© Farbtest. Die rote Fahne (Gerd Conradt)

Fokus: We Need To Disagree

Ein Gespenst geht um in Europa. Das Gespenst des Nationalismus. Wir brauchen nicht einmal auf die jungen Demokratien Osteuropas und ihre autoritären Tendenzen zu schauen oder uns überlegen fühlen, wenn wir uns mit den USA oder der Türkei vergleichen, wo GegnerInnen entweder öffentlich angegriffen oder gleich eingesperrt werden. Wir, das so genannte Alte Europa mit unseren alten Werten, stolz auf unsere humanistischen Errungenschaften, kämpfen. Und wir, seine aufmerksamen BürgerInnen, fühlen ein wachsendes Unbehagen.

In Großbritannien nahm das Brexit-Votum die europäische Anti-Solidaritätswelle vorweg. In Spanien führte die katalanische Unabhängig­keitsbewegung ein für illegal erklärtes Refer­endum durch. Und in Österreich bildeten die Konservativen erst vor wenigen Monaten eine Koalition mit einer rechtsnationalen Partei. Die Spaltungen im öffentlichen Diskurs sind in jedem dieser Länder stark ausgeprägt, weswegen das Dreiecksprogramm die Situation aus der Sicht von Festivals aus Glasgow, Barcelona und Wien beleuchtet.

Heute, 50 Jahre nach dem Ringen um eine liberalere Gesellschaft von 1968, scheinen wir unsere Standards und Werte an Populist­Innen und Filterblasen übergeben zu haben: Polarisierung statt Debatte, Parteinahme statt Engagement, Abschottung statt Kollaboration. Doch es bedarf der Diskussion und des konstruktiven Widerspruchs, wenn es um die Ausgestaltung der Gesellschaft, das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit, von Individualität und Solidarität geht. Zuhören, nachdenken, argumentieren – und sich gleichzeitig der Aushöhlung wichtiger Errungenschaften widersetzen.

Dreiecksprogramm

Seit 2013 laden wir jährlich zwei befreundete Festivals ein, sich ebenfalls dem aktuellen Fokusthema zu widmen und Programme zu kuratieren: In diesem Jahr widmeten sich das schottische Glasgow Short Film Festival und das spanische L'Alternativa dem Thema We Need To Disagree. Gemeinsam mit einem Beitrag von VIS werden alle drei Programm auf allen drei Festivals gezeigt – nach der Premiere im März in Glasgow, im Juni in Wien und im November in Barcelona. In Kooperation mit Glasgow Short Film Festival & L'Alternativa Barcelona. (Daniel Ebner)