© VIS | Andreas Kepplinger

VIS 2017: Triumph für US-Doku - Animationen räumen ab

Zwei Hauptpreise für "The Rabbit Hunt" von Patrick Bresnan - "In erster Linie" von Veronika Schubert ist bester österreichischer Film - Animationspreis an Altmeister Steven Woloshen - David OReilly und Gabriel Abrantes auf Oscar®-Longlist.

The Rabbit Hunt von US-Regisseur Patrick Bresnan hat bei der 14. Ausgabe von VIS Vienna Shorts gleich zwei Hauptpreise erhalten: Die 12-minütige Doku wurde als bester Film des internationalen Wettbewerbs Fiction & Documentary mit dem Vienna Short Film Award (4.000 Euro, dotiert von der Stadt Wien) und mit dem wettbewerbsübergreifenden "Jury Prize - Documentary" ausgezeichnet, der den Film für die Oscars® qualifiziert. Als bester österreichischer Film wurde die medienkritische Animation In erster Linie von Veronika Schubert mit 5.000 Euro (dotiert von der VdFS und WienTourismus) prämiert.

Den Hauptpreis im internationalen Wettbewerb "Animation Avantgarde", von ASIFA Austria mit 2.000 Euro dotiert, errang der kanadische Altmeister Steven Woloshen für die abstrakte handgemachte Animation Casino. Der "Jury Prize - Animation" wiederum, für den Animationen aus beiden internationalen und aus dem österreichischen Wettbewerb infrage kommen, ging an Everything des Iren David OReilly, der damit ebenso auf der Longlist für die Academy Awards® landet wie Bresnan und der Portugiese Gabriel Abrantes. Abrantes wurde der (ebenfalls wettbewerbsübergreifende) "Jury Prize - Fiction" für seinen surrealen Essay A Brief History of Princess X zugesprochen.

Auch Regie-, Newcomer- & Spezialpreise vergeben

Zu den besten Regisseurinnen des Festivals für Kurzfilm, Animation & Musikvideo, das von 1. bis 6. Juni rund 350 Filme in vier Wettbewerbssektionen sowie Personalen, Specials und Live-Performances präsentierte, wurden die Chilenin Maite Alberdi und die Litauerin Giedre Žickyte für ihren berührenden Dokumentarfilm Yo no soy de aqui (I'm Not From Here) gekürt (1.000 Euro, dotiert von der Elfi Dassanowsky Foundation). Als beste Newcomerin, von der VAM mit 2.000 Euro dotiert) wurde die Regisseurin Sara Kern für den österreichisch koproduzierten Film Srecno, Orlo! (Viel Glück, Orlo!) ausgezeichnet. Für eine außergewöhnliche Leistung im Bereich Animations- und Experimentalfilm erhielt der Franzose Boris Labbé (Orogenesis) ein einmonatiges Artist-in-Residence-Stipendium im MuseumsQuartier Wien.

Die Jugendjury hat ihren Preis im österreichischen Wettbewerb an Bier & Calippo von Paul Ploberger vergeben. Das Publikum wiederum hat sich für den japanischen Coming-of-Age-Film und Sundance-Gewinner And So We Put Goldfish In The Pool von Nagahisa Makoto entschieden. Bereits am Samstag ging der Österreichische Musikvideopreis an Peter Kutin und Florian Kindlinger für Bulletproof - VENTIL, als bestes internationales Musikvideo wurde Territory - The Blaze der französischen Cousins Guillaume & Jonathan Alric ausgezeichnet. Den Prix très chic pour le film le plus extraordinaire und somit den Preis für den Film mit dem absurdesten bis skurrilsten Humor durfte bereits am Freitag Alexander Gratzer für Im Wohnzimmer mit nach Hause nehmen.

 

Die Preise und Jurybegründungen im Überblick

FICTION & DOCUMENTARY

WIENER KURZFILMPREIS 2017 - Bester internationaler Kurzspiel- oder Dokumentarfilm
"The Rabbit Hunt" (US) von Patrick Bresnan
von der Stadt Wien dotiert mit € 4.000

Jurybegründung: Ein Unterfangen, bei dem man auf äußerst spannende Art und Weise vom stillen Beobachter zum Angreifer wird, und das uns damit tief in die Welt der marginalisierten ProtagonistInnen eintauchen lässt. Dieser Film ist ein kompaktes Wunderwerk, welches uns zeigt, was ein wahrlich talentierter Regisseur mit dem kurzen Format zu erreichen vermag. Der Film zeigt eine Momentaufnahme einer harten, aber zuweilen auch vergnüglichen Realität in den ländlichen Gebieten der USA, zu einem der turbulentesten - und zunehmend alarmierenden - Zeitpunkte in ihrer Geschichte. Der Vienna Short Film Award in der Kategorie Fiction & Documentary geht an Patrick Bresnan für "The Rabbit Hunt".

