Telephoneme
USA 2010, 3 min
Regie/Drehbuch/Produktion: MK12
Review
von Thomas Böhm (thom.boehm(at)gmail(dot)com)
Telephoneme ist das Ergebnis der in Kansas City (Missouri) ansässigen Film & Design Firma MK12. Bei dem Video-Projekt handelt es sich um einen Kurzfilm, welcher im Stile eines public information films der 60er Jahre gehalten ist, genauer gesagt bezieht er sich sogar auf einen bestimmten Film mit dem Titel The Alphabet Conspiracy. Thematisch bezieht er sich auf den Umgang mit Sprache und der damit zusammenhängenden linguistischen Forschung. Es geht im Grunde darum, dass bestimmte Kombinationen von Buchstaben beim Rezipienten gewisse gefährliche Störungen hervorrufen können.
Telephoneme zitiert ganz gezielt die allseits populären US-amerikanischen Lehrfilme der 60er Jahre über das Verhalten im Falle eines Atombombenabwurfes und bedient sich gezielt ihrer Faszinationskraft. Was bei der Betrachtung sofort auffällt, ist der Umgang mit Hybridität. Kaum ein anderer Kurzfilm im Programm der VIS bediente sich der Verschmelzung von verschiedenen Formen der Animationstechnik und der Verwendung von realfilmisch eingefügtem Material wie dieser. Der Film wirkt auf den Betrachter sehr aufwühlend und beinhaltet einen imperativen Unterton, welcher mit den Konventionen des Lehrfilm-Formats einhergeht.
Ich betrachte Telephoneme als einen durchaus gelungenen, medial hybriden Kunstfilm, welcher mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers spielt, um ihn einer neuen Ebene der Videokunst zuzuführen. Es muss jedoch gesagt werden, dass es durchaus nicht einfach ist, sich nach nur einmaligem Ansehen des Films sich über dessen Intention und künstlerische Bandbreite im Klaren zu sein. Durch die Verwendung von sprachlichen Interferenzen fällt es dem Zuschauer nicht immer leicht, dem Film in seiner Kausalität zu folgen.
Durch die gezielte Verwendung hybrider Strukturen im Film entsteht eine neue spezifische Wahrnehmung für den Rezipienten, welche sich nur bedingt in Worte fassen lässt. Jeder, der den Film sieht, sollte sich selbst fragen, womit er die aneinander gereihten Bildstrukturen assoziiert. Dieser Kurzfilm inszeniert gekonnt verschiedenste grafische Effekte mit bereits vorhandenen Videomaterial und kombiniert diese zu einem neuen hybriden Ganzen. Alles in allem handelt es sich bei Telephoneme um ein Stück retrospektiver Videokunst, welches sich mit den Themen Wahrnehmung, Angst und Manipulation beschäftigt - allseits aktuelle Begrifflichkeiten, welche hier geschickt in einem Bündel voller inszeniert-hybrider Medienästhetik gepackt werden, um eine neue erweiterte Sichtweise der Dinge zu erlangen.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen beim Autor.
