VIS Wettbewerbe

Der Wettbewerb ist in vier Programmschienen aufgeteilt: Fiction & Documentary widmet sich den internationalen Kurzspiel- und Dokumentarfilmen und Animation Avantgarde den besten Animations- und Experimentalfilmen. Im Österreich Wettbewerb wird das nationale Kurzfilmschaffen unter die Lupe genommen, im 2013 mit Screensessions geschaffenen Musikvideo-Wettbewerb die besten österreichischen Musikvideos prämiert.

Fiction & Documentary

Kletterwand und Gartendickicht, Tierköpfe und Schutzanzüge. Vieles wird angesprochen, mehr noch bleibt unausgesprochen. Doch das Herz, das schlägt kräftig. Sei es am Strand oder in der afrikanischen Steppe. Die Vergangenheit im Gepäck, die Gegenwart im Blick und die Zukunft in den Händen – die 22 Filme im internationalen Wettbewerb Fiction & Documentary erzählen vor allem eines: Geschichten von uns.

Allein für diesen Wettbewerb, also jenen für internationale Kurzspiel- und Kurzdokumentarfilme, wurden in diesem Jahr wieder mehr als 2.000 Filme eingereicht. Dass somit nur etwa ein Prozent der möglichen Filme tatsächlich ausgewählt werden kann, schmerzt nicht nur das KuratorInnenherz, sondern zeugt auch von jenem unaufhaltsamen Trend, der bereits in den vergangenen Jahren zu bemerken war: Die Kurzfilme werden – innerhalb des erlaubten halbstündigen Rahmens – immer länger. Die 22 Produktionen in fünf Wettbewerbsprogrammen bedeuten den niedrigsten Wert der Festivalgeschichte und sind bereits jetzt ein Indiz dafür, dass der Wettbewerb im kommenden Jahr aufgestockt werden muss. 

Heuer gibt’s jedoch nichts an dem Programm zu rütteln – und daher blicken wir mit Stolz auf jene Auswahl, die in diesem Jahr noch mehr als sonst davon zeugt, dass die kurze Form nicht nur für FilmeinsteigerInnen ist. Mit Claire Denis, Ursula Meier, Radu Jude, Yuri Ancarani, Oliver Pietsch, Sandro Aguilar oder Jay Rosenblatt finden sich einige arrivierte RegisseurInnen im Programm, die im vergangenen Jahr ebenso herausragende Kurzfilme geschaffen haben wie die 15 weiteren FilmemacherInnen, deren Herkunft von Singapur bis Brasilien, Griechenland bis Litauen, Großbritannien bis in die Schweiz reicht.

Sie erzählen von den Akten der Entfremdung, von den täglichen Herausforderungen oder dem Herzklopfen, sie legen sich unters Mikroskop oder testen ihre Selbstwahrnehmung. Sie erzählen Geschichten von uns. Und wenn das Eis bricht, ist mit Verlusten zu rechnen.

Programmleitung

Doris Bauer & Marija Milovanovic

PROGRAMMTEAM

Daniel Ebner, Milena Nikolic

Animation Avantgarde

Animation Avantgarde verfolgt eine klare Mission: Es geht darum, internationale Wettbewerbsprogramme aus den Bereichen Experimentalfilm, digitale Medien, Video und Animation zusammenzustellen, wobei wir uns auf Arbeiten abseits ausgetretener Pfade konzentrieren.

Dass der Animationsfilm heuer wieder anteilsmäßig stark vertreten ist, leitet sich von den Einreichungen ab. Neben Computeranimation, Motion Graphics und Puppentrickfilm kommt ein guter Teil aus dem Bereich des gezeichneten und gemalten Filmes, wobei sich zwischen figurativ-gegenständlichem und  experimentellem oder abstraktem Film eine Vielzahl an Facetten zeigen. Eine kleinere Gruppe von Filmen benutzt keine Animationstechnik, sondern Found Footage oder Realfilm oder ist aufgrund seines medienreflexiven Ansatzes eher dem Konzept Avantgardefilm zuzurechnen.

Wir freuen uns in diesem Jahr über die Teilnahme von einigen prominenten Namen: Don Hertzfeldt philosophiert in seinem erstmals digital produzierten World of Tomorrow über die Zukunft, während Jerzy Kucia mit Fugue for Cello, Trumpet and Landscape ein weiteres Kapitel seines poetisch experimentellen 'Lebensfilmes' vorlegt. Die Malerei steht immer wieder im Mittelpunkt, sei es im experimentell expressiven You look like me von Pierre Hébert, dem humorvoll narrativen Immer müder von Jochen Kuhn oder dem pessimistischem Kommentar zur Menschheit Hipopotamy von Piotr Dumala. Anouk De Clercq denkt in ihrem Materialfilm Black über das Kino nach, zwischen Kino- und Theaterinszenierung pendelt Evidence of the Not Yet Known von Maria von Hausswolff, Abstraktion pur findet sich in Barcode III.0 von Adriaan Lokman.

