Videogioco - A Loop Experiment
Italien 2009, 1 min
Regie/Drehbuch: Donato Sansone | Musik: Enrico Ascoli
Review
von Alexander Linhardt (alex.linhardt(at)gmail(dot)com)
Es heißt ja immer wieder, dass jede Geschichte schon auf die eine oder andere Art erzählt wurde. Das stimmt in gewisser Weise auch für den Animationsfilm Videogioco von Donato Sansone. Und dann auch wieder nicht. Denn die mit Blei- und Buntstift angefertigten Zeichnungen von Sansones Animation auf Papier haben etwas Oldschool-Artiges und vermitteln dem Betrachter ein gewisses Maß an Vertrautheit - beinahe jeder von uns hat schon seine eigene kleine Daumenkino-Animation in sein Schulheft gekritzelt und „abspielen“ lassen.
Sansone jedoch geht weiter... sehr viel weiter. Was er uns zeigt, ist weit entfernt von banalen Flipbooks. Der Film dauert zwar nur eine Minute und 15 Sekunden, hat aber so viele Ebenen, dass er auch nach dem 30. Mal spannend bleibt. Da gibt es zum einen das Papier und die verwendete Filmtechnik. Gefaltet, überlagernd, teilweise sich selbst verfolgend, bildet das Papier eine Ebene der Animation, verstärkt durch die verwendete Stop Motion, und wird dadurch zum gefilmten Zeichentrick-Flipbook. Zum anderen Sansone selbst. Er greift als Animateur direkt ins Geschehen ein, verleiht so im Bild und unmittelbar seinen eigenen Figuren Leben, wird selbst zum Protagonisten seines Films und bringt somit auch die Real-Ebene in Videogioco mit ein. So erfüllt und veranschaulicht Videogioco auch ideal den Begriff der Hybridität, die Verbindung aus Animations- und Realfilm.
Die Sound-Ebene ist noch das „Banalste“ an dem Ganzen, weil man sich als verwöhnter Zuschauer erwartet, die passende Geräuschkulisse geliefert zu bekommen. Sie erfüllt meiner Ansicht nach jedoch trotzdem auch eine weitere wichtige Funktion, damit diese kurze Animation so wirken kann, wie sie auf den Zuseher wirkt. Ähnliches lässt sich über die Geschichte von Videogioco sagen. Sie dient, meiner Ansicht nach, mehr als Mittel zum Zweck. Es ist aber in Ordnung, dass sie eher simpel gestrickt ist, weil man sonst als Zuschauer dann doch überfordert sein könnte. Allein der Umstand, dass Sansone den Loop nachvollziehbar und plausibel zustande gebracht hat, ist anerkennenswert genug.
Videogioco ist, bei genauerer Betrachtung, doch etwas brutal und an manchen Stellen, sagen wir, ein wenig so, dass man durchaus ein bisschen angeekelt die Nase rümpfen und die Mundwinkel verziehen kann, schafft es aber in letzter Konsequenz, vor allem mit Vollendung des Loops, dann doch ein gewisses Maß an Charme und Witz zu haben. Unterm Strich gewinnt man den Eindruck, in den 75 Sekunden von Videogioco von Donato Sansone etwas gesehen zu haben, das bleibenden Eindruck hinterlässt und vom Rad zumindest eine Speiche neu erfindet.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen beim Autor.
