Spin
Frankreich/UK/Deutschland 2010, 4 min, HD
Regie/Drehbuch/Kamera: Max Hattler | Produktion: Nicolas Schmerkin | Schnitt: Max Hattler, Tony Fish | Musik: Eclectic
Review

von Simone Leonhartsberger
Ein Konflikt wird zum visuellen Schauspiel, Gewalt und Zerstörung dienen zur Unterhaltung. Spielzeugsoldaten formieren sich zu einer Masse, bilden diverse Muster, synchronisieren den Krieg und am Ende wird der Zuschauer auf beeindruckender Weise mit der Wirklichkeit konfrontiert.
Gekonnt ordnet Hattler seine Soldaten an, eine visuelle Freude den Formen Aufmerksamkeit zu schenken. Sie erinnern an Atome, die sich zu Molekülen formieren bzw. auf der Suche nach der richtigen Verbindung sind. Durch die Massenansammlung besteht bereits eine gemeinsame Verbindung, die jedoch viel Konfliktpotential bietet.
Ferngesteuert, wie es sich für einen gehorsamen Soldaten „gehört“, marschieren sie rauf und runter, von links nach rechts und schließlich kommt es zum Kampf, eine Selbstverständlichkeit bzw. ein MUSS in der Welt der Mächtigen. „Als Massenglieder allein, nicht als Individuen, die von innen her geformt zu sein glauben, sind die Menschen Bruchteile einer Figur“ (Siegfried Kracauer, „Das Ornament der Masse“).
Geschickt setzt Hattler den emotionalen Höhepunkt am Schluss – der Blick über die Massengräber. Der Zuschauer wird förmlich überrascht und mit der harten Wirklichkeit konfrontiert. Eine Kritik an der heutigen Welt?
Trotz Einsatz von Plastiksoldaten, die keinen mimischen Gesichtsausdruck besitzen, ist der Kurzfilm Spin – eine reine Computeranimation – sehr emotional und fesselt den Zuschauer von der ersten bis zur letzen Minute.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung Filmanalyse: Geschichte und Techniken des Animationfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2010 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen bei der Autorin.
