VIS Wettbewerbe

Der Wettbewerb ist in vier Programmschienen aufgeteilt: Fiction & Documentary widmet sich den internationalen Kurzspiel- und Dokumentarfilmen und Animation Avantgarde den besten Animations- und Experimentalfilmen. Im Österreich Wettbewerb wird das nationale Kurzfilmschaffen unter die Lupe genommen, im 2013 mit Screensessions geschaffenen Musikvideo-Wettbewerb die besten österreichischen Musikvideos prämiert.

Fiction & Documentary

Raketentraining in Sambia. Entrückter Gesang im Straßenlokal. Eine Stierkampfarena als Ausgangspunkt für die Suche nach Vertrauen. Doch manchmal fühlen sich selbst jene Personen, die einem am nächsten sind, eine Million Meilen entfernt an. Wie in der russischen Pampa. Oder in einem anderen Jahrhundert. Da ist man unter Wasser und kann nicht auftauchen – will es vielleicht auch gar nicht. Dieser verzerrte Blick auf die Welt, diese leicht verschobene Wahrnehmung, dieses Treibenlassen, das hat etwas ebenso Spielerisches wie leicht Bedrohliches und zieht sich wie ein roterFaden durch die fünf Programme von Fiction & Documentary 2014.

Aus weit über 2.000 Filmen allein für den internationalen Wettbewerb für Kurzspiel- und Kurzdokumentarfilme wurden heuer 23 eigenwillige Filme mit ausgeprägter Erzählhaltung und starkem Gestaltungswillen ausgewählt. Dass davon 14 Produktionen von Frauen stammen oder in gemischten Regieteams entstanden, ist angesichts von einem immer noch deutlich verschobenen Einreichverhältnis sehr erfreulich und zeugt vielleicht auch von einer langsamen, aber zumindest im internationalen Kurzfilm bereits in den vergangenen Jahren bemerkbaren Trendwende.

Ein anderer Trend setzt sich dagegen nahtlos fort: Die Kurzfilme werden – innerhalb des erlaubten halbstündigen Rahmens – immer länger. Waren vor einigen Jahren noch mehr als 30 Filme in den fünf Wettbewerbsprogrammen vertreten, verzeichnen wir mit 23 Produktionen den niedrigsten Wert der Festivalgeschichte. Auch darüber wird man sich Gedanken machen. Aber noch nicht jetzt: Jetzt werden die 23 Wettbewerbsfilme und ihre Filmschaffenden gefeiert, deren Herkunft von Brasilien bis China, von Norwegen bis Spanien, von Russland bis in die USA reicht. Sie alle beweisen in ihren Filmen ein Gespür für die Aliens und die kleinen Unzulänglichkeiten wie auch für die ganz normalen Menschen und deren politische bis poetische Lebenswelt. Komm und spiel!

Programmleitung

Doris Bauer & Marija Milovanovic

Animation Avantgarde

Die internationale Wettbewerbsschiene ANIMATION AVANTGARDE geht ins fünfte Jahr – und mit der diesjährigen Auswahl wird die Konzeption der Animations- und Experimentalfilmkonkurrenz noch deutlicher, geht es doch nicht darum, nur die Kombination – also experimentellen Animationsfilm – zu zeigen, sondern sowohl experimentelle als auch animierte Filme. Der Aspekt der Innovation steht dabei im Zentrum. Innovation bedeutet für uns, gängige Klischees unterschiedlichster Genres (von Avantgarde bisKommerz) nicht zu wiederholen, also neue Erfahrungsmöglichkeiten zu erschließen. Dabei setzen wir explizit auf eine Vielfalt der Inhalte, Intentionen, Techniken und Genres.

Ein weiterer Aspekt, der ANIMATION AVANTGARDE charakterisiert, ist das Nahverhältnis zur Bildenden Kunst. Viele der Künstlerinnen und Künstler in unserem Programm sind nicht klassische „Filmschaffende“, sondern bezeichnen sich als „visual artists“, die interdisziplinär in verschiedenen Bereichen der Bildenden Kunst (Zeichnung, Fotografie, Objektkunst, Installation, etc.) aktiv sind oder auch großes Interesse an Musik und Sound Art haben. Aus diesem Hintergrund ergibt sich oftmals ein sehr eigenständiges Verständnis von der „Kunst der bewegten Bilder“, das mitunter durchaus als „anti-kinematografisch“ zu bezeichnen wäre, da sich die Interessen und Inspirationen eben nicht unbedingt aus der Geschichte des Kinos, sondern oft viel stärker aus jener der Bildenden Kunst ableiten.

Für das Wettbewerbsprogramm wurden 36 Filme aus 16 Ländern ausgewählt, die entweder eingereicht oder auf Festivalreisen entdeckt wurden. Sie haben die Chance auf den ASIFA Austria Award (2.000 Euro) sowie eine einmonatige Residency in Wien (1.050 Euro). Unserem Publikum wünschen wir: viele intellektuelle Anregungen, emotionale Höhen und Tiefen, genussvolle Projektionsabenteuer, akustische Sensationen, und, last but not least: viel Spaß.

