Animation Avantgarde 3 Internationaler Wettbewerb

  • , Stadtkino im Künstlerhaus 74 min

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Kunstgeschichte und dem verrückt gewordenen Museum von Rui Hu übernehmen Choreografien die Leinwand: In Ghost Tracks werden diese von Objekten vollführt, und bei Karin Fisslthaler wird auch der Raum außerhalb der Leinwand miteinbezogen. Im Programm findet sich auch eine gehörige Portion Popkultur: von den schrägen 3D-Welten in Faiyaz Jafris Filmen bis hin zu Fabrice Le Nezets tanzenden, quietschbunten Objekten. Wir tauchen ein in die Welt der Ego-Shooter-Games, bis schließlich Adrian Flury zum Reiseführer für jene Orte wird, an denen er selbst noch nie war.

In Anwesenheit von
Adrian Flury, Faiyaz Jafri, Hanna Arvela, Samuli Sarén, Izumi Yoshida, Karin Fisslthaler, Sasha Svirsky, Nadezhda Svirskaia. 


One Minute Art History

CN 2015 Kein Dialog/Liedtext 01 min 27 sec Österreich-Premiere Regie Cao Shu

One Minute Art History ist eine visuell berauschende Arbeit, in der Jahrhunderte der Entwicklung im Bereich der Malerei auf nur knapp eine Minute Filmlänge komprimiert werden. Pro Sekunde werden acht stilistisch unterschiedliche Bilder gezeigt, die, ausgehend vom alten Ägypten, wichtige Kunstströmungen aus dem europäischen und asiatischen Raum bis zur Gegenwart zeigen. Die unterlegte Handlung zeigt eine zumeist männliche Person, die auf etwas wartet.

Schnitt Xu Sijie Kamera Yuan Yi Animation Cao Shu

One Minute Art History

Woman without Mandolin

BR DE 2015 Kein Dialog/Liedtext 04 min 40 sec Regie Fabiano Mixo

Wir betrachten das Porträt einer Frau, in traditionell afrikanisch anmutender Kleidung und im stolzen Profil. Als sie den Blick in Richtung Kamera wendet, beginnt das Bild wie ein Spiegel in Teile zu zerbrechen. Das faszinierende Auseinanderdriften der Gesichts- und Körperteile lässt eine Reflexion über Schönheit und Selbstbild zu. Das Bild erinnert am Ende an die kubistischen Porträts Picassos, an dessen Bild „Girl with Mandolin“ der Titel angelehnt ist.

Drehbuch Fabiano Mixo Produktion Leonie Schäfer Schnitt Felix Trolldenier, Boris Seewald, Fabiano Mixo Kamera Alex Bloom DarstellerInnen/Mitwirkende Miriam Goldschmidt Ton Simon Kummer Animation Felix Trolldenier, Boris Seewald, Fabiano Mixo

Woman without Mandolin

Metropolitan Triangle Garden

CN US 2014 Kein Dialog/Liedtext 03 min 54 sec Österreich-Premiere Regie Rui Hu

Rui Hu betrachtet humorvoll den musealen Raum mit den dort vorhandenen klassischen Skulpturen und Exponaten. In seiner 3D-Animation vollführen diese eine destruktive Performance, die aus digitalen Glitches und Verformungen der 3D-Skulpturen besteht. So machen sich die Werke ihre Plätze streitig, zerfließen, setzen sich neu zusammen – es scheint, als würden wir dem Ritual einer verrückt gewordenen, sich selbst überlassenen, neonbunten Kunst beiwohnen.

Drehbuch Rui Hu Produktion Media Lab, Metropolitan Museum of Art, New York University

Metropolitan Triangle Garden

Quimtai

DE 2015 Kein Dialog/Liedtext 06 min 05 sec Österreich-Premiere Regie Camilo Colmenares

Die Formensprache von heute ausgestorbenen indigenen Kulturen in Kolumbien bildet einen Ausgangspunkt dieser Arbeit. Eine weitere Inspirationsquelle für Camilo Colmenares ist der deutsche abstrakte Animationsfilm der 1920er-Jahre. In Quimtai entsteht ein Dialog zwischen uralter und moderner Kulturtechnik, wenn die Muster der Tairona und Quimbaya mit Hilfe der Lasertechnologie in einem handwerklich aufwendigen Verfahren direkt in den 35mm-Schwarzfilm geritzt werden.

