Playtime
Kanada 2009, 4 min
Regie/Drehbuch/Produktion/Kamera/Schnit: Steven Woloshen | Musik: Oscar Peterson
Review
von Mario Brandic
Der vierminütige Kurzfilm vom kanadischen Künstler Steven Woloshen kann durchaus als ein Hybrid aus experimentellen Animationen und real gefilmten Bildern bezeichnet werden. Das Werk verbindet „rohe“ Filmaufnahmen mit animierten Zeichnungen, wodurch eine neue Dynamik im Zusammenspiel aus Farben und Formen entsteht. Es scheint so, als wären eben diese Zeichnungen direkt auf das Filmmaterial eingeritzt worden. Begleitet wird das recht spielerisch anmutende Gesamtwerk von wunderbarer Jazz-Musik.
In „Playtime“ gehen animierte Sequenzen und Realaufnahmen ineinander über. Sie scheinen ineinander zu fließen, sich zu überlagern und zu ergänzen. Es gibt keine strikte Trennung von Farben und Formen. Man könnte annehmen, Steve Woloshen versucht zu zeigen, dass die „echte“ Welt mit der imaginären verbunden ist. Das dies in einer sehr abstrakten Komposition endet, ist daher nicht verwunderlich. In schnellen Bildwechseln und Schnitten zwischen bewegten Zeichnungen und Filmaufnahmen fällt es manchmal schwer, alles mitzuverfolgen. Die Schnelligkeit der gesehenen Bilder lässt den Film jedoch vital wirken, es scheint beinahe so, als würde man sich auf einer Achterbahnfahrt befinden.
Das Tempo, welches das Farbenspiel beeinflusst, kommt von der lebendigen Jazz-Musik. Die animierten Bilder muten fast so an, als wären sie von Kinderhand gekritzelt worden. Die Realaufnahmen scheinen Bilder aus einer vergangenen Zeit zu sein, Aufnahmen teils privater und teils öffentlicher Natur. Zusammen mit der Musik erscheint das Werk als ein Relikt der Vergangenheit, wie erlebte und interpretierte Erinnerung. Vielleicht wollte Woloshen Bilder aus seiner Kindheit hervorholen, zum Konzept der „Playtime“ würde es jedenfalls passen. Der Titel des Kurzfilms tut dieser Betrachtungsweise keinen Abbruch.
Für den Betrachter ist „Playtime“ eine kurze Reise in eine Welt, in welcher die Grenzen zwischen real und imaginär, aber auch die Grenzen zwischen Erlebtem und Erdachtem, verschwimmen. Steve Woloshen kreiert so eine abstrakte Erinnerung aus Bildern und Tönen, in welcher er seine Zeichnungen eingeritzt hat. Nicht umsonst wird „Playtime“ als ein Vertreter des „Scratch-Films“ bezeichnet. Auch wenn die Interpretationen des Werks vielfältig sein können, so lässt sich eine Sache mit Gewissheit darüber sagen: Die schnellen, bunten Bilder und die flotte Musik von „Playtime“ machen Spaß. Und dies kann man gewiss nicht von jedem experimentellen Kurzfilm behaupten.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen beim Autor.