Programmleitung

Thomas Renoldner & Wiktoria Pelzer

In Kooperation mit ASIFA Austria

Österreich Wettbewerb

Der nationale Wettbewerb ist zu einem Aushängeschild geworden, der die hohe Qualität und Vielfalt des heimischen Kurzfilmschaffens eindrucksvoll dokumentiert: Nur 15 Filme können in diesem Jahr in den drei rund 80-minütigen Programmen gezeigt werden, weit mehr der insgesamt mehr als 300 eingereichten Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Experimentalfilme aus dem Kunst-, Hochschul- und unabhängigen Kontext hätten sich eine Präsentation im Rahmen des Festivals verdient gehabt. Neun der ausgewählten Arbeiten sind heuer von Regisseurinnen, was dem Geschlechterverhältnis bei den Einreichungen ganz und gar nicht entspricht, aber möglicherweise als weiterer Ansporn dient.

Mit der Unterstützung des VDFS und von Casinos Austria wird der Hauptpreis heuer erstmals in der Höhe von 5.000 Euro vergeben. Programmatisch haben wir die drei Programme mit den Titeln Auflösungserscheinungen, Zeitgefühl und Schwitzkasten versehen. Im ersten Block lösen sich Fotos auf, ist die Bevölkerung einer ganzen Stadt verschwunden. Eine nebelverhangene Familiengeschichte wird zum bedrückenden Essayfilm, während das Spiel von Kindern ebenso schnell in Gefahr umschlägt wie die Haltlosigkeit von drei Jugendlichen, die vom Leben über- oder unterfordert sind. Im zweiten Programm wird ein Manifest der Avantgarde wie ein Popsong gesungen und ein Bauwerk in einer rasanten Architektur-Studie Bild für Bild vermessen. Ein intim-magisches Künstler-Porträt schärft unsere Wahrnehmung, eine stumme Miniatur fordert unsere Sinne mit starken, schmerzhaften Bildern. Und wir erhalten einen satirischen Einblick in den ORF, der Wahrheit und Fiktion verschwimmen lässt. Im letzten Block geraten wir bei sommerlicher Hitze ordentlich ins Schwitzen, daheim im Grünen und am Sandstrand, nach der Hauptsaison. Einer Odyssee durch das nächtliche Jerusalem folgt letztlich eine Reise zurück in die eigene Jugend, als diese noch nicht mit sozialen Medien und YouTube assoziiert war.

presented by superfly

Programmleitung

Michael Reutz & Alexandra Valent

Screensessions: Musikvideo Wettbewerb

Das Musikvideo hat als Teil der kürzeren filmischen Formen in den vergangenen Jahren gezeigt, dass vor allem das Internet durch seine schnellen Verbreitungsmöglichkeiten und der immens großen Zahl an potentiellen ZuseherInnen eine Spielwiese für experimentierfreudige Filmschaffende darstellt. Das World Wide Web ist zum primären Verbreitungsmedium für Musik-Clips geworden und bestimmt mit der Anzahl der Klicks und Verlinkungen, ob ein Video „viral“ geht. Ob es die meisten Videos, die sich großer Online-Beliebtheit erfreuen, überhaupt ins „klassische“ Musikfernsehen geschafft hätten, bleibt fraglich. Zumal sich Sender wie MTV und VIVA in ihren Hochphasen – als sie noch Musikvideos im Programm hatten – zusehends auf hochbudgetierte Major-Produktionen konzentrierten, deren Premieren fast schon im Geiste eines starbesetzten Hollywood-Films abgehalten wurden.

Die Ästhetik aktueller Videos trägt oft nur noch wenige Merkmale dieser Millionenproduktionen. Mit allen ihnen verfügbaren Mitteln und Techniken versuchen kreative Köpfe weltweit in der Länge eines Songs eine Geschichte zu erzählen oder unbekannte Welten und Sichtweisen auf unsere Laptops, Tablets oder Smartphones zu zaubern.Mit den Screensessions, basierend auf einem Konzept von Marco Celeghin, möchten wir diesen oft unterschätzten Arbeiten einen Rahmen bieten, der über die kleinen Screens und den schnellen Konsum zwischendurch hinausgeht. Zum zweiten Mal werden heuer in Zusammenarbeit mit dem Musikfilmfestival Poolinale, dem Musikinformationszentrum mica und der SAE die besten nationalen und internationalen Musikvideos präsentiert und mit Preisen bedacht. Im Anschluss werden die nominierten Bands BRNS aus Belgien und die Lokalmatadore Velojet ihre Live-Qualitäten unter Beweis stellen – und das erstmals unter freiem Himmel direkt am Karlsplatz.

Programmleitung

Christoph Etzlsdorfer, Ann-Katrin Dorner & Marco Celeghin

SCREENSESSIONS LIVE: BRNS
26.05.2014 - 19.30
HEUER am Karlsplatz