6.6. - 10.6.2012

My Blood Is My Tears

UK 2009, 3 min
Regie: Andy Glynne | Animation Director: Katerina Athanasopoulou | Musik: Alex Parsons | Stimmen: Nicole, Abigail, Lois

 

Review

von Kirstin Brückler

Unter dem Titel My Blood Is My Tears behandelt der Regisseur Andy Glynne das Thema Selbstverletzung. Der Kurzfilm ist Teil einer Serie von animierten Kurzdokumentarfilmen, welche sich mit psychischem Leid bei Teenagern beschäftigen. Die Animateurin Katerina Athanasopoulou visualisiert die dokumentarische Audiospur mittels einer Kombination aus Cutout-, Schatten-, Objekt- und Phasenanimation.

My Blood Is My Tears ist ein deskriptiver, nicht-narrativer, fiktionaler Animationsfilm. Orientiert an der Genreeinteilung von Paul Wells ist diese Animation im Bereich "primal" einzuordnen. Der Film versucht Gefühle und Zustände, die in Verbindung zur Selbstverletzung stehen, zum Beispiel das Aufritzen mit einer Nadel und die Fremdheit zum eigenen Körper, auf surreale Weise visuell zu vermitteln. Die Atmosphäre wirkt unangenehm, bedrückend, entfremdend und unheimlich.

Der Dialog stellt sich in einem realistischen Stil dar, in dessen Rahmen drei Mädchen als Voice-Over, unterstützt von externen diegetischen Geräuschen und nicht-diegetischer Musik, von ihren Erfahrungen mit Selbstverletzung erzählen. Die Aufmerksamkeit des Zusehers wird durch ein permanentes Wechseln von Schärfe und Unschärfe sowie durch wiederkehrende Kamerafahrten, Heranzoomen und den gezielten Einsatz von Licht und Schatten gelenkt.

Das harte, meist leicht seitlich einfallende Licht lässt scharfe Schatten entstehen, welche die Atmosphäre des Films unterstreichen. Die Beschränkung der Sicht auf einen kreisrunden Lichtkegel am Anfang des Films und einer generellen Low-Key-Ausleuchtung macht dem Zuseher die düstere und ernste Stimmung des Films klar. Der Einsatz von kalten Farben in Verbindung mit verschiedensten Rottönen und die Art, wie Körper in dem Film dargestellt werden, vermögen es das Gefühl von Leid und Unwohlsein im eigenen Körper zu vermitteln.

 

Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung Filmanalyse: Geschichte und Techniken des Animationfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2010 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Alle Rechte liegen bei der Autorin.