We’ll become oil – Im Gespräch mit Mihai Grecu

Letzten Freitag eröffnete Mihai Grecu, einer unserer diesjährigen Artists in Residence, seine Ausstellung in der Electric Avenue im quartier21. Wir haben uns die beeindruckenden Bilder des Videokünstlers angeschaut und uns anschließend mit Mihai in die Wiese vor dem Museumsquartier geschmissen, um mit ihm über seine Arbeit zu plaudern.

Aufgewachsen hinter dem Eisernen Vorhang in Rumänien, war Wien damals für Mihai DIE Stadt, in die es zu kommen galt. Wien war in Transsilvanien hoch angesehen und berühmt für seine Fortschrittlichkeit und Geschichte. Deshalb freut es ihn auch besonders, dass er seine Filme nun dem Publikum in Wien näherbringen darf.

In der Ausstellung des rumänisch-französischen Künstlers können brennendes Erdöl, dicke, schwarze Rauchschwaden und kollidierende Helikopter bestaunt werden. Die atemberaubenden Bilder drehen sich um ein vieldiskutiertes Thema der heutigen Zeit: um Öl. Die Idee hinter den Filmen ist für Mihai keine politische, obwohl ihm sehrwohl bewusst ist, dass sein Publikum sofort Kritik an der politischen Realität darin sieht. Ihn fasziniert viel mehr die Transformation der schwarzen Flüssigkeit. Mihai sieht in der Verbrennung von Öl Millionen von toten Organismen, die nach Millionen von Jahren die Form von schwarzem Rauch annehmen und dadurch freigelassen werden.

Der Künstler erzählt uns, dass er seine besten Ideen immer in schlaflosen Nächten hat. Obwohl er die meiste Zeit nicht genau weiß (und auch gar nicht wissen will), woher seine Inspirationen und Einfälle kommen, kann er es für diese Arbeit präzise bestimmen: seit er vor ca. zehn Jahren den Film „Lektionen der Finsternis“ seines Lieblingsregisseurs Werner Herzog gesehen hatte, wollte er schon immer die brennenden Bilder des Films auch in seiner Kunst umsetzen, jedoch komplett digital.

Die Umsetzung seiner Ideen stellt oft eine große Herausforderung dar. Mihai verrät uns, dass seine Filme die Vorstellungen in seinem Kopf ziemlich genau abbilden sollten, was nicht immer funktioniert. Vor allem technische Komplikationen führen manchmal dazu, dass er Arbeiten nicht zu seiner Zufriedenheit realisieren und fertigstellen kann. Diesmal ist ihm das aber fabelhaft gelungen, wie wir finden.

Einen bestimmten Rahmen, in dem seine Arbeiten gezeigt werden, präferiert Mihai nicht. Er arbeitet gerne mit interessanten Museen zusammen, findet es aber auch toll, wenn seine Filme im Kino gezeigt werden. Generell verschwimmt seiner Meinung nach die Grenze zwischen Videokunst und Kino immer mehr: Künstler sind im Kino zu sehen und umgekehrt – und das findet er gut so.

Bei den Vienna Independent Shorts wird Mihai in der Jury sitzen und freut sich schon wahnsinnig darauf. Das Wiener Kurzfilmfestival ist für ihn ein ganz besonderes, da es sich wirklich auf Independent Filme einlässt und sich nicht nur daran orientiert, was bei anderen Festivals gezeigt wird. Was danach bei seinem neuen Projekt „Strange Attractor“ in Zusammenarbeit mit Thibault Gleize passieren wird und was wir erwarten dürfen, wollte uns Mihai noch nicht verraten – wir dürfen gespannt sein!

Mihai Grecu: Untitled im ASIFAkeil
quartier 21 (electric avenue) / MuseumsQuartier
täglich 10 - 22 Uhr, bis 8.6.
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Der VIS Blog wirft einen Blick hinter die Kulissen des Festivalbetriebs und stellt Filmschaffende, Teammitglieder und Programmpunkte näher vor.