Sinchronizacija
Litauen 2009, 8 min
Regie/Produktion/Kamera/Schnitt: Rimas Sakalauskas | Musik: Mykolas Natalevicius
Review
von Annina Weiss
Im ersten Moment erinnert Sinchronizacija mit seiner Ästhetik an den Science-Fiction Film District 9 von Neill Blomkamp, der gleichfalls sehr auf Realismus abzielend eine phantastische Welt vermittelt. Dies führt zu Beginn vor allem zu der Frage, wieso Sincronizacija bei VIS-Vienna Independent Shorts in der Schiene Animation Avantgarde gezeigt wird. Der Film sticht nämlich besonders durch das scheinbar realfilmische Setting hervor. Sehr subversiv wird dem Zuschauer erst nach einer Minute in der ersten Einstellung bewusst, dass sich links im Bild ein rundes Klettergerüst langsam in die Lüfte erhebt, und zwar so, als wäre die Schwerkraft alleine für dieses Objekt aufgehoben worden.
In zehn statischen Einstellungen verfolgt der Kurzfilm drei von Menschen gebaute Objekte, die sich in einer Vorstadt von dem Planeten Erde drehend loslösen. Die Menschen im Bild nehmen diese für die reale Welt untypischen Geschehnisse nicht wahr, was den Objekten eine übernatürliche Kraft zuschreibt. Sakalauskas bettet die Animation in seinem Film sehr geschickt in das Bild unserer alltäglichen Welt ein.
Bemerkenswert ist, dass die Animation des Klettergerüstes und der zwei Türme in ihrer Ästhetik zwar nicht von den Live-Action Aufnahmen zu unterscheiden sind und sich so als quasi natürliche Elemente in die diegetische Welt einschleichen, dennoch die scheinbare Ignoranz der Menschen bezüglich der unnatürlichen Vorgänge, eine Distanz zwischen den beiden Ebenen bewirkt. Der über den kompletten Film hinweg ausgeblendete diegetische Ton, der mit einem mal stärkerem, mal schwächerem maschinellen Rauschen überspielt wurde und scheinbar auf die Bewegung der drei Objekte angepasst ist, bzw. deren Bewegungen dramatisiert, trägt zu dieser seltsamen Distanzierung zwischen Mensch und den Objekten, ferner zwischen dem Planeten und den Objekten bei.
Die unauffällige Einbettung der Animation in Aufnahmen der realen Welt, macht Sinchronizacija gewissermaßen zu einem Hybrid. Diese Verschmelzung von offensichtlich verschiedenen Filmtechniken zeigt sich als schöner Kunstgriff. Zwar mag bei genauerem Hinsehen – vor allem in den letzten drei Einstellungen des Kurzfilmes – die Animation gut von den Realaufnahmen zu unterscheiden sein, doch schafft die eigentliche subversive Verknüpfung dieser beider Elemente einen Spiegel für die unbeeindruckte Welt, die angesichts der sich plötzlich bewegenden Objekte nicht reagiert.
Sakalauskas hat eine schöne Reibungsfläche zwischen Technik und Mensch geschaffen, die sich gegenseitig beeinflussen, sich zusammen in einer Dimension befinden, sich dennoch einander von der Machart vehement unterscheiden und so nebeneinander existieren.
Sinchronizacija lebt von seiner Einfachheit, einem etwas unscharfen Kamerabild und von unspektakulären Einstellungen. Aufgrund der Untermalung des Bildes durch den Ton lässt sich der Kurzfilm als ein sehr poetisches Stück Kunst betrachten, das ein wenig Ratlosigkeit nach dem Betrachten hinterlässt. In dokumentarischem Stil kann miterlebt werden, wie sich vom Menschen gebildete Objekte synchron und vor allem das Bild beherrschend verselbstständigen.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen bei der Autorin.
