Varfix
Japan 2010, 8 min
Regie/Drehbuch/Produktion/Schnitt: Kotaro Tanaka | Musik: Kensuke Fujii
Review
von Theresa Dienstl
Im Zuge des Vienna Independent Shorts-Filmfestivals habe ich mir unter anderem den „Animation Avantgarde“-Wettbewerb Teil 1 angesehen. Dieser internationale Wettbewerb findet heuer schon zum zweiten Mal statt und stellt Arbeiten aus den Bereichen Animation, Experimentalfilm, digitale Medien und alle nur denkbaren Mischformen dieser Bereiche vor. Aus den eingereichten Filmen wurden schließlich 33 Werke aus 14 verschiedenen Ländern ausgewählt. Darunter befindet sich auch der Film Varfix von Kotaro Tanaka aus Japan. Dieser Kurzfilm dauert zwar nur acht Minuten, aber er hat mich unheimlich fasziniert. Es besteht aus grafischen Anime-Elementen, welche aus ihren ursprünglichen Kontext herausgehoben und neu montiert werden. Das Ganze wird durch elektronischen Sound untermalt. Es sind abgehackte Töne, man könnte es auch als relativen Lärm bezeichnen.
Kotaro Tanaka dekonstruiert in diesem Film Anime-Strukturen. Es macht den Eindruck, als ob er uns zeigen möchte, dass die heile Welt nicht wirklich existiert. Die Bilder erinnern am Anfang an elektronische Schallwellen, Einschläge von Pistolenkugeln - und das vermischt sich in ein Spinnennetz. Gleichzeitig nimmt man verzerrte Geräusche wahr. So stelle ich mir es vor, wenn eine Lautsprecherbox zerreißt vor lauter Tonüberflutung. Danach scheint es, als ob Minen explodieren würden und man sich im Krieg befindet. Gleich darauf erscheinen Sterne, die von dem wahren Geschehen ablenken sollen. Man sieht ein weinendes Auge, dass die Zerrissenheit der Menschheit vielleicht wiederspiegelt. Es herrscht eine Art von Krieg, der von schönen Bildelementen unterbrochen wird, die zur Ablenkung gedacht sind, denn die Welt geht unter und sie explodiert, es fliegen Raketen - und dann scheint es so, als würde das Geschehen zurück gespult werden.
Der Film ist größtenteils in Schwarz-Weiß gehalten. Es gibt nur ein paar Farbelemente. Es ist kein Hybridfilm, aber ich finde dadurch, dass auf das Thema Krieg angespielt wird, bekommt dieser Film einen leichten hybriden Touch. Denn das Thema ist real und wird durch Anime dargestellt - und somit zu einer Mischform.
Abschließend möchte ich sagen, dass mir dieses Festival sehr gut gefallen hat. Es war eine neue Erfahrung für mich und es war sehr interessant. Diesen Film habe ich gewählt, weil er mich irgendwie berührt hat. Es gab viele Filme, die sehr gut waren, aber keiner konnte mich so sehr überzeugen wie Varfix.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen bei der Autorin.
