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28.5.–
2.6.2020

Fokus

Der öster­rei­chi­sche Kul­tur­be­trieb hat sich in den ver­gan­ge­nen Wochen sehr unfair behan­delt gefühlt. Die U‑Bahn fährt wie­der, die Bau­märk­te und Loka­le öff­nen – aber für die Kinos, Thea­ter, Muse­en fehl­ten die Kon­zep­te, wie mit der Coro­na­kri­se umge­gan­gen wer­den soll­te. Nun sol­len mit 1. Juli die Kinos wie­der zugäng­lich sein, soll Frei­luft­kul­tur mög­lich gemacht wer­den, unter strik­ten Auf­la­gen, aber immer­hin. Ist die­se Rege­lung fair? Fair genug? Und wer trägt die Ver­ant­wor­tung, wenn die­ses Modell nicht funktioniert? 

Die öster­rei­chi­sche Coro­na­vi­rus-Stra­te­gie ist nur ein klei­nes, aber sehr gutes Bei­spiel dafür, wie eng die Fra­ge nach Fair­ness mit der Fra­ge nach Ver­ant­wor­tung ver­knüpft ist. Und die­ser Fra­ge wol­len wir uns mit dem Fokus: Fair Enough? wid­men. Auch ein Film­fes­ti­val wie das unse­re ist letzt­lich nicht nur ein Ort der Prä­sen­ta­ti­on, der Refle­xi­on und des Aus­tauschs, son­dern trägt Ver­ant­wor­tung – gegen­über dem eige­nen Team, gegen­über den Film­schaf­fen­den und Künstler*innen, mit denen wir arbei­ten, aber natür­lich auch gegen­über den Kooperationspartner*innen, den För­der­stel­len und dem Publikum.

Die Ent­schei­dun­gen, die wir tref­fen, sol­len daher ein Selbst­ver­ständ­nis wider­spie­geln, das wir vor eini­gen Mona­ten in einem Com­pli­an­ce-Papier für ein fai­res inter­na­tio­na­les Film­fes­ti­val als eine Selbst­ver­pflich­tung nach innen fest­ge­hal­ten haben und das wir so gut wie mög­lich erfül­len wol­len. Die fai­ren Rah­men­be­din­gun­gen umfas­sen etwa die Ver­pflich­tung zu öko­lo­gisch nach­hal­ti­gem Han­deln, zu ange­mes­se­ner Bezah­lung und sozia­ler Absi­che­rung im Team, aber auch zum Zah­len von Vor­führ­ge­büh­ren und Hono­ra­ren von Künstler*innen und zur Berück­sich­ti­gung des Frau­en­an­teils im Filmprogramm.

Wir sind uns bewusst, dass Fra­gen der Gleich­heit, der Gerech­tig­keit, der sozia­len Absi­che­rung und der Nach­hal­tig­keit – um die­se vier The­men­ge­bie­te dre­hen sich die Pro­gram­me zum dies­jäh­ri­gen Fokus – umstrit­ten sind und dis­ku­tiert wer­den. Hier kann es um ein Abwä­gen zwi­schen Idea­lis­mus und Prag­ma­tis­mus gehen, um Fra­gen von Selbst­be­stim­mung und mora­li­scher Auto­ri­tät, um den Anspruch, das Rich­ti­ge zu tun, und den Wil­len, dies auch durch­zu­set­zen. Oder um die Fra­ge, wie gesund­heit­li­che Vor­keh­run­gen und wirt­schaft­li­che Not­wen­dig­kei­ten in Ein­klang gebracht wer­den kön­nen. Womit wir wie­der bei der Fra­ge vom Anfang wären. Fair enough? (de)