Keine Angst!

Die 13. Ausgabe des Kurzfilmfestivals VIS Vienna Independent Shorts steht unter dem Leitmotiv "Fear Is Not an Option". An sieben Tagen werden in vier Wettbewerbskategorien, zwei Personalen und zahlreichen Schwerpunkt- und Spezialprogrammen knapp 350 Filme zu sehen sein. Als einziges Oscar® Qualifying Festival Österreichs bietet VIS ab heuer zudem die Möglichkeit, sich direkt für die Longlist der Academy Awards® zu qualifizieren.

Ein angespanntes gesellschaftliches Klima, ein radikalisierter Diskurs, teils extreme Lösungsansätze: Wenn Angst im Spiel ist, kann man nicht nur allein an die Vernunft appellieren, sondern muss auch den emotionalen Kern der Menschen ansprechen. Gerade das macht Film im Allgemeinen und Filmfestivals im Besonderen zu einem fruchtbaren Rahmen. Denn was spricht Kino an, wenn nicht unsere Emotionen, und welch andere fundamentale Qualität birgt es, wenn nicht die Befähigung zur Empathie. Festivals wiederum bieten eine Plattform, um zu diskutieren und zu reflektieren: Angesichts der Kakophonie hysterischer Monologe können sie Raum für Dialog eröffnen.

Das diesjährige Motto von VIS Vienna Independent Shorts ist daher bewusst politisch gewählt: Unter dem Leitthema Fear Is Not an Option wird der Kinosaal zum furchtlosen Ort. Angst ist auch in noch so ungewissen Zeiten zwar eine hartnäckige Begleiterin, aber keine gute Ratgeberin - so zeigt es das größte Kurzfilmfestival des Landes in vielen der insgesamt 346 internationalen und österreichischen Kurzfilme, Animationen und Musikvideos.

Angst vor dem Fremden? Angst vor Veränderung? Angst vor Neuerungen? Gerade der Kurzfilm bietet immer wieder Raum für ungewöhnliche Perspektiven und innovative Sichtweisen, ist die starke Verankerung in der Gegenwart doch eine der großen Stärken der kurzen Form. Gleichzeitig dient der Kurzfilm auch immer wieder als Vorreiter für die Entwicklungen des Kinos - und manchmal auch der Gesellschaft. Nicht zuletzt in gemeinsamen Filmprogrammen mit den beiden Partnerfestivals aus Kanada (Festival du nouveau cinéma in Montréal) und den Niederlanden (Go Short in Nijmegen) geht VIS der Frage nach, was Angst denn eigentlich ist und wie man ihr begegnen kann.

114 Filme in vier Wettbewerbskategorien
Neben den sieben kuratierten Programmen im Rahmen des Schwerpunkts zeigen vor allem die vier Wettbewerbskategorien ein konzentriertes Bild des aktuellen Kurzfilms. Mehr als 3.500 Filme wurden für das diesjährige Festival eingereicht. Ausgewa?hlt wurden letztlich 114 Filme, die die große Vielfalt der österreichischen und internationalen Kurzfilmlandschaft widerspiegeln. Sie konkurrieren um die Gunst von Jury und Publikum und um Preisgelder von mehr als 20.000 Euro.

Im internationalen Wettbewerb für Kurzspiel- und Kurzdokumentarfilme (Fiction & Documentary) sind in sechs Programmen 28 Filme zu sehen. Hier zeigt sich u.a. das neueste Werk des vielfach ausgezeichneten US-Regisseurs Ben Russell ("He Who Eats Children") und der politisch hoch aktuelle Flüchtlingsfilm "Estate" vom italienischen Regisseur Ronny Trocker, der das diesjährige Motto des Festivals treffend bebildert. Auch bereits mit Ehrungen bedachte Kurzfilme sind in der Selektion vertreten, beispielsweise der auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären prämierte Dokumentarfilm "A Man Returned" des dänisch-palästinensischen Regisseurs Mahdi Fleifel über die Ausweglosigkeit in einem riesigen libanesischen Flüchtlingscamp oder der für den Europäischen Filmpreis 2016 nominierte Animationsfilm "Edmond", eine schwarze Komödie von Nina Gantz.