Wir freuen uns aber ebenso über zahlreiche Arbeiten junger Talente, die klassische Konzepte aufbrechen und durchmischen. Außergewöhnliche Musikvideos von Theodore Ushev, Laura Gines und Pelin Kirca sowie Humorvolles von Christian Larrave, Frédéric Bonpapa oder Ian Otto runden das insgesamt 37 Filme umfassende Programm ab.

Programmleitung

Thomas Renoldner & Wiktoria Pelzer

In Kooperation mit ASIFA Austria

Österreich Wettbewerb

Auch heuer demonstrieren die für den Österreich Wettbewerb eingereichten Kurzfilme die hohe Qualität und Vielfalt des heimischen Kurzfilmschaffens: Aus mehr als 300 eingereichten Arbeiten wurden 17 Filme ausgewählt, die in drei rund 80-minütigen Wettbewerbsblöcken gezeigt werden. Weit mehr der gesichteten Spiel-, Dokumentar-, Animations- und Experimentalfilme hätten sich eine Vorführung beim Festival verdient gehabt.

Die ausgewählten Filme zeigen einen Querschnitt des aktuellen österreichischen Kurzfilms, sowohl von Filmschaffenden aus dem unabhängigen Kontext als auch aus dem Kunst- und Hochschulbereich – und hier auch vermehrt von ÖsterreicherInnen, die an internationalen Filmschulen studieren. Besonders hervorzuheben ist die Vorliebe zur experimentellen Form, die sich sowohl in den Einreichungen als auch im Wettbewerb widerspiegelt und damit jener Tradition entspricht, die Österreich schon vor Oscars und Palmen als Filmland ins Gespräch brachte. Ebenso erfreulich ist zudem die Tatsache, dass dank der Unterstützung der VDFS und des Österreichischen Filminstituts der Hauptpreis für den besten österreichischen Film auch heuer mit 5.000 Euro dotiert ist.

Die drei Wettbewerbs-Programme tragen die Übertitel NaturGewalt, JagdSzenen und WiederSehen und lassen so bewusst Freiraum für Assoziationen. Im ersten Programm drehen sich gleich mehrere Filme um das Thema Gewalt, wenn auch mit völlig unterschiedlichen stilistischen und inhaltlichen Zugängen. Im zweiten Programm begegnen wir Jägern und Gejagten, der Bogen spannt sich von dokumentarischen Essays über aufwühlendes Experimentalkino bis zur Mockumentary. Und zu guter Letzt dreht sich in Programm drei alles um das Sehen und Wiedersehen, um Wahrnehmung und Erinnerung – bis die Grenzen zwischen Film und Realität verschwimmen, roh und hart, und es zu einem Wiedersehen vor bunten Kulissen kommt, die sich langsam schwarz färben.

Programmleitung

Michael Reutz & Alexandra Valent

PROGRAMMTEAM

Franka Giesemann, Gregor Hochrieser, Daniel Ebner

Screensessions: Musikvideo Wettbewerb

Die Screensessions, die musikalische Filmschiene im Rahmen von VIS, geht in die dritte Runde. Auch heuer bringen wir wieder die besten nationalen und internationalen Musikvideos für euch auf die Leinwand und bieten jungen sowie etablierten MusikerInnen und FilmemacherInnen eine Plattform, um ihre Werke von der Begrenztheit der Computer- und Tablet-Bildschirme zu befreien.

Die ausgewählten Arbeiten zeigen einen konzentrierten Überblick über die immens große Fülle an Musik-Clips, die jedes Jahr ihren Weg auf Websites wie YouTube oder Vimeo finden, und bilden den Rahmen für die oft vernachlässigte Wahrnehmung der audiovisuellen Miniaturen als Kunstform. Die Zeiten, in denen Musikvideos primär als Werbemittel für einen Song gesehen wurden, sind längst vorbei, was sich am freien und experimentierfreudigen Umgang mit dem Medium zeigt. Trotz schrumpfender Budgets und dem Wegfallen des (Musik-)Fernsehens erleben die Clips (vor allem im Internet) eine Renaissance und können durch die Verbreitung auf sozialen Netzwerken flächendeckende Hypes auslösen und ein immer größer werdendes Publikum lukrieren.

Mit diesen Fragestellungen als Ausgangspunkt wird es heuer auch ein Rahmenprogramm zu den Screensessions geben, welches sowohl die stärkere Vernetzung Musik- und Filmschaffender anstrebt als auch Fragen des Urheberrechts, der Verbreitung in Zeiten des Internetmarketings und etwaige Konflikte zwischen den involvierten Parteien zu erörtern versucht. Den perfekten Ort für diese Verbindung aus Diskurs und Kunstgenuss bildet heuer das METRO Kinokulturhaus, wo wir nach den Screenings auch in den Genuss einer Live-Performance des wunderbaren Musikers Philipp Quehenberger kommen werden. Gemäß dem etablierten CinemaSessions-Konzept des Filmarchivs wird er sich zudem der Neuvertonung der stummen Arbeiten von Josephine Ahnelt annehmen.

Programmleitung

Christoph Etzlsdorfer, Ann-Katrin Dorner & Marco Celeghin

Programmteam

Verena Klöckl, Daniel Ebner