© VIS, Karl Valent

VIS-Gewinner für Oscar® nominiert - aber Qualifying-Status wackelt

JÄNNER 25, 2017

Französischer Kurzfilm “Ennemis intérieurs” mit VIS-Jurypreis nach Hollywood - Mutwillige Entscheidung der Stadt Wien bringt Festival jedoch in Bedrängnis

Seit 2016 ist VIS Vienna Shorts das einzige “Oscar® Qualifying Festival” in Österreich und eines von wenigen in Europa. Mit dem 28-minütigen Kurzfilm “Ennemis intérieurs” (Enemies within) von Sélim Azzazi (FRA) hat sich im vergangenen Jahr erstmals ein Film durch den VIS-Jurypreis für die Academy Awards® qualifiziert; gestern nun wurde das politische Kammerspiel unter die letzten fünf von insgesamt 134 qualifizierten Filmen gewählt. Dass gleich im ersten Jahr ein prämierter Film des Festivals unter den Nominierten ist, ist großartig und alles andere als selbstverständlich. Umso ärgerlicher ist es, dass aufgrund einer mutwilligen Entscheidung der Stadt Wien plötzlich der Verlust des Oscar®-Status droht.

Der Oscar®-Status hängt (ebenso wie die EU-Förderung) von bestimmten Mindestanforderungen (Anzahl der gezeigten Filme, BesucherInnen, etc.) ab, die ein Festival erfüllen muss. Diese Anforderungen werden angesichts des schwer nachvollziehbaren Kurses von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bei der Neuordnung der Filmfestivalförderung in Wien aber kaum länger zu erfüllen sein. Denn während der neu eingesetzte, unabhängige ExpertInnen-Beirat dem Kurzfilmfestival ein hervorragendes Konzept attestierte und eine 50-prozentige Fördererhöhung empfahl, strich Mailath-Pokorny die ursprünglich angekündigte Erhöhung von 20.000 Euro wieder auf 5.000 Euro zusammen - und zwar drei Wochen nach der Bekanntgabe durch die Stadt Wien und ohne jegliche Begründung.

Ein Tag kürzer und herbe Einschnitte - Mittelfristig auch EU-Förderung gefährdet

“Damit sind wir im Grunde auf dem gleichen und seit Jahren viel zu niedrigen Level”, erläutert Geschäftsführer Benjamin Gruber, “gleichzeitig jedoch nicht mehr gewillt, uns selbst und unsere MitarbeiterInnen nach 13 Jahren erfolgreicher Arbeit weiter prekär zu beschäftigen.” Statt sich der Empfehlung des ExpertInnen-Beirats anzuschließen und dem Festival endlich die Möglichkeit zu geben, die Finanzierung stärker in ein gesundes Verhältnis zum geleisteten Aufwand zu bringen, bringt die Stadt mit dieser mutwilligen Entscheidung das Festival stark in Bedrängnis und gefährdet mittelfristig auch die wichtige EU-Subvention (25.000 Euro).

Die ersten Konsequenzen hat VIS notgedrungen bereits beschlossen: 2017 wird das Festival nur an sechs Tagen stattfinden und damit um einen Tag kürzer ausfallen als in den vergangenen Jahren. Dazu kommen herbe Einschnitte beim Programm und auch bei den Spielstätten. “Die Stadt Wien ist damit nicht mehr Hauptfördergeberin des Festivals”, so Gruber, “ihr Förderanteil am Gesamtbudget sinkt auf 17 Prozent. Das ist nicht nur beschämend niedrig, sondern lässt den Fortbestand des Festivals somit weiterhin am seidenen Faden aus privatem Engagement und Selbstausbeutung hängen, anstatt endlich eine nachhaltige kulturpolitische Entscheidung zu treffen.”

Im Mai hatte Mailath-Pokorny auf der Bühne des Gartenbaukinos im Rahmen der Eröffnung von VIS noch angekündigt, dass ihm bewusst sei, dass hier tolle Arbeit geschehe, und auch mehr Geld in Aussicht gestellt. In Anbetracht dessen wirkt das nunmehrige Zusammenkürzen der Fördererhöhung wie Hohn, so Gruber. “Dieses Verhalten der Stadt enttäuscht uns wirklich maßlos.” Dass mit dieser Entscheidung nun auch Oscar-Status und EU-Förderung wackeln, ist gleichsam das Sahnehäubchen auf diesem wenig genießbaren und willkürlich verteilten Förderkuchen.

Rückfragehinweis:
VIS Vienna Shorts - Presse / Festivalkoordination
Museumsquartier/Q21, Museumsplatz 1/5/2, 1070 Wien
Carla Losch - presse(a)viennashorts.com
0043 699 190 462 45