6.6. - 10.6.2012

In Transit

Österreich 2009, 6 min, BetaSP
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion: Reinhold Bidner | Sounddesign: Richard Eigner

 

Review

von Petra Hofschneider

Im Rahmen der Vienna Independent Shorts wurden an drei Tagen Animationsfilme unter dem Titel Animation Avantgarde präsentiert. Dabei bekamen die Zuschauer eine breite Palette unterschiedlichster Themen und Animationstechniken zu sehen. Beeindruckend fand ich (neben vielen anderen sehenswerten Animationsfilmen) In Transit von Reinhold Bidner, dessen Kurzfilm unter dem Schwerpunkt Körper am 29. Mai 2010 im Metro Kino zu sehen war.

Der Film startet in einem Raum im Louvre, dessen BesucherInnen sich teils gelangweilt, teils hektisch durch den Raum bewegen. Die Kamera zoomt langsam in ein Gemälde von William-Adolphe Bouguereau hinein, bis das Gemälde Leinwand füllend zu sehen ist. Und in diesem Moment verwandelt sich der Kurzfilm in eine digitale 2D-Animation. Das Gesicht des Mädchens beginnt sich zu transformieren und Porträt um Porträt findet eine Verwandlung statt. Für diese stufenlose, fließende Transformation verwendete Bidner die Technik der Metamorphosen-Animation (Morphing). Unter Morphing versteht man die Verwandlung von einem Bild in ein anderes. Bei dieser Animationstechnik wird keine Bewegung erzeugt, sondern eine Veränderung des Bildes, wobei das Ziel darin liegt, einen fließenden und möglichst weichen Übergang zwischen den Bildern zu erzeugen.

Über die zu sehenden Gemälde hat Bidner eine Ebene aus Tropfen gelegt, das für mich als Rezipient den Anschein erweckt, durch ein verregnetes Fenster zu blicken. Zur Musik von Richard Eigner verliert man sich in den sanften Übergängen von Gemälde zu Gemälde, während sich zwischendurch immer wieder die Silhouetten der nichts ahnenden, hektischen MuseumsbesucherInnen im „verregneten Fenster“ spiegeln.

Die Transformation endet mit dem eingangs zu sehenden Gemälde von William-Adolphe Bouguereau. Die Tropfen verschwinden und die Kamera zoomt wieder langsam zurück – jetzt hängt das Bild zwar in einem anderen Raum des Museums, aber wieder sind MuseumsbesucherInnen zu sehen, die sich hektisch von Bild zu Bild bewegen.

 

Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung Filmanalyse: Geschichte und Techniken des Animationfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2010 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Alle Rechte liegen bei der Autorin.