© VIS, Jannis Gonis

VIS 2018: (Post-)apokalyptische Game-Adaptionen räumen Preise ab

Triumph für deutsche Animation "Ugly" - Online-Performance "Operation Jane Walk" ist bester österreichischer Film - Portugiesischer Film zum besten Kurzspielfilm gekürt - Erster VR-Preis geht nach Finnland - Zwei kanadische Filme auf Oscar®-Longlist

Die Hauptpreise der 15. Ausgabe des Kurzfilmfestivals VIS Vienna Shorts standen ganz im Zeichen dystopischer Filme in Computerspielästhetik. Einen Triumph feierte der deutsch-russische Regisseur Nikita Diakur mit seinem Animationsfilm Ugly: Die 12-minütige Arbeit, die mittels Game-Interface entstand und im apokalyptischen Wirrwarr eine Ästhetik des Fehlerhaften zelebriert, wurde mit zwei Hauptpreisen ausgezeichnet und qualifizierte sich für die Oscars®. Die Online-Performance Operation Jane Walk von Leonhard Müllner/Robin Klengel, die einen Multiplayer-Shooter zur postapokalyptischen Stadtbesichtigung in New York verfremdet, erhielt den mit 5.000 Euro höchstdotierten Preis als bester österreichischer Film. Zum besten Kurzspielfilm des Festivals, das am Montagabend zu Ende ging, wurde das portugiesische Triptychon Miragem Meus Putos von Diogo Baldaia gekürt.

Diakurs Ugly überzeugte die Jury mit seiner "atemberaubenden Formensprache" und "beeindruckendem Erzähltalent". Der Film erhielt den mit 2.000 Euro dotierten ASIFA Austria Award im internationalen Wettbewerb Animation Avantgarde. Operation Jane Walk wiederum ist für die Jury zwar "nicht das erste Beispiel für eine interaktive Interpretation des Found-Footage-Filmemachens, aber der erste uns bekannte Film, der einräumt, dass die virtuelle Welt Teil unserer gelebten Erfahrung ist". Der Vienna Short Film Award für den besten österreichischen Film ist mit 3.000 Euro von der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden und mit einem Postproduktionsgutschein in der Höhe von 2.000 Euro von viennaFX und Blautöne dotiert. Miragem Meus Putos, der Hauptpreis des internationalen Wettbewerbs Fiction & Documentary, ließ die Jury zu guter Letzt staunend zurück. Die "fesselnde, poetische und sinnliche Erkundung von Jugend" sei schlicht umwerfend und zeuge "von der Unermesslichkeit der Wunder", die das Medium Kurzfilm zu bieten habe. Der Preis ist von der Stadt Wien mit 4.000 Euro dotiert.

Zwei "Preise der Jury" nach Kanada, erster VR-Preis nach Finnland

Die wettbewerbsübergreifenden "Preise der Jury", die ihre PreisträgerInnen für die Oscars® qualifizieren, gingen neben Ugly (in der Kategorie Animation) an zwei kanadische Produktionen. Der "Preis der Jury" in der Kategorie Kurzdokumentarfilm ging an Ryan McKennas dramatische Sound-Footage-Arbeit Voces del Secuestro (Voices of Kidnapping), jener in der Kategorie Kurzspielfilm an Jeremy Comte für Fauve. Alle drei Filme haben damit Chancen auf eine Nominierung für die Oscar®-Verleihung 2019.

Die Auszeichnung im erstmals durchgeführten und völlig ausverkauften Wettbewerb VR the World ging nach Finnland: Als bester Virtual Reality- bzw. 360°-Film wurde Devil's Lungs von Alla Kovgan prämiert. Der Preis besteht aus einer einmonatigen Residency im Wiener MuseumsQuartier, verbunden mit 1.050 Euro in bar, gestiftet vom Q21 im MuseumsQuartier.

Preise für beste Regie, beste Newcomerin, besondere Leistungen & Popularität

Zur besten Regisseurin wurde Amanda Nell Eu aus Malaysia für Lagi Senang Jaga Sekandang Lembu (It's Easier to Raise Cattle) gekürt, eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte mit deutlichen Genre-Anklängen. Der Preis ist mit 1.000 Euro von der Elfi Dassanowsky Foundation dotiert. Als beste Newcomerin, von der VAM gemeinsam mit viennaFX und Blautönen mit insgesamt 3.000 Euro (davon 1.000 Euro als Postproduktionsgutschein) dotiert, wurde indes die österreichische Regisseurin Michaela Taschek für den sehr persönlichen Film Doppelgänger ausgezeichnet.

Für eine außergewöhnliche Leistung im Bereich Animations- und/oder Experimentalfilm erhielt die Niederländerin María Molina für Digital Trauma (And the Crystal Image) ein einmonatiges Artist-in-Residence-Stipendium im MuseumsQuartier Wien. Das Publikum wiederum belohnte mit Retour à Genoa City (Back to Genoa City) vom Franzosen Benoît Grimalt ein liebevolles und experimentierfreudiges Porträt, das die eigene Familiengeschichte mit jener der Fernsehfamilie in "Schatten der Leidenschaft" humorvoll vermischt. Den erstmals vergebenen ORF.at-Publikumspreis für den beliebtesten österreichischen Film unter 12 Minuten, dotiert mit 500 Euro und einer Online-Präsenz auf ORF Online, erhielt zu guter Letzt Fabian Lang für Supernaked.

Musikvideopreise und Auszeichnungen in Kooperation mit Alpbach und Erste Group

Die Gewinner des 6. Österreichischen Musikvideopreises sind KIDS N CATS mit Frizzle Frizz in der Regie von Patryk Senwicki. Der internationale Musikvideopreis ging an das estnische Video Pussy Money Weed von und zur Musik von Tommy Cash. Zu den ersten VIS Art Scholars des Europäischen Forum Alpbach (im Wert von bis zu 3.000 Euro) wurden die beiden schottischen Filmemacher Ross Hogg und Duncan Cowles, im Vorjahr bereits Artists-in-Residence des Kurzfilmfestivals, gekürt.

Für den Film mit dem absurdesten Humor wurde am Freitag der begehrte Prix Très chic pour le film le plus extraordinaire an die junge österreichische Filmemacherin Puppie Krammer für Lolana - Rising vergeben. Und schon zur Eröffnung wurde mit dem "Keep it Short"-Award der Erste Group ein einminütiger Stummfilm mit 3.000 Euro prämiert. Die extravagante Arbeit Ingwer gegen alles von Stefan-Manuel Eggenweber und Stephan Langer setzte sich gegen vier weitere neu produzierte Wettbewerbsarbeiten durch.

Die Preise und Juybegrundungen finden Sie hier.