WIENER KURZFILMPREIS 2017 - Beste Regisseurin
"Yo no soy de aqui" ("I'm Not From Here") (CL, DK, IT, LT) von Maite Alberdi & Giedre Žickyte
von der Elfi Dassanowsky Foundation dotiert mit € 1.000

Jurybegründung: Seit 2010 verleihen wir den Preis für die beste Regisseurin im internationalen Wettbewerb Fiction & Documentary. Gestiftet wird der mit 1.000 Euro dotierte Preis von der Elfi Dassanowsky Foundation, zu Ehren der in Österreich geborenen Opernsängerin, Pianistin und Filmproduzentin, die 2007 verstarb. Heuer geht die Auszeichnung an ein sensibles, überraschendes und berührendes Porträt einer Person, die versucht, ihre Identität und Unabhängigkeit trotz schwindender geistiger Fähigkeiten zu wahren.Die Gewinnerinnen sind: Giedr? Žickyt? and Maite Alberdi für "Yo no soy de aquí" ("I'm Not From Here")

ANIMATION AVANTGARDE

ASIFA AUSTRIA AWARD 2017 - Bester internationaler Animations- oder Experimentalfilm
"Casino" (CA) von Steven Woloshen
dotiert von ASIFA Austria mit € 2.000

Jurybegründung: Die vitale Energie des Films, seine formverändernde Qualität und synästhetische Kraft versetzte die Jury in pure Freude. Es ist schwierig, sich dem Rhythmus und der grandiosen Farben zu entziehen - ebenso wie den trotz minimalistischer Technik und einzig einem Stift als Arbeitsgerät wahrzunehmenden Details, die den mit vier Minuten viel zu kurzen Film prägen. Wir sind sehr glücklich, den Preis an "Casino" von Steven Woloshen zu verleihen.

ARTIST-IN-RESIDENCE STIPENDIUM 2017 - Special Achievement
"Orogenesis" (ES) von Boris Labbé
dotiert von MuseumsQuartier/Q21 mit € 1.050 & einem einmonatigen Aufenthalt in Wien

Jurybegründung: Das Artist-in-Residence Stipendium für eine besondere Leistung geht an einen Film, der eine einzigartige taktile Qualität aufweist. Seine innovative visuelle Form und der präzise Schnitt führen erfolgreich und auf elegante und einfühlsame Art und Weise zu einer Stilisierung von Wachstum und Zerstörung. Der Preis geht an "Orogenesis" von Boris Labbé.

Lobende Erwähnung - Animation Avantgarde
"Figury niemozliwe i inne historie II" ("Impossible Figures and Other Stories II") (PL) - Marta Pajek

Jurybegründung: Wir waren tief beeindruckt von dem Geschick, die Komplexität eines surrealen weiblichen Universums in ein kurzes Format zu kondensieren. Der Film reist auf überwältigende Art und Weise zwischen Bewusstem und Unbewusstem, seine große Kraft liegt darin, unendliche Interpretationen zu ermöglichen. Wir sind alle sehr glücklich anzukündigen, dass die lobende Erwähnung an "Impossible figures and other stories II" von Marta Pajek geht.

ÖSTERREICH WETTBEWERB

WIENER KURZFILMPREIS 2017 - Bester österreichischer Film
"In erster Linie" (AT) von Veronika Schubertdotiert
von VdFS Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden und WienTourismus mit € 5.000

Jurybegründung: Schwebende Formen bewegen sich unheilvoll über die Leinwand, sich ständig verwandelnd. Grenzen werden gezeichnet und aufgelöst, gleichzeitig starr und schwer fassbar, wie leere bürokratische Worthülsen, die unsere äußerst reale und menschliche Tragödie von heute kommentieren. Ein Film von bloßer Einfachheit und energischer Unmittelbarkeit, gleichwohl voller Widersprüche, die die politische und semantische Scheinheiligkeit offenbaren. Der Vienna Short Film Award für den besten österreichischen Film, von der VdFS und WienTourismus mit 5.000 Euro dotiert, geht an "In Erster Linie" von Veronika Schubert.

WIENER KURZFILMPREIS 2017 - Nachwuchspreis
"Srecno, Orlo!" ("Viel Glück, Orlo!") (HR/SI/AT) von Sara Kern
dotiert von VAM Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien mit € 2.000

Jurybegründung: Die Kamera führt uns hinein in eine Welt, in der die intimsten und tiefgründigsten Gefühle von Verlust auftauchen, während die Erwachsenenwelt auseinanderfällt und ein Kind gezwungen wird, sich seinen eigenen Weg aus dieser Krise zu bahnen. Eine kraftvolle, reife und fesselnde Arbeit - auf technischer und narrativer Ebene zugleich. Der VAM Nachwuchspreis geht an "Good Luck, Orlo!" von Sara Kern.