Im zweiten internationalen Wettbewerb Animation Avantgarde zeigt sich hingegen neuerlich die größtmögliche Bandbreite des filmischen Formats. In drei Programmen sammeln sich 40 experimentelle und animierte Arbeiten aus 18 verschiedenen Ländern. Jenseits des Mainstreams treffen hier Computeranimationen, wie vom erfolgreichen rumänischen Mihai Grecu ("The Reflection of Power"), auf Zeichentrickfilme, Objektanimationen, Machinimas oder digitale Found-Footage-Projekte. Mit dabei sind auch das ungarische Nachwuchstalent Réka Bucsi, die ihr ausgezeichnetes Werk "LOVE" als diesjährige Artist in Residence persönlich vorstellen wird, oder der Vorjahresgewinner Rainer Kohlberger mit seinem neuen Werk "Not Even Nothing Can Be Free Of Ghosts".

Im Österreich Wettbewerb wiederum stehen sich in drei Programmen bekannte Namen und Newcomer gegenüber. Mit dabei sind in diesem Jahr auch die prämierten RegisseurInnen vergangener Jahre wie Sebastian Brameshuber ("In, Over & Out"), Christoph Schwarz ("Ibiza") oder Christiana Perschon ("Ghost Copy") mit ihren neuen Filmen. In dem atmosphärischen Drama "Raisa" von Pavel Cuzuioc besticht die in Cannes 2012 mit dem Darstellerinnenpreis ausgezeichnete Schauspielerin Cristina Flutur in der Rolle der jungen Raisa. Der Österreich Wettbewerb ist mit 5.000,- Euro dotiert.

Bereits zum vierten Mal wird bei VIS auch der Österreichische Musikvideopreis verliehen. Das Festival leistet dabei - gemeinsam mit der Poolinale - einen wichtigen Beitrag zur Renaissance eines Filmgenres, das lange Zeit ausschließlich als Werbemittel verstanden wurde. Das Musikvideo als Schnittstelle zwischen Musik und Film erlebt eine kreative cineastische Blütephase, frei von Zwängen der Fernseh- und Musikindustrie, und verlangt immer mehr nach einer Präsentation auf der großen Leinwand. Im Rahmen der so genannten Screensessions wird dabei auch das beste internationale Musikvideo prämiert.

Oscar®-Ehren, Live-Events & Virtual Reality
Erstmals haben die besten fiktionalen und animierten Arbeiten auch die Möglichkeit, sich direkt für die Oscars® zu qualifizieren. VIS ist seit diesem Jahr das einzige Academy Qualifying Festival des Landes und gehört damit zu einem ausgewählten Kreis von weltweit 87 Festivals, in dem sich die großen A-Festivals von Cannes, Berlin, Locarno und Venedig ebenso befinden wie die wichtigsten europäischen Kurzfilmfestivals von Oberhausen, Tampere, Winterthur und Clermont-Ferrand. "Diese Auszeichnung ist ein Qualitätssiegel und zeigt eindrücklich, was für einen hervorragenden Ruf das Festival inzwischen genießt", so Geschäftsführer Benjamin Gruber.

Einen wesentlichen Teil dieser Reputation hat sich das Festival auch mit seiner Experimentierfreudigkeit erarbeitet - nicht zuletzt mit Live- oder Expanded-Events. Zwei besondere Live-Veranstaltungen stehen in diesem Jahr an: Anlässlich eines gemeinsamen Musikvideos betritt die amerikanische Rap-Ikone Zebra Katz zusammen mit DJ Leila Arab und dem Filmemacher Florian Pochlatko die Kinobühne des METRO Kinokulturhaus. Zebra Katz ist mit seinen extravaganten Auftritten nicht erst seit kurzem einem großen Publikum bekannt. Zwei Tage später wird dann die österreichische Ein-Mann-Band A Thousand Fuegos gemeinsam mit dem Regisseur Christoph Schwarz zu einem Konzert im Kinosaal laden.

