6.6. - 10.6.2012

Moskito Bravo

Frankreich 2010, 4 min
Regie: Alexandre Cuegniet, Paul Serrell, Emeline Chankamshu, Sarah Sutter | Drehbuch: Henning Wagenbreth | Produktion: La Station Animation, Les Films d'Ici, Canal+ | Musik: Yan Volzy

Review

von Clara Buerfent

„Einer von Milliarden“. Die vielzitierte Phrase ist das bestimmende Thema des Kurzanimationsfilms Moskito Bravo aus dem Jahr 2010. Wenn ein kleiner Moskito um einen glatt polierten Glatzkopf fliegt, der sich wiederum in einem Einmachglas befinden, welches sich wiederum in einem Supermarkt befindet, der wiederum ein Teil eines großen Ganzen, was wiederum Teil eines großen Ganzen ist usw... Schließlich endet der Film, wie er begonnen hat: mit einer Szene, in der eine Figur mit einer Rakete – in der sich wiederum ein Universum befindet – auf einem vermeintlich neuen Planeten landet, der sich dann aber als Glatze herausstellt. Die ewige Wiederholbarkeit der Geschichte und unseres Daseins wird in drei Minuten gekonnt visuell umgesetzt und in flottem Tempo ein hoch philosophisch Thema beinahe schon ad absurdum geführt – aber nur beinahe.

Das erste gemeinsame Projekt von Alexandre Cuegniet, Paul Serrell, Emeline Chankamshu und Sarah Sutter ist eine popig-bunte Reise durch Zeit und Raum, in der eins zum andern führt und alles irgendwie zusammenhängt. Der Film ist ein Aufruhr an Geschwindigkeit und Farbe, der jedoch auf gewisse Weise im geordneten Chaos funktioniert. Die gezeichneten Figuren sind immer nur Teil eines großen Ganzen, in einem kleinen Raum, der für sie alles ist und für die Figuren im nächstgelegenen größeren Raum wieder nichts. Dies wird deutlich gemacht durch die rasend schnellen Bilder, die sich vom kleinen Raum entfernen, um den nächst größeren einfangen zu können.

Der Film regt trotz seiner skurril-komisch gezeichneten Figuren zum Nachdenken über das eigene Selbst an, welches im Endeffekt ebenfalls nur ein verschwindend kleiner Teil des Kosmos darstellt und kann vielleicht so auch als Anregung gesehen werden sich selbst nicht so ernst, sondern als Bewohner des Einmachglases Erde zu sehen. Anders gesagt: „Einer von Milliarden“.

Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Alle Rechte liegen bei der Autorin.