International Music Video Award

Better Than Your Dreams Screensessions

  • , METRO Kinokulturhaus 69 min

Wenn man einen roten Faden in der aktuellen Musikvideoproduktion ausmachen möchte, dann dürfte das zweifelsohne die zunehmende Bedeutung von Körperlichkeit sein. Der menschliche Körper in all seinen Manifestationen wird erkundet, betrachtet und manchmal auch den eigenen Idealvorstellungen nach zurechtgeschnitten. Von statisch-kontemplativen Eindrücken bis zum Ausbruch entfesselter Dynamik findet sich in den 15 ausgewählten Videos alles, was das (Musikvideo-)Herz begehrt. (ce)

In Anwesenheit von Maria Em, Denis Firstov (Dinosaur - SBP4), Joscha Bongard

New York – St. Vincent

US 2017 03 min 01 sec Österreich-Premiere Regie Alex Da Corte

Annie Clark, die unter dem Pseudonym St. Vincent seit Jahren erfrischende Gegenkonzepte zum konventionellen Pop entwirft, entführt uns mit dieser Liebeserklärung an ihre Stadt und den „only motherfucker in the city / Who can handle [her]“ in eine minimalistisch-bunte Interpretation des Big Apple. Die liebevoll arrangierten Details und knalligen Farben sind dabei genauso wichtig wie ihre unterkühlte und dennoch sehr fragile Performance. (ce)

Drehbuch Alex DaCorte Produktion Ted Passon, James Doolittle, Shannon Sun-Higginson Schnitt Ted Passon Kamera Zac Rubino DarstellerInnen/Mitwirkende St. Vincent Animation Harvey Benschoter, Jason Harmon, Jason Hsu, Amy DiLorenzo

New York – St. Vincent

Stranger's Kiss (Duet with Angel Olsen) – Alex Cameron

AU US 2017 04 min 35 sec Regie Jemima Kirke

Gemeinsam mit dem australischen Musiker Alex Cameron bewegt sich Jemima Kirke, die hier vor und hinter der Kamera tätig ist, zwar durch dieselbe Stadt, die St. Vincent besingt, doch durch die immer verwirrender werden Obsessionen und Identitätsverschiebungen baut sie hier ein anderes, viel düstereres New York City. Die aus der Serie Girls bekannte Kirke verwandelt sich zunehmend in ihr „Idol“ und scheut keine Mühen diesem auch aufzulauern. (ce)

Produktion Goldcrest Post NY, Devan Maura Saber Schnitt Sophie Corra Kamera Ashley Connor DarstellerInnen/Mitwirkende Jemima Kirke, Alex Cameron

Stranger's Kiss (Duet with Angel Olsen) – Alex Cameron

Dinosaur – SBP4

RU 2017 05 min 18 sec Österreich-Premiere Regie Maria Em

Frei nach Body-Horror-Mastermind Cronenberg entwirft die Russin Maria Em eine dystopische Vermischung von Realitätsverlust durch das Starren auf Video-Screens und der damit einhergehenden verschobenen Wahrnehmung von Gefahrensituationen. Eine VHS-Kamera dient dem voyeuristischen Blick, der Distanz zum Objekt der Begierde suggeriert, doch die vierte Wand ist manchmal nicht so robust wie zuerst vermutet. (ce)

Drehbuch Maria Em Produktion Olga Mitina Schnitt Maria Em Kamera Denis Firstov DarstellerInnen/Mitwirkende Stasya Miloslavskaya, Nikita Elenev, Petr Skvortsov, Alexey Kritsky, Dmitry Didenko Ton Tim Aminov

Dinosaur – SBP4

Nostalgic Love – Bergfilm

DE 2017 06 min 59 sec Österreich-Premiere Regie Joscha Bongard

Die omnipräsente Sexualisierung unserer Gesellschaft scheint oft nur den Jungen und (vermeintlich) Schönen vorbehalten zu sein. Sex und Anziehung von älteren Menschen werden dabei oft ignoriert oder sogar belächelt. Die ProtagonistInnen dieses Videos zeigen, dass diese universellen Gefühle und Bedürfnisse an keine Altersgrenzen gebunden sind. Im selben Atemzug wird den ZuseherInnen aber auch klar, dass für Entfremdung und Distanz wohl dasselbe gilt. (ce)

Drehbuch Joscha Bongard Produktion Yannick Fauth Schnitt Andi Pek Kamera Jan David Günther DarstellerInnen/Mitwirkende Klaudia Golberg, Elmar Gutmann, Maximilian Jaenisch Ton Leonard Bahro, Johannes Knott