Drehbuch Camilo Colmenares Produktion Ute Dilger Schnitt Tama Tobias-Macht Ton Camilo Colmenares Animation María José Román, Igor Shin Moromisato, Pam Sánchez

Quimtai

Ghost Tracks

FR JP 2015 Kein Dialog/Liedtext 05 min 17 sec Österreich-Premiere Regie Jerome Boulbes

Eine geisterhafte Szenerie in einem Tunnel öffnet sich: Der Raum scheint ohne Schwerkraft zu sein, Steine schweben in der Luft und bewegen sich fließend durch das Bild, lange Holzbalken zeichnen horizontale, vertikale und diagonale Linien ins Bild und arrangieren sich in einem geheimnisvollen Ritual zu geisterhaft waberndem Sound immer wieder neu. Sie werden zu Licht, werden durchscheinend und geben kleine Blicke frei auf eine Welt, die sich dahinter verbergen könnte.

Drehbuch Jerome Boulbes Produktion Jerome Boulbes Animation Jerome Boulbes

Ghost Tracks

Brainbows

AT 2015 Kein Dialog/Liedtext 02 min 26 sec Regie Karin Fisslthaler

Karin Fisslthaler sammelt in ihren Arbeiten sehr fokussiert und präzise Gesten und Momente von Berührung und Kommunikation zwischen Körpern. In Brainbows, in dem Material aus Fritz Langs Frau im Mond zur Verwendung kommt, kondensiert sie diese Momente des Kinos in einer elegant montierten Choreografie, die Bewegungen auch über den Frame hinaus weiterdenkt und eine neue Kommunikation zwischen Bildern ermöglicht.

Brainbows

East Meets West

AU 2015 Kein Dialog/Liedtext 04 min 30 sec Österreich-Premiere Regie Dirk de Bruyn

Zentral ist ein mit abstrakten Formen handbedrucktes Filmfenster inklusive Perforation, die analoge Materialität der Oberflächen wird überdeutlich. Gleichzeitig zeigen in einem senkrechten Streifen am rechten Bildrand acht zeitlich versetzte Movies einen Auftritt der berühmten Frauen-Jazz-Bigband von Drummerin Viola Smith (ca. 1935). Das Chaos der akustischen Vervielfältigung harmoniert perfekt mit dem quirligen Filmbild. Analogue film meets digital files.

Produktion Dirk de Bruyn

East Meets West

Exomoon

GB AT 2015 06 min Wien-Premiere Regie Gudrun Krebitz

Exomoon ist ein wunderbares Zusammenspiel von Texturen in Bild und Ton: Bilder werden übermalt, mit feinem Strich gezeichnet, die Stimme flüstert, verändert die Tonalität, wird verdoppelt. Es kracht und kratzt, man hört Schritte und sieht die nackten Füße mit rot lackierten Nägeln im Schnee. Manchmal träumerisch, manchmal hellwach erzählt sie von einer Frau, die zwischen Einsamkeit und einem Verlangen nach einem Ereignis, das diese Einöde durchbricht, mäandert.

Drehbuch Gudrun Krebitz Produktion Gudrun Krebitz Schnitt Gudrun Krebitz Kamera Gudrun Krebitz Ton Marian Mentrup Animation Gudrun Krebitz

Exomoon

Kinki

PL 2015 Kein Dialog/Liedtext 10 min 12 sec Österreich-Premiere Regie Izumi Yoshida

Diffuse Bilder, Eindrücke. Lichter erhellen die Szenerie, um sie dann wieder im Dunkeln verschwinden zu lassen. Der Blick wird frei auf Gitter, Schnüre und Zäune. Kinki ist voll Andeutung und mysteriöser Stimmung, man erhascht nur fragmentierte Blicke auf Räume oder Oberflächen, die bearbeitet werden, sich zersetzen. Unzählige Assoziationen tun sich auf. Der intensive Soundtrack gibt dem Film etwas Horror-eskes und erinnert dabei an Krzysztof Pendereckis Filmkompositionen.

