Five Years Older: The City
Schweiz 2010, 4 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: Dirk Koy | Produktion: Equipo
Review
von Philipp Ottensamer
Ein leises Rasseln, schwarze Blöcke, aufgereiht auf weißer Endlosigkeit. Langsam und doch impulsiv arbeitet sich die zu Beginn leicht orientalisch anmutende Musik – verfeinert mit dezent treibendem elektronischem Störfeuer – mit dem Zuschauer vor, zum eigentlich Hauptdrehpunkt: Der Stadt.
Der Animateur setzt hier ein Objektgefilde aus verschiedensten Formen gegen einen weißen Hintergrund in Szene. Mannigfaltige Variationen von verschiedensten urbanen Gegenständen und Lebewesen werden, selbst in Bewegung, durch zusätzliches Morphing ineinander verwoben.
Die urbane Dynamik dieser bleichen Großstadt, welche an sich schon sehr zu beeindrucken weiß, wird von der Tonebene ebenfalls filigran unterstützt und beschrieben. Die Stadt ist als lebender sich ständig in Bewegung befindlicher Organismus hierbei zu einem farblosen, doch ausdrucksstarken Zeichen der Kunst geworden.
Die Bild-Ton-Schere, die sich sequenziell aufspannt und druckvoll in Kombination mit dem treibenden elektronischen Bass zusammenschlägt – ein genussvoller medialer Presslufthammer für Augen und Ohren, dem man sich gerne hingibt. Oftmals werden gesungene Passagen von Kinetic Typography untermalt und so eine weitere Ebene der Intermedialität erreicht. Verschiedene animierte Videofahrten werden ebenso überlagert wie gesprochene und gesungene Textpassagen.
Die unterschiedlichen Ebenen verweben sich flüssig und bilden durch die kraftvolle Synergie von Bild- und Tonebene ein harmonisches Ganzes auf neuem Niveau. Die Frage nach der eigentlichen Existenz der Stadt wird vor allem im Liedtext gestellt und melancholisch besprochen.
Der wahrhaftig abstruse Kern des Musikvideos fällt dem Zuseher bei der hohen Frequenz, mit der die Szenen und Objekte sich abwechseln, jedoch nur schwerlich auf, da man die fast minimalistisch gehaltenen Grundmuster wie einfache Striche oder Punkte in der Bewegung beinahe übersieht.
Durch die starke suggestive Kraft des Films, dem feinen Zusammenspiel der medialen Ebenen und dem trotzdem hohen Unterhaltungswert selbst auf künstlerischer Ebene, sollte diese in den Grundelementen minimalistische und doch aufwendige Arbeit, innerhalb des VIS-Festivals nicht übersehen werden.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen beim Autor.
