Umbruchphase bei VIS 2012: Neue Geschäftsführung, neuer Partner

Turbulente Wochen im Frühjahr, dann ein beachtlicher Besucherrekord beim Festival, schließlich erfolgreiche Gastprogramme in der Schweiz, in Spanien und bei der Viennale, aber weiterhin eine unveränderte Situation bei den öffentlichen Geldern: Das internationale Kurzfilmfestival VIS Vienna Independent Shorts hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich – und lange Zeit war nicht klar, ob es überhaupt eine neunte Ausgabe im Juni 2012 geben würde. Doch nun steht die Entscheidung fest: „Es gibt zwar kein Licht am Ende des Tunnels“, kommentierte der künstlerische Leiter Daniel Ebner die Fortsetzung der Arbeit lakonisch, „aber wir buddeln weiter.“ Veränderungen stehen bei VIS dennoch an.

BARBARA SCHUBERT ÜBERNIMMT GESCHÄFTSFÜHRUNG
Die erste Veränderung betrifft die Geschäftsführung des Festivals, die mit MMag.a Barbara Schubert eine langjährige Vertraute und Mitarbeiterin von VIS aus den Händen von Mag.a Simone Weinbacher und Raimund Liebert übernommen hat. Letztere verließen das Festival nach dem schwierigen vergangenen Jahr schweren Herzens; Schubert leitet im Spätherbst nun mit dem neu formierten Vorstand des größten Kurzfilmfestivals des Landes den Umbruch ein. „Angesichts der unveränderten und für uns weiterhin sehr unbefriedigenden Fördersituation werden sich für VIS 2012 tief gehende Umwälzungen nicht vermeiden lassen“, sagte Schubert. Das kommende Festival wird etwa auf jeden Fall verkürzt und auch etwas später als bisher stattfinden. VIS 2012 wird konzentriert Anfang Juni abgehalten.

EINREICHUNGEN SEIT 14.11. ONLINE
Narrative, experimentelle, dokumentarische, animierte und trashige Kurzfilme bis 30 Minuten sind seit 14. November wieder gefragt, als die zweimonatige Einreichfrist startete: Erstmals kann bei VIS nur online über die Plattform www.reelport.com eingereicht werden, was nicht zuletzt den organisatorischen Umstrukturierungen geschuldet ist. Im vergangenen Jahr langten mehr als 2.500 Kurzfilme aus über 90 Ländern bei VIS ein – eine unter den eingeschränkten Möglichkeiten des Festivals kaum mehr bewältigbare Zahl. Für das kommende Festival gilt als letztmöglicher Einreichtermin der 13. Jänner 2012.

WIEN ENERGIE UND VIS SUCHEN TREATMENTS
Höchst erfreulich gestaltet sich das privatwirtschaftliche Engagement, das dem Festival mit der Firma Wien Energie und dem Kurzfilmproduktionswettbewerb „Night of the Light“ den idealen neuen Projektpartner beschert hat. Gemeinsam rufen Wien Energie und VIS alle Wiener Filmschaffenden auf, ihre Ideen zum Thema „Energie“ einzureichen, auch hier begann die Einreichfrist am 14. November. Die besten fünf Treatments erhalten für die Umsetzung ihrer höchstens dreiminütigen Filme ein Produktionsbudget von 3.000 Euro. Die entstandenen Filme werden am 9. Juni bei der „Night of the Light“ zum VIS-Ausklang präsentiert und einer Fachjury sowie dem Publikum zur Beurteilung überantwortet. Stilistisch ist alles erlaubt, wir freuen uns auf viele Konzepte. Nähere Infos unter www.nightofthelight.at und www.viennashorts.com.

GASTPROGRAMME IN SPANIEN, SCHWEIZ
Dass das Interesse an VIS und seiner spezifischen Haltung zum Medium Kurzfilm auch nach dem Festival nicht abreißt, zeigt sich jährlich an einer Reihe von nationalen und internationalen Gast- und Sonderprogrammen im Sommer und Herbst. Die Einladungen reichten heuer von Aarau bis Waidhofen, von Barcelona (am 18. November beim Festival L‘Alternativa!) bis Wien – und vor allem auch die Vernetzung in der eigenen Stadt ist dabei sehr erfreulich. Mit einem subjektiven Best-of-Programm war VIS im August beim Sommerkino von espressofilm zu Gast, mit einem ästhetisch anspruchsvollen und gesellschaftspolitischen Programm im Oktober bei der Viennale. Am 25. November gastiert VIS mit einem Kurzfilmprogramm bei den Rumänischen Filmtagen, und Anfang Dezember zeigen wir Kurzfilme zum Thema Menschenrechte bei This Human World.

PRESSESTIMMEN ZU VIS 2011
Warum auch im neunten Jahr des Festivalbestehens noch über eine zu geringe Basisförderung geschrieben werden muss, stieß in den gesammelten Pressestimmen zu VIS 2011 ebenso auf Unverständnis wie die Diskrepanz zwischen internationaler Wertschätzung und nationalem Subventionsdilemma. „Wenn Kooperationen automatisch einen finanziellen Wert hätten – und erst recht erworbene Sympathien –, dann wären die VIS mehr als bestens aufgestellt“, schrieb etwa Thomas Taborsky in der „Furche“. HC Leitich verglich das Festival auf „standard.at“ mit der Situation des Zeichners Nicolas Mahler: „In Wien in Szene-Kreisen sehr beliebt, so richtig in seiner Bedeutung wertgeschätzt allerdings erst international“. Joachim Schätz lobte im „Falter“, dass sich VIS „seine poppige Grundierung bewahrt, dabei die Programmarbeit konsequent vertieft“ hat. Und Ö1-Redakteur Wolfgang Popp ortete in den letzten Jahren überhaupt „einen ungeheuren Bedeutungs- und Wachstumsschub“. Diese Auszüge streichen markant die Bedeutung von VIS für Wien und Österreich hervor.

15.11.2011

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