Loop Loop
Kanada 2008, 5 min, Digital
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion: Patrick Bergeron
Review

von Andrea Scheibelhofer
Alltägliche Bilder – Eindrücke die bekannt erscheinen. Viele – wenige – einzelne. Sie könnten aus verschiedenen Ecken der Welt stammen. Collagenartig und rhythmisch angeordnet. In Streifen formiert – erscheinen sie wie Zeilen, die gelesen werden wollen. Graphische Muster verleihen der Realität so ihre Abstraktheit.
Wir sehen Streifen. Horizontal. Viele davon. Wir hören eine atmosphärische Geräuschkulisse. Die Streifen verzerren. Sie bewegen sich in angenehm rhythmischer Langsamkeit gleichzeitig vorwärts und rückwärts und werden dabei immer breiter und weniger. Nach 1,5 Minuten hat man sich gerade gut an diese illusorisch geschaffene neuartige Dimension gewöhnt. Man ist versucht die Zeilen wie Schrift zu lesen. Die Bilder darin zu entschluüsseln. Mauern, Zäune, Fenster, Kabeln, Dächer, Wäscheleinen lassen sich erkennen.
Doch plötzlich scheint ein schneller Rewind alles rückgängig zu machen. Es werden noch mehr Streifen als im allerersten Kader zu sehen waren. Gleich darauf wandert alles wieder ins Gegenteil und eine völlige Auflösung des Musters entsteht. Es läuft nur noch ein einzelner Streifen an uns vorbei. Der Filmstreifen. Auch wenn er in diesem Fall digital ist.
Die bewegten Bilder, die uns vorgeführt werden, haben einen besonderen Stil. Sie sind in nahen Einstellungen und langen Kamerafahrten aufgenommen worden. Das Muster scheint sich nur verlagert zu haben: Wände, Zäune, Dächer, etc. bilden nun selbst eigene Ornamente. Ihre Struktur dominiert. Großzügig werden Materialien und ihre Formen offen gelegt. Die Realität dieser bekannten Bilder erscheint beinahe irreal.
Leicht gebrochen werden die rhythmischen Bilder durch Geschwindigkeits-Wechsel, spezielle Effekte, rückwärts abgespulte Teile und Wiederholungen. Verblüffend: die Frau, die mit dem Feuer tanzt – zu passender Musik und in normalem Tempo abgespult – erscheint beinahe fremd.
Patrick Bergeron hat die beschriebenen Bilder bei einer Bahnfahrt in Hanoi aufgenommen. Vielleicht wurde er von Michel Gondrys Music-Clip zu ”star guitar“ der chemical brothers inspiriert. Ein nachbearbeitetes One-Shot-Video auch aus einem Zugfenster gefilmt. Bergerons Loop Loop zeigt aber völlig andere Motive. Kein nachgereichter Ton verfremdet die Montage der langen Einstellungen. Die Tonspur als nicht-diegetisch zu bezeichnen verwirrt vielleicht, da die meisten von uns schon einmal in einem Zug gesessen haben und die entspannende Geräuschkulisse dazugehört. Wie selbstverständlich ergänzt diese die visuellen Eindrücke. Einzelne Kader wirken wie abstrakte Gemälde. Wahrscheinlich wirkt der Film nicht einmal rückwärts abgespult befremdend. Man möchte ihn am liebsten in einer unendlichen Schleife laufen lassen. Und – nomen est omen – er ist als Video-Loop konzipiert.
Der Film endet wie zu Beginn und beginnt wie er endet. Mit vielen Streifen. In seiner ästhetischen Horizontalität. Und in seiner wunderbaren Langsamkeit.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung Filmanalyse: Geschichte und Techniken des Animationfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2010 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen bei der Autorin.
