In Person

Eine eigene Handschrift, ein auffälliger Gestaltungswille, historische Errungenschaften oder völlig neue Blickwinkel: Mit Personalen oder Filmreihen würdigen wir jene VertreterInnen der kurzen filmischen Form, die dem internationalen Kurzfilmschaffen – entweder ganz aktuell oder schon seit langer Zeit – mit herausragenden Arbeiten ihren Stempel aufdrücken.

In diesem Jahr sind es gleich drei faszinierende Persönlichkeiten, auf die wir den Scheinwerfer richten wollen: Alexandre Larose (CA) hat sich in den vergangenen Jahren mit kinematografischen Forschungsreisen auf der Suche nach zeitbasierten Erlebnissen einen Namen gemacht und gastiert mit einem Filmprogramm und einer Masterclass im Österreichischen Filmmuseum.

Auf Initiative des Filmemachers Johann Lurf und ebenfalls in Kooperation mit dem Filmmuseum sowie dem Verleih sixpackfilm entstand das Spotlight auf Makino Takashi (JP), der seine „rauschhaften Exzesse“ in einem Filmprogramm und bei einer Live-Performance mit dem Publikum teilen wird.

Last, but not least freuen wir uns auf Shooting Star Jacqueline Lentzou (GR), die zuletzt mit ihren beiden jüngsten Filmen innerhalb weniger Monate in den Wettbewerben von Locarno und Berlin vertreten war. Im METRO Kinokulturhaus stellt sie in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria ihre eigenwilligen Erzählfilme persönlich vor.

Als Artists in Residence begrüßen wir heuer die beiden schottischen Filmemacher Ross Hogg und Duncan Cowles, die auch die diesjährigen Trailer gestaltet haben, sowie die französische Animationsfilmemacherin  Céline Devaux und den belgischen Illustrator Brecht Evens im Q21 des MuseumsQuartiers. (Daniel Ebner, de)

© Alexandre Larose

Alexandre Larose

Die Filme des 1978 in Lebel-sur-Quevillon, Kanada, geborenen Alexandre Larose lassen sich als zeitgenössisches "Cinema of Attractions" umschreiben, die in diversen Konstellationen das Ineinander von Film, Gedächtnis und [T]raumerfahrung erfahrbar machen. Ihnen haftet etwas nie ganz Abgeschlossenes an, sie erzählen immer auch von dem stets neuen Versuch, etwas auf Film zu bannen, gehen formal und motivisch ineinander über. Die mittlerweile aus 19 Versionen bestehende brouillard-Reihe verkörpert dieses Prinzip am deutlichsten: Der immer gleiche Weg vom Haus der Eltern zum dahinter gelegenen See wird dutzendfach übereinander gelagert, bis Raum und Zeit sich auf dem Filmstreifen zu einer dichten Materie subsumieren, die zugleich greifbarer und geisterhafter erscheint als vieles, was das Kino in seiner Geschichte der Erinnerungsbilder hervorgebracht hat. Ganz ohne digitale Effekte, stattdessen nah an den Eigenschaften des analogen Materials erschafft Larose unmögliche Bilder, die ihren Ursprung in der realen Welt haben. (Alejandro Bachmann)

© Jacqueline Lentzou

Jacqueline Lentzou

Mit dem intensiven Coming-of-Age-Drama Thirteen Blue, ihrem Abschlussfilm an der London Film School, legt die 1989 in Athen geborene Jacqueline (eigentlich: Zaklin) Lentzou vor vier Jahren eine erste Probe ihres Könnens ab. Einladungen in die Talenteschmieden von Sarajewo und Berlin folgen, die eine Verfeinerung des Stils und der erzählerischen Finesse mit sich bringen und schließlich vor wenigen Monaten in zwei Wettbewerbsbeiträgen für Locarno (Fox) und die Berlinale Shorts (Hiwa) münden. Gefühle und Träume dienen Lentzou als Inspiration, wie sie in einem Interview schildert, und ein Gespür für die Komplexität zwischenmenschlicher Beziehungen prägt ihre meist existenziellen Geschichten vom Erwachsenwerden und dem Übernehmen von Verantwortung. Die Regisseurin ist eine Beobachterin, sie folgt ihren DarstellerInnen mit neugierigem Blick sowie vielen Close-Ups und bewegter Handkamera. In ihren jüngsten Projekten experimentiert sie mit frühen Videoformaten, aktuell arbeitet Lentzou an ihrem ersten Spielfilm. (Marija Milovanovic)

© Makino Takashi

MAKINO TAKASHI

Die Arbeiten des 1978 in Tokio geborenen Makino Takashi sind rauschhafte Exzesse, die im Moment der Projektion eine Erfahrung ermöglichen, die gemeinhin auf das Danach verschoben ist: Als würde man sich an die Bilder erinnern, während man ihnen beiwohnt - so könnte man diese oft groß angelegten kompositorischen Bögen beschreiben, die das konkrete Bild und den konkreten Ton nur schemenhaft im Rauschen des Mediums durchschimmern lassen. Die international vielfach ausgezeichneten Arbeiten (u.a. mit dem Tiger Award des IFFR) entstammen mehrheitlich dem zigfachen Schichten und der ausufernden Mehrfachbelichtung von konkreten Bildern, die sich an einem bestimmten Punkt verflüssigen und dabei die Leinwand als Oberfläche zum Verschwinden bringen. In Zusammenarbeit mit MusikerInnen wie Jim O'Rourke oder Inconsolable Ghost erschafft Makino ein Kino, das das unauflösliche Ineinander von abstrakten und konkreten Bildern sinnlich erfahrbar macht und Augen und Ohren - und damit das Verständnis von Kino - an einen perzeptiven Nullpunkt führt. (Alejandro Bachmann)

Mit Dank an Johann Lurf