Statt eines Liegekinos wie im vergangenen Jahr bietet VIS in diesem Jahr den neugierigen BesucherInnen die Möglichkeit, die wohl modernste Version des Expanded Cinema auszuprobieren: Virtual Reality. In Kooperation mit der virtual reality lounge vrei in Wien stehen in der Künstlerhaus Passagegalerie, die auch als Festivalzentrum fungiert, von Freitag bis Sonntag VR-Brillen bereit, um in simulierte Welten einzutauchen. Ebenfalls vor Ort: die Videoinstallation Silent Signal über die Verbindung von Animation und Wissenschaft sowie die Kurzhörspiel-Station Kino im Kopf in Kooperation mit Ö1.

Midnight Movies, Fußballfilme & The Rhythm of Vienna
Neben den Wettbewerbsprogrammen versprechen bei VIS vor allem auch die populären Midnight Movies großes BesucherInnen-Interesse. In drei Spätabendvorstellungen locken die Programme "Très Chic", "PopPorn" und "Nightmares" mit Absurdem, Erotischem und Erschreckendem in den Kinosaal. Außerdem führt einmal mehr der österreichische Schauspieler Michael Ostrowski durch den Galaabend der Night of the Light - dem Kurzfilmwettbewerb, bei dem dreiminütige Kurzfilme zum diesjährigen Thema "Power to the People" ihre Uraufführung feiern.

Darüber hinaus präsentiert VIS in seinen vielfältigen Spezialprogrammen neben einer Kinder- und Jugendfilmschiene und einem bosnischen und einem kolumbianischen Filmspecial auch - anlässlich der Fußball-Europameisterschaft - ein Fußball-Open-Air-Kino vor dem Heuer am Karlsplatz bei freiem Eintritt. Nicht unerwähnt bleiben sollte an dieser Stelle auch das schöne Lunchfilm-Projekt von Sundance-Programmer Mike Plante. Ein Highlight in diesem Jahr ist zudem der internationale Kurzfilmwettbewerb The Rhythm of Vienna, der in Kooperation mit WienTourismus und der Vienna Shorts Agentur veranstaltet wird. Aus 129 Einreichungen wurden drei Filmkonzepte ausgewählt, deren Realisierung zeitgleich mit dem Festivalbeginn startet (nähere Infos dazu in der Pressemappe).

Stargäste & große Namen: Bill Plympton & Anouk De Clercq
Im diesjährigen Programm finden sich zahlreiche große Namen - von Werner Herzog bis Wes Anderson, von Krzysztof Kieslowski bis George Lucas. Und auch Don Herztfeldt, der vorjährige Spotlight-Gast und mittlerweile zweifache Oscar-Nominee, ist in einem Spezialpogramm wieder mit von der Partie.

Gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum begrüßt VIS in diesem Jahr zudem einen ganz besonderen internationalen Stargast: Bill Plympton ist einer der weltweit bekanntesten Animationsfilmemacher. Der zweifach Oscar-nominierte Regisseur aus Portland, Oregon, gilt als stilprägend, u.a. auch für "Die Simpsons" oder "Family Guy". Einzigartig sind seine humorvollen Auswüchse - immer mit einer extra Prise Sex und Gewalt, wodurch sich seine Filme vor allem an ein erwachsenes Publikum richten.

Einen weiteren prominenten Gast begrüßt VIS mit der belgischen Künstlerin Anouk De Clercq, der in diesem Jahr eine ausführliche Personale gewidmet ist. Ihrem Film "Building" ist auch das Sujet des diesjährigen Festivals entnommen, das als politischer ebenso wie künstlerischer Appell verstanden werden darf: Fear Is Not an Option. In dem vielfältigen und vielschichtigen Programm von VIS Vienna Independent Shorts 2016 hat Angst nun wahrlich keinen Platz.

vollständige Pressemappe (11,2MB)
Presseinformation WienTourismus (897KB)