6.6. - 10.6.2012

Mama

Ungarn 2009, 9 min
Regie/Drehbuch/Produktion: Géza M. Tóth | Kamera: Matyas Erdely | Besetzung: Orsolya Torok-Illyes | Production Designer: Balazs Hujber | Kostüme: Ibolya Bardosi | Musik, Sounddesign: Attila Pacsay | Ton: Imre Madacsi | Production Manager: Andrea Taschler | Production Coordinator: Niki Karasz | Animation: POST EDISON

 

Review

von Wendy Pladeck

Der ungarische Kurzfilm Mama von Géza M. Tóth vereint in seinem neunminütigen Format Realität und Fiktion, indem er Realfilm und Animation ineinander laufen lässt. Der reale Vordergrund besteht aus einem Dach, auf dem eine Frau, die wenn man auf den Titel Bezug nimmt, eine Mutterrolle darstellt, Wäsche unter hoher Anstrengung über den Dächern der Stadt aufhängt. Der animierte Hintergrund stellt eine Stadt dar, die durch eine Schönheit im Unschönen überzeugt und dadurch eine nachvollziehbare Atmosphäre der Stadt zeichnet. Töne und Geräusche stellen das Stadtleben auch hörbar dar.

Der Film ist durchzogen von Rhythmus. Akustisch überzeugt er durch die Stimmigkeit, in dem sich die Intensität von diegetischem, rhythmisch abgestimmtem Straßen- und Großstadtlärm, das durch die Anstrengung verursachte Keuchen der Protagonistin und die nicht diegetische, eingespielte Musik abwechselnd verlagert und somit den Fokus immer wieder verlegt. So werden allein durch die auditive Ebene Problematiken wie das Großstadtleben, die Anstrengungen und Arbeiten des Haushalts und dann aber doch auch mitschwingende innere mütterliche Ruhe thematisiert. Die Verkehrsgeräusche, das Keuchen der Frau und das Ziehen der Wäscheleine sind so abgestimmt, dass sie eine Melodie darstellen. Durch verschiedene Intensitäten der Geräusche wird der Fokus verschoben und eine Narration hergestellt. Das Besondere und Faszinierende am Film ist allerdings nicht nur diese narrative Erzählung mit wenigen Mitteln, sondern die im Film herrschenden eigenen Gesetze. Die Frau betritt ganz gewöhnlich ihr Dach mit einem Wäschekorb. Erst als die Frau ihre Wäscheleine an nur einem Mast spannt, wird der Zuschauer aufmerksam. Als sie dann mit einer Leichtigkeit einfach immer die Wäscheleine weiterzieht um ihre Wäsche aufzuhängen und mit der Wäscheleine sich das ganze Stadtbild weiterzieht und mitschwingt, wird aus der anfänglichen Verwunderung eine Faszination dieser Fiktion.

Ein Film, der in seiner Einfachheit viel erzählen kann und sein Bild mit viel Ästhetik zeichnet.

 

Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung Filmanalyse: Geschichte und Techniken des Animationfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2010 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Alle Rechte liegen bei der Autorin.