6.6. - 10.6.2012

Stuck in a Groove

Österreich 2010, 4 min
Regie/Drehbuch/Produktion/Animation: Clemens Kogler | Musik: Richard Eigner

Review

von Jenny Heister

Bei dem Kurzfilm Stuck in a Groove von Clemens Kogler (2010) handelt es sich um ein vierminütiges Demo-Video zur Darstellung einer Erfindung für Live-Performances.

Zu sehen sind verschiedene bedruckte Schallplatten, die durch die Umdrehungen auf dem Schallplattenspieler die Illusion von Bewegung der Abgebildeten Dinge und Gegenständen erzeugen. Die einzelnen zwei-sekündigen Bewegungsabläufe werden durch eine durchgehende Voice-Over Narration verknüpft.

Faszinierend ist, dass dieses Verfahren auf eine vorfilmische Animation zurückgreift, nämlich die des Phenakistoskops. Schon 1832 fand man heraus, dass die Bilder, zugeschnitten und kreisförmig auf einer Platte angeordnet, beim Drehen der Scheibe zu einer Bewegung zerschmelzen, sobald sie sich schnell genug dreht. Damals befanden sich in der Platte jedoch Schlitze, durch die man hindurch sehen und daraufhin über einen Spiegel die Animation verfolgen konnte. Clemens Kogler macht diesen Effekt jetzt jedoch für mehr als eine Person gleichzeitig sichtbar, indem er ihn abfilmt.

Laut eigenen Angaben verwendet er zwei Schallplattenspieler mit jeweils einer Kamera, die die Bewegungen filmen. Sie sind so eingestellt, dass eine Umdrehung jeweils zwei Sekunden dauert. Aufgrund dessen müssen auf jeder der Platten mindestens 32 Bilder aufgeklebt worden sein, da erst ab einer Anzahl von 16 Bildern pro Sekunde die Trägheit des Auges so groß wird, dass das Gehirn den Vorgang als eine Bewegung aufnimmt.

Als Motive werden hauptsächlich Motive von Original-Schallplattenhüllen verwendet. Sie werden nur in jedem Einzelbild ein wenig verändert, sodass die Möglichkeit entsteht, die Figuren gehen, spielen, rauchen oder winken zu lassen, Dinge zu vergrößern und zu verkleinern, Umwelten vorbeiziehen, Autos fahren zu lassen und vieles mehr.

Durch seine Machart hat der Film außerdem einen hybriden Charakter. Dieser zeigt sich zwar nicht offensichtlich, da keine Real- und Animationselemente in einem Film oder gar einem Bild gemischt werden, jedoch durch das Aufeinandertreffen dieser beiden Welten. Der Film als Ganzes ist eindeutig ein Realfilm, da Clemens Kogler die Plattenspieler mit einer Kamera in Echtzeit abgefilmt hat. Der Effekt, der diesen Film jedoch so faszinierend macht, ist vollständig durch das Anordnen von Einzelbildern auf einem sich bewegenden Untergrund animiert. Wären die Bilder nicht in dieser Form zugeschnitten, könnte man sie ebenfalls einzeln abfilmen bzw. fotografieren und schnell genug abspielen, um eine solche Bewegung zu erzeugen. Dann wäre der Film jedoch vollständig der Animation zuzurechnen und würde sich nicht mehr für Live-Performances eignen.

So wird jedoch eine natürliche und zeitlich kontinuierliche Bewegung aufgezeichnet, nämlich die der Platte, welche man jedoch kaum sehen könnte, wären diese nicht bedruckt. Aufgrund der Kameraeinstellung sind außerdem immer mehrere der Bildausschnitte zu sehen, sodass die Bewegung gleich in verschiedenen Stadien gleichzeitig zu betrachten ist.

Man kann also sagen, dass Clemens Kogler mit diesem Beitrag zeigt, wie man ohne Computer und mit einer bisher kaum verwendeten Technik eine Geschichte äußerst innovativ und kreativ erzählen kann.

Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Alle Rechte liegen bei der Autorin.