WIENER KURZFILMPREIS 2017 - Preis der Jugendjury für besten österreichischen Film
"Bier & Calippo" (AT) von Paul Ploberger
dotiert von LISTO mit € 1.000 als Postproduktionsgutschein

Jugendjurybegründung: Ein heißer Sommer, jugendliche Unvorsichtigkeiten in der Liebe, eine Autobahnraststätte, liebende Väter und Bertl der Camping-Bus. Eine "leiwande" Mini-Roadtrip-Story mit Bier und Calippo. Von der Titelsequenz bis zum Abspann ist hier alles stimmig: Besetzung, Farbgebung, Musikauswahl und -Einsatz.Dies und die herausragenden schauspielerischen Leistungen schaffen es, aus einem problematischen Thema eine lockere Komödie zu machen, die trotzdem im Kopf bleibt. Daher verleihen wir den Preis der Jugendjury 2017 an Paul Ploberger für "Bier und Calippo".

lobende Erwähnung - österreich Wettbewerb
"Wannabe" (DE/AT) von Jannis Lenz

Jurybegründung: Die Lobende Erwähnung geht an einen eindrucksvollen und engagierten Film mit einer atemberaubenden schauspielerischen Darbietung. "Wannabe" von Jannis Lenz.

SCREENSESSIONS / MUSIKVIDEOS

ÖSTERREICHISCHER MUSIKVIDEOPREIS 2017
"Bulletproof - VENTIL" (AT) von Florian Kindlinger & Peter Kutin
dotiert von FAMA Fachverband der Film- und Musikindustrie mit € 1.000

ARTIST-IN-RESIDENCE STIPENDIUM 2017 - Beses internationales Musikvideo
"Territory - The Blaze" (FR) von Guillaume & Jonathan Alric
dotiert von MuseumsQuartier/Q21 mit € 1.050 & einem einmonatigen Aufenthalt in Wien

PREIS DER JURY

PREIS DER JURY - Spielfilm
"A Brief History of Princess X" (FR/GB/PT) von Gabriel Abrantes
qualifiziert sich für die Academy Awards® in der Kategorie BESTER KURZFILM

Jurybegründung: Der diesjährige Preisträger in der Kategorie "Fiction" spielt auf intelligente und oft witzige Weise mit filmischen Konventionen und wirft einen ironischen Blick auf ein faszinierendes Beispiel der "Art maudit". Wir feiern einen Film, der über die Tatsache hinaus, dass er einer der kürzesten Beiträge im Rahmen des Festivals ist, auch einer der dichtesten und komplexesten ist. Der Gewinner ist Gabriel Abrantes für "A Brief History of Princess X".

PREIS DER JURY - Animation
"Everything" (IE/US) von David OReilly
qualifiziert sich für die Academy Awards® in der Kategorie ANIMIERTER KURZFILM

Jurybegründung: Der "Jury Prize - Animation" geht an einen Film, der neben seiner unterhaltenden Ebene über einen starken poetischen und philosophischen Zugang verfügt. Mit didaktischen Elementen inklusiver starker politischer Botschaft ermutigt uns der Film, das eigene Ego hintanzustellen und eine neue Sicht auf die Welt zu erhalten. Die Auszeichnung geht an "Everything" von David OReilly.

PREIS DER JURY - Documentarfilm
"The Rabbit Hunt" (US) von Patrick Bresnan
qualifiziert sich für die Academy Awards® in der Kategorie KURZDOKUMENTARFILM

Jurybegründung: Unabhängig davon, ob unser Gewinnerfilm Anklang beim Oscar-Komitee findet, sind wir fest davon überzeugt, dass ein Werk von solch mitfühlendem Humanismus und unprätentiösem, aber intensivem sozialen Engagement die größtmögliche Öffentlichkeit verdient. Daher geben wir auch den Jury Prize - Documentary an Patrick Bresnan, für "The Rabbit Hunt".

VIS PUBLIKUMPREIS

VIS PUBLIKUM PREIS 2017
"And So We Put Goldfish In the Pool" (JP) von Nagahisa Makoto

Prix Très chic pour le film le plus extraordinaire
"Im Wohnzimmer" (AT) von Alexander Gratzer

DIE POPULÄRSTEN FILME DER VIER WETTBEWERBE:

Fiction & Documentary - "And So We Put Goldfish In the Pool" (JP) von Nagahisa Makoto
Animation Avantgarde - "Decorado" (FR/ES) von Alberto Vazquez
Österreich Wettbewerb - "All the Tired Horses" (AT) von Sebastian Mayr
Screensessions - "Gosh - Jamie xx" (FR/GB) von Romain Gavras