28.5.–
2.6.2020

The­ma

Es ist ein eigen­ar­ti­ges Jahr. Und selbst wenn einem nach einer Wei­le die dau­ern­den Pres­se­kon­fe­ren­zen und Dis­kus­sio­nen über Restrik­tio­nen, die Mas­ken-Sel­fies und Zoom-Kon­fe­ren­zen, die düs­te­ren Sze­na­ri­en für Schwe­den und ver­meint­lich auf­hei­tern­den Net­flix-Seri­en lang­sam immer weni­ger inter­es­sie­ren – nie­mand kann behaup­ten, dass einen die Ver­än­de­run­gen der Welt durch das Coro­na­vi­rus kalt las­sen. Daher wol­len wir uns in die­sem Seg­ment anhand von sie­ben Film­pro­gram­men dem alles bestim­men­den The­ma wid­men: Co vadis, Pandemie?

Der Früh­ling 2020 wird als der ers­te wirk­lich digi­ta­le Früh­ling in Erin­ne­rung blei­ben“, pro­gnos­ti­ziert das Kunst­kol­lek­tiv Total Refu­sal im Text zum dies­jäh­ri­gen Trai­ler, um in dys­to­pisch-hell­sich­ti­ger Manier fort­zu­fah­ren: Denn als Par­ties und Demons­tra­tio­nen poli­zei­lich auf­ge­löst und Film­fes­ti­vals zu Online-Fes­ti­vals wur­den, flüch­te­ten wir in den digi­ta­len Raum. Zum ers­ten Mal war die­ser nicht ver­rucht und zwie­lich­tig, son­dern hieß uns als Raum der Sicher­heit und Sau­ber­keit in einer neu­en Nor­ma­li­tät willkommen.“

Die neue pan­de­mi­sche Rea­li­tät – von Nor­ma­li­tät wol­len wir da lie­ber nicht spre­chen – spielt sich tat­säch­lich in gro­ßem Maße im digi­ta­len Raum ab: vom spon­ta­nen Online-Hilfs­pro­jekt My Dar­ling Qua­ran­ti­ne, das im März in Koope­ra­ti­on mit unse­rem Fes­ti­val ent­stan­den ist, über die vir­tu­el­le Welt als Refe­renz­rah­men für Her­aus­for­de­run­gen, die sich im rea­len Umfeld in die­ser Form schwer bear­bei­ten lie­ßen (sie­he Die (vir­tu­el­le) Welt, ein Battle­field).

Und gleich­zei­tig zeigt uns die­ser Umstand, wie sehr wir jene Din­ge ver­mis­sen kön­nen, die im Ana­lo­gen ein kol­lek­ti­ves Erleb­nis mög­lich machen: den Kino­saal und die gro­ße Lein­wand, die in zwei Pro­gram­men sowohl als phy­si­scher Ort als auch als idea­le Spiel­flä­che für künst­le­ri­schen und expe­ri­men­tel­len Film the­ma­ti­siert wer­den, oder auch die Plät­ze und Ritua­le, die kör­per­li­che Nähe spür- und erfahr­bar machen. Vor­erst bleibt uns aller­dings nur die Flucht zum Online-Fes­ti­val – in der Hoff­nung, hier Lin­de­rung, Inspi­ra­ti­on und Unter­hal­tung zu fin­den. Und wohin sich die Pan­de­mie ent­wi­ckelt, dar­über reden wir dann in einem siche­ren und sau­be­ren Lokal Ihrer Wahl. (de)