David OReilly

In den weltweit gefeierten Werken des 1985 in Kilkenny, Irland, geborenen Animationskünstlers David OReilly treten die unauflöslichen Widersprüche der Gegenwart in Form von Bildern und Figuren auf den Plan – und werden auf erstaun­liche Weise in enormem Tempo aufgelöst: Utopie der (digitalen) Kinematografie. OReillys Kurzfilme suchen nicht nur die Balance zwischen Erzählung und Abstraktion, sondern auch jenen perfekten Schwebezustand zwischen tiefer Ernsthaftigkeit und (bösem) Humor. VIS präsentiert gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum erstmals in Österreich eine große Hommage an den jungen Künstler.

David OReilly ist einer der wenigen, die man getrost als Stars der internationalen Kurzfilmszene bezeichnen kann. Seine „längeren“ Werke kondensieren ganze Bildungsromane auf engstem (Zeit-)Raum – Geschichten von Kindern, Katzen, Mäusen und Mischwesen auf der Suche nach Sinn, Zweisamkeit oder Autonomie. Sein Sinn für das Absurde, Lächerliche, Ironische verbindet sich mit einem Duktus von Pathos und Erhabenheit. Dabei schreibt sich das Digitale auf komische und aufschlussreiche Art in die Bilder ein: Die ohnehin schon in groben Strichen gehaltenen Figuren und Welten lösen sich auf und legen Vektoren, Pixel, Grafikraster oder Programm-Interfaces frei; in gefühlten Millisekunden und in Abwesenheit eines realistischen Raumgefühls prallen Zeichenwelten aufeinander, als hätte man sie in zig Browser-Fenstern heraufbeschworen – von Hollywood über Walt Disney zu South Park und Jean-Luc Godard.

Auf den ersten Blick wirken OReillys Filme wie handwerklich stümperhafte High-Speed-Sittengemälde des 21. Jahrhunderts. Aber spätestens seine kürzeren, grafisch oft sehr anspruchsvollen Arbeiten machen deutlich, dass dies ganz und gar intendiert ist. Erst die schlichte Klarheit, die Reduktion auf „bare essentials“, erlaubt jene narrative, charakterliche, emotionale und humoristische Dichte, die OReillys Œuvre auszeichnet: In diesem aberwitzigen Kondens-Kosmos lässt sich stets aufs Neue Neues entdecken.

Die Hommage in Anwesenheit von David OReilly, der bei VIS vor zwei Jahren mit „The External World“ sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis gewonnen hat, besteht aus drei Teilen. Am 29. Mai werden seine unabhängig produzierten Filme gezeigt; am 30. Mai erläutert er im Rahmen einer großen Masterclass seine Arbeitsweise anhand von (Hollywood-)Auftragswerken; am 31. Mai stellt er ein Carte-Blanche-Programm aus animierten Filmen und Fragmenten vor: ­„Found Animation“. Man darf sich auf Filme gefasst machen, die man in dieser Form wohl nicht mehr so schnell im Filmmuseum erleben wird.

(Alejandro Bachmann, mit Ergänzungen von Daniel Ebner)

Eine Kooperation mit dem Österreichischen Filmmuseum.

Daniel Ebner (VIS Künstlerischer Leiter) hat vorab des Festivals ein Interview mit David OReilly in Los Angeles geführt, das es hier zum Nachlesen gibt.

The External World
WOFL 2106
?????

Spotlight on: David OReilly

MITTWOCH, 29.5.2013, 19:00 Uhr, Filmmuseum, 67 min

Ident / Irland 2004 / David OReilly / 1 min

Animal / Irland 2002 / David OReilly, 3 min

WOFL 2106 / Irland 2004 / David OReilly / 3 min

RGB XYZ / Irland 2007 / David OReilly / 12 min

Octocat Adventures / Irland 2008 / David OReilly / 5 min

????? / Irland 2009 / David OReilly / 1min

Please Say Something / Irland 2009 / David OReilly / 10 min

Floaters / Irland 2008 / David OReilly / 3 min

Black Lake / Irland 2010 / David OReilly / 2 min

Childrens Medium / Irland 2011 / David OReilly / 2 min

The External World / Irland 2011 / David OReilly / 17 min

The Agency (excerpts) / Irland 2011 / David OReilly / 8 min

When You're Smiling

Masterclass: David OReilly

DONNERSTAG, 30.05.2013, 13:30 Uhr, Filmmuseum, 120 min

Im Rahmen der Masterclass gibt David OReilly Einblick in seine Arbeitsweise und die verschiedenen Ebenen seiner Tätigkeit – mit einem Fokus auf jenen Projekten in der Film- und Medienindustrie, die indirekt seine unabhängigen Arbeiten finanzieren.

Moderation: Chris Robinson (Künstlerischer Leiter, Ottawa International Animation Festival)

 

u.a. mit:

When You’re Smiling … [Trailer zu Pictoplasma] (2008), 1 min
I’ll Go Crazy If I Don’t Go Crazy Tonight (2009), Musik: U2, 5 min
Bang [Concert Visuals] (2009), Musik: MIA, 2 min
Children’s Medium (2011), 2 min
Story of Genki??? (2011), 1 min
A Glitch Is A Glitch [Episode Adventure Time] (2013), 11 min
sowie Ausschnitte aus rezenten Projekten

Found Animation: David OReilly

FREITAG, 31.05.2013, 21:00 Uhr, Filmmuseum, 70 min

"Found Animation is a playlist of bizarre, brutal and beautifully weird animations that should never be seen at a film festival. Early animation, modern rarities, lost television shows and other strange clips cut together to tingle hidden corners of your brain." - David OReilly