uns über mehrere Monate stets neugierig, überzeugt, hochprofessionell und unermüdlich bei der Suche nach den neuesten Wettbewerbsperlen unterstützt hat.

Wir laden herzlich dazu ein, mit den sechs Wettbewerbsprogrammen – allesamt nach Songs betitelt – das Bewusstsein zu schärfen, die eigenen Wahrheiten zu hinterfragen, seltsame Zeiten zu durchleben, den Kitt unserer Beziehungen zu erforschen, unsere Körper sprechen zu lassen und mit uns immer wieder neu zu beginnen. Denn Filme, egal ob kurz oder lang, brauchen vor allem eines: Ein neugieriges, aufgeschlossenes und gespanntes Publikum. (db)

Programmleitung

Doris Bauer (db) & Marija Milovanovic (mm)

PROGRAMMTEAM

Daniel Ebner (de), Wouter Jansen, Christof Kurzmann, Diana Mereoiu

© Ugly (Nikita Diakur)

Animation Avantgarde

Seit dem Jahr 2010 verfolgt Animation Avantgarde das Konzept, Experimental- und Animationsfilme (bzw. -videos und digitale Arbeiten) in Dialog zu setzen und dabei den Schwerpunkt auf Werke zu setzen, die ausgetretene Pfade meiden. Wir bemühen uns also um Innovation, und die ist überall möglich, nicht nur im Bereich des experimentellen Kinos (das sich zum Teil seine eigenen Klischees geschaffen hat), sondern auch in der Narration. Bei den Einreichungen fällt heuer auf, dass wir mehr längere Arbeiten bekommen haben. Es scheint, dass auch der Animationsfilm ein stärkeres Selbstbewusstsein gefunden hat und es wagt, sich mehr Raum zu nehmen – und so zeigen wir heuer 24 Filme statt 31 wie im Vorjahr.

Die Stimmung der Zeit bildet sich in Filmen wie La Chute von Boris Labbé ab, in dem die Menschheit auf eine Apokalypse zusteuert, oder im Musikvideo paris von Billy Roisz, in dem uns das von Guro Skumsnes Moe gebrüllte „I like the anger“ aus der Seele spricht. Ein Höhepunkt des Festivaljahres ist fraglos Min Börda von Niki Lindroth von Bahr, in dem uns in relativ tristen Szenarien die Figuren mit Tanz und Gesang begegnen. Überhaupt ist Humor ein probates Mittel, um mit dem Schlimmsten zurecht zu kommen – so auch in Nikita Diakurs Ugly, in dem die Welt aus den Fugen gerät. Die beiden längsten Filme im Programm reizen indes das Potential von Animation geradezu meisterlich aus: Solar Walk von Réka Bucsi und Don Hertzfeldts World of Tomorrow Episode Two: The Burden of Other People's Thoughts. Neben all den Stars der internationalen Szene finden sich viele nicht minder spannende Arbeiten von noch weniger bekannten KünstlerInnen. Come and enjoy! (tr)

Programmleitung

Thomas Renoldner (tr) & Wiktoria Pelzer (wp)

In Kooperation mit ASIFA Austria

© perForming Me?(!) (Luz Olivares Capelle)

Österreich Wettbewerb

Das österreichische Kurzfilmschaffen ist aufregend, vielfältig und experimentierfreudig. Das beweisen jedes Jahr aufs Neue die qualitativ hochwertigen Einreichungen. VIS bietet dem österreichischen Film seit vielen Jahren eine internationale Plattform, die zum Entdecken heimischer Kurzfilmkunst einlädt und diese über die Landesgrenzen hinweg sichtbar macht. Dabei vermitteln die vier Wettbewersprogramme einen konzentrierten Überblick über die jüngsten Produktionen und warten dabei mit bekannten Namen und Neuentdeckungen auf.

Traditionell werden im Österreich Wettbewerb die Gattungen gemischt, stehen Spielfilme neben Experimenten, Dokus neben Animationen, Essays neben Musikfilmen. In diesem Jahr wurden insgesamt 17 Filme aus knapp 400 gesichteten Arbeiten ausgewählt. Die Werke der neun Regisseurinnen und zehn Regisseure (davon zwei Filme in Doppel­regie), die zumeist im Kunst-, Hochschul- oder unabhängigen Kontext entstanden sind, werden motivisch grob zusammengefasst; daher tragen die Programme schließlich die an die Inhalte angelehnten Titel Lebenswandel, Entfernung, Höhenrausch und Selbstporträt.