Nostalgic Love – Bergfilm

Mermaids – Floyd Shakim

FR NO PL 2017 Kein Dialog/Liedtext 04 min 20 sec Regie HochR

Die Fantasiegebilde von Kindern erschließen sich uns Erwachsenen oft nur schwer und können mitunter schon mal für Gänsehaut sorgen. Ausgelöst durch eine traumatische Erfahrung kommt es in Mermaids dann auch zu der körperlichen Manifestierung dieser Gedanken in der Manier einiger Schauer erweckender Thriller. Doch trotz (oder gerade wegen?) der düsteren Szenerie wird hier ein höchst ästhetisches Bilderlebnis geschaffen, welches das Publikum umschmeichelt. (ce)

Drehbuch HochR Produktion HochR Schnitt Nikodem Chabior Kamera Yori Fabian

Mermaids – Floyd Shakim

In My View – Young Fathers

GB 2018 03 min 23 sec Regie Jack Whiteley

Ein Cowboy, ein Priester und eine Schale voll Blut. Klingt nach dem Beginn eines makabren Witzes, doch mit diesen Zutaten erschafft Jack Whiteley eine zugleich verstörende und hinreißende Szenerie mit ausdrucksstarken Bildern, die ihre Wirkung aus der statischen Präsentation ziehen. Die dadurch erzeugte Spannung hält bis zum Schluss und lässt die ZuseherInnen fast an dem immer wieder aufkeimenden Willen, das Gezeigte sinngemäß zu verknüpfen, verzweifeln. (ce)

Produktion Rattling Stick Schnitt Chris Roebuck Kamera Rina Yang

In My View – Young Fathers

Copyshop – Romano

DE 2017 10 min 43 sec Österreich-Premiere Regie Jakob Grunert

Der Berliner Rapper Romano nutzt seine vergangenen Erlebnisse im Sektor der Fluktuationsjobs, um einen Kommentar rund um den Verlust von Originalität zu spinnen. Er begibt sich dazu nach Hongkong, um durch die engen, von Menschen und Fahrzeugen überschwemmten Straßen zu spazieren und seinem lockeren, chilligen Rap-Stil eine bildliche Antithese entgegenzusetzen. Vom High an Informationsüberfluss bis zum Come-Down in dem abendlichen pendlerverlassenen Moloch. (ce)

Produktion Elena Gruschka DarstellerInnen/Mitwirkende Roman Geike aka Romano, MastaMic

Copyshop – Romano

Jenny GoGo – Xiu Xiu

RU 2017 03 min 56 sec Österreich-Premiere Regie emp.bikutoru

Vorab: EpileptikerInnen sollten wohl einen großen Bogen um die Visualisierung dieses Stücks von Xiu Xiu machen. emp.bikutoru spart hier nämlich nicht mit Strobo- und Bild­rauscheffekten, um eine groteske Bildwelt zu schaffen, in der Pinball-Maschinen unentwegt Cash ausspucken, um die elliptisch wiederkehrenden Tänzerinnen anzufeuern. Da täuscht auch die eher naiv-kindliche Aufmachung der Animation kaum über die alptraumähnliche Stimmung hinweg. Ein Sinnesrausch. (ce)

Schnitt emp.bikutoru Animation emp.bikutoru

Jenny GoGo – Xiu Xiu

If The Car Beside You Moves Ahead – James Blake

GB 2018 04 min 38 sec Österreich-Premiere Regie Alexander Brown

Mit seinem Video für James Blake transferiert Brown die aus Hollywood bekannte Ästhetik des Late-Night-Drive in das Genre Musikvideo und gibt dem fragmentierten Stück Musik einen hypnotischen visuellen Unterbau, der das Publikum innerhalb weniger Minuten in dieselbe nebulöse Stimmung versetzt wie ein David-Lynch-Film. Eine 1991er Corvette, Blake und die Straße. Effektvoller Minimalismus beweist hier, dass weniger oft mehr ist. (ce)

Produktion Adam Nelson Schnitt Avner Shiloah DarstellerInnen/Mitwirkende James Blake Ton James Blake

If The Car Beside You Moves Ahead – James Blake

Blue Light – Kelela

FR US 2017 03 min 33 sec Österreich-Premiere Regie Helmi

Das simple Konzept des Videos lebt von der fesselnden Präsenz der Musikerin, die uns mit detailverliebten Close-ups und einer emotionalen Performance ganz nah an die von ihr besungenen Gefühlsverstrickungen heranführt und daran teilhaben lässt. Der Schnitt und die Auswahl der Bildausschnitte passen sich dabei perfekt dem fluiden Sound des Stücks an und unterstreichen die Fragilität, mit der wohl jede/r von uns schon in den Anfängen einer neuen Beziehung konfrontiert war. (ce)