Drehbuch Izumi Yoshida Produktion Piotr Furmankiewicz Schnitt Beata Walentowska Kamera Izumi Yoshida Ton Jacek Hamela Animation Izumi Yoshida

Kinki

A place I've never been

CH 2015 Kein Dialog/Liedtext 04 min 40 sec Österreich-Premiere Regie Adrian Flury

Mit Google Street View und Milliarden von privaten Bildern, die jeden Tag ins Netz geladen werden, kann man sich praktisch an jeden Ort der Welt begeben. Flury rekonstruiert mithilfe dieses „Online-Bildarchivs“ ein mögliches Bild von Athen, inklusive simulierter Kamerafahrten, hinterfragt damit AutorInnenschaft und wirft auch die Frage nach der Manipulation der Bilder auf.

Drehbuch Adrian Flury Produktion Adrian Flury Schnitt Adrian Flury Ton Jeroen Visser Animation Adrian Flury

A place I've never been

This Ain't Disneyland

HK 2015 Kein Dialog/Liedtext 06 min 25 sec Europa-Premiere Regie Faiyaz Jafri

Eine verstörende Provokation leistet sich Faiyaz Jafri im Geiste seines programmatischen „Hyper-Unrealism“, wenn er Bilder der Zerstörung der New Yorker Twin Towers mit Bildern von Bambi und Micky-Maus-Ohren, seinen Lieblings-(Anti-)Disney-Motiven, aufeinandertreffen lässt. Die Textzeile This Ain't Disneyland ist das Zitat eines Polizisten aus einem 9/11-Dokumentarfilm, die Disney-kritischen Textzeilen des Songs zu Beginn und Ende stammen von Jafris Sohn.

Drehbuch Faiyaz Jafri Produktion Faiyaz Jafri Schnitt Faiyaz Jafri Kamera Faiyaz Jafri Ton Faiyaz Jafri Animation Faiyaz Jafri

This Ain't Disneyland

First Person Shooter

FI 2015 07 min 07 sec Welt-Premiere Regie Hanna Arvela

Zwei zivilisationsgeschädigte Männer verbringen ihren Abend beim Computerspiel. Über ein Netzwerk verbunden bewegen sie ihre beiden Avatare durch „naturbelassene“ Hügel und Wälder und durchkämmen entlegene Siedlungen. Neben Naturgeräuschen und dem Keuchen der sportlichen Avatare können wir den unbekümmerten Dialogen ihrer Controller lauschen, die entlarvender kaum sein könnten. Ein amüsanter Einblick in die Geisteswelt leicht verblödeter Machos.

Drehbuch Hanna Arvela Produktion Hanna Arvela Schnitt Hanna Arvela Kamera Antti Loponen DarstellerInnen/Mitwirkende Samuli Sarén, Antti Loponen

First Person Shooter

Tanzonk

RU HU 2015 Kein Dialog/Liedtext 09 min 20 sec Österreich-Premiere Regie Sasha Svirsky

Sascha Svirsky bedient sich großer Themen, die er mit einem Augenzwinkern ironisch bricht. Ausgehend vom Thema Krieg, der hier zwischen Mensch und Maschine ausgetragen wird, wechselt er zur Liebe, wenn die nicht tolerierbare innige Beziehung zwischen einem Menschen und einem Roboter dargestellt wird. Auch stilistisch referiert er auf klassische Vorbilder aus der reichen Geschichte der Grafik und Musik, die er digital animiert modernisiert.

Drehbuch Sasha Svirsky Produktion Nadezhda Svirskaia Schnitt Sasha Svirsky Ton Alexey Zelensky Animation Sasha Svirsky

Tanzonk

Pump

GB 2016 Kein Dialog/Liedtext 01 min 32 sec Österreich-Premiere Regie Fabrice Le Nezet

Ausgehend von seiner Auseinandersetzung mit Typografie, von der Idee eines primitiven Alphabets, entwickelte Fabrice Le Nezet das Design für seine abstrakten Formen und Figuren in schrillem Rosa, Hellblau und Dottergelb, die an Kinderspielzeug aus Plastik, etwa aus einem Überraschungsei, erinnern. Pures Vergnügen bietet sein Musikvideo, in dem diese sinnlosen Objekte ihr seltsames Aerobic zu ebenso cool durchgestyltem Dance Groove vollführen.

Pump