Alle Filme in diesem Jahr übersetzen meisterhaft Stimmungen in Bilder und sind in ihrer formalen Herangehensweise mutig und überzeugend. Es werden Lebensrealitäten erforscht, persönliche Geschichten erzählt und politische Skandale vermittelt, wir werden zum Nachdenken angeregt, zum Staunen gebracht und zum Schmunzeln verleitet. Neben zahlreichen Erstaufführungen sind auch einige bereits ausgezeichnete und prämierte Arbeiten in der Auswahl vertreten. (av)

Programmleitung

Alexandra Valent (av) & Gregor Hochrieser (gh)

PROGRAMMTEAM

Daniel Ebner, Franka Giesemann

Präsentiert von orf.at

© Oh Wow – Leyya (Marie-Therese Hildenbrandt)

Screensessions

Die Screensessions machen es sich heuer bereits zum sechsten Mal zum Ziel, das Musikvideo von den kleinen Screens, die uns tagtäglich begleiten, zu befreien und ihm auf der großen Leinwand den Respekt zu zollen, den es verdient hat. Als eigenständige Kunstform, die den traditionelleren Kurzfilmformaten in nichts nachsteht, stellt es noch immer eine kreative Spielwiese für MusikerInnen und Filmschaffende gleichermaßen dar und erfüllt in seiner freien Form und kompakten Länge nicht nur den Zweck einer Reklame für den bebilderten Song. Die Techniken und Ästhetiken sind so vielfältig wie die Genres und können die Musik sowohl eins zu eins in Bildern wiederspiegeln als auch eine clevere Antithese formen, um der auditiven als auch der visuellen Ebene des Werks ein eigenes Leben und eine einzigartige Dynamik zu verleihen.

Das nationalen und internationale Musik­videoprogramm bietet einen Querschnitt des Schaffens des vergangenen Jahres, der von detailverliebten Performance-Videos über schrille Animationen bis zur klassisch-narrativen Erzählung reicht und die verschiedenen Zugänge in ihrer Bündelung mitei­nander in Beziehung setzt. Das Konzept der Screensessions sieht auch vor, dass eine der nominierten Bands für ein besonderes Konzerterlebnis sorgen wird: Dieses Jahr dürfen wir uns auf die erfolgreiche Salzburger Band MYNTH freuen, die am Festivalsonntag eine audiovisuelle Show im Historischen Saal des METRO Kinokulturhauses spielen wird. (ce)

Programmleitung

Christoph Etzlsdorfer (ce) & Verena Klöckl (vk)

Programmteam

Marco Celeghin, Daniel Ebner, Samira Saad

Präsentiert von the gap

© L. (Adrián Regnier Chávez)

VR the World

VR – ein Medium, das schon vor längerer Zeit laut trommelte. Nach dem (gescheiterten) Versprechen in den 1990er-Jahren und einer Wiederbelebung in jüngster Zeit, die langsamer vonstatten ging als erwartet, begann man sich zu fragen: Ist das Medium etwa die Botschaft? Gibt es überhaupt eine Botschaft?

Genau das wollten wir mit dem neuen Wettbewerb VR the World herausfinden, um zu sehen, ob wir es mit mehr als einem Gimmick zu tun haben, etwas, das über das Sensationelle hinausgeht. Wir suchten nach Filmen, die die grundlegenden Konzepte von Bildsprache, Geschichtenerzählen, Partizipation und Voyeurismus in Frage stellen. Und wir wollten testen, was sich über Wahrnehmung, Bewegung und Raum verstehen lässt und welche Erwartungen an die Kunstform Film sich auch wieder ablegen lassen.

Von den knapp 80 Einreichungen, die wir für unseren ersten Aufruf erhalten haben, wurden acht Arbeiten ausgewählt. Unter den Filmschaffenden fanden sich einige, die schon in früheren Festivalausgaben mit Filmen vertreten waren. Hier entspinnt sich vielleicht ein roter Faden – und es wird spannend zu sehen sein, wohin er führt.

Das Auswahlverfahren selbst war eine Entdeckungsreise: Während virtuelle Realität in aller Munde ist, bleiben Kurzfilme im 360°-Format Schätze, die es zu jagen gilt. Dennoch hat jeder gesichtete Film unser Verständnis des Mediums und des Kinos auf die Probe gestellt und erweitert. Für uns geht es um Engagement, nicht um Interaktivität, um den Film, nicht um das Medium – und vor allem darum, wie die beiden in der neuen Konstellation interagieren. (dm/de)

Programmleitung

Diana Mereoiu (dm)

Programmteam

Daniel Ebner (de)

In Kooperation mit We Are Cinema