Produktion Emory Ruegg Schnitt Simon Colin

Blue Light – Kelela

Roman – Mashrou' Leila

LB 2017 04 min 07 sec Österreich-Premiere Regie Jessy Moussallem

Die Regisseurin Jessy Moussallem aus dem Libanon versteht es in diesem Video (für die eigentlich nur aus Männern bestehende Indie-Band Mashrou’ Leila) Erwartungen zuerst zu schüren, um im nächsten Moment gekonnt damit zu brechen. Die anfangs wohl auf ihre traditionelle Kleidung reduzierten Frauen brechen im nächsten Augenblick in performativen Tanz aus, um ihren Gefühlen und der gelebten Freiheit Ausdruck zu ver­leihen. (ce)

Roman – Mashrou' Leila

Up All Night – Beck

ES US 2017 04 min 24 sec Regie CANADA

Die junge Protagonistin dieses Videos schlägt sich mit viel Durchhaltevermögen und Kraft durch eine hedonistische Party-
welt aus schlafwandelnden Gleichaltrigen. Als modernisierte Jeanne d’Arc versucht sie, die bis zum Umfallen konsumierenden Jugendlichen aufzurütteln und alle Hindernisse abzuwehren. Sie merkt jedoch zunehmend, wie schwer es sein kann mit perfekt einstudierten Gewohnheiten zu brechen. (ce)

Produktion Laura Serra Estorch Schnitt Carlos Font Clos DarstellerInnen/Mitwirkende Soléne Rigot, Pedro Attenborough

Up All Night – Beck

Supermotor – My name is Fuzzy

CH 2017 02 min 40 sec Österreich-Premiere Regie Bastien Bron

Die besungene Liebe zu Automobilen lässt der Schweizer Fuzzy in seinem Video mit der Hilfe von Freunden in eine unterhaltsame Körperlichkeit übersetzen. Als unermüdlicher Entdecker begibt er sich also auf kurvige Landstraßen oder gepflegte Alleen und gerät dabei mit seinen Matchbox-Autos auch mal in etwas haarigere Situationen. Mit der Unterstützung seiner Freunde kann er dann aber jede Gefahr abwenden. (ce)

DarstellerInnen/Mitwirkende Jessica Dreier, Raphaël Weber

Supermotor – My name is Fuzzy

To the Moon and Back – Fever Ray

SE 2017 04 min 18 sec Österreich-Premiere Regie Martin Falck

Karin Dreijer von The Knife lässt ihr Alter Ego nach Jahren des Tiefschlafs wieder auferstehen, um in einer neongetränkten Utopie die Marginalisierung der queer-sadomasochistischen Community innerhalb von viereinhalb Minuten einfach so wegzuwischen. Mit kindlicher Neugierde gibt sie sich der Unterwerfung hin und findet prompt auch Spielgefährtinnen, die ihre Rückkehr so locker leicht erscheinen lassen wie der piepsig-erhebende Refrain dieses Ohrwurms. (ce)

Drehbuch Martin Falck Produktion Malin Huber Schnitt Charlotte Landelius Kamera Iga Mikler DarstellerInnen/Mitwirkende Camilla Wellton, Fannie Aronsson, Karin Dreijer, Timimie Märak, Zhala Zhino Rifa Ton Karin Dreijer Animation Stefan Ekman

To the Moon and Back – Fever Ray

Pussy Money Weed – Tommy Cash

EE 2018 03 min 34 sec Österreich-Premiere Regie Tommy Cash

Der estnische Rapper Tommy Cash, der sich mit Augenzwinkern auch gern als „Kanye East“ bezeichnet, inszeniert in seinem stylischen Hochglanzvideo Körper und die Persönlichkeiten dahinter, die innerhalb des Mainstreams oft ignoriert oder vergessen werden. Er bedient sich des klassischen Posse-Videos, um zu zeigen, dass Handicaps oft nur im Kopf existieren und das dargestellte Subjekt keineswegs seiner Sinnlichkeit berauben. (ce)

Drehbuch Tommy Cash Produktion Anna-Lisa Himma Schnitt Emeri Abel Kamera Heiko Sikka Ton Tommy Cash, A.G. Cook Animation Denis Strahhov (Denhov Visuals)

Pussy Money Weed – Tommy Cash