6.6. - 10.6.2012

Horse Glue

UK 2010, 7 min
Regie/Drehbuch/Produktion: Stephen Irwin | Musik: Sorenious Bonk

Review

von Mario Hofer

Horse Glue ist ein Animationsfilm vom englischen Filmemacher Stephen James Irwin aus dem Jahr 2010. In diesem Kurzfilm werden zwei animierte Storylines mit den jeweiligen Namen Horse und Glue  zur gleichen Zeit in den gleichen Bildern dargestellt. Zu Beginn gehen beide Stories noch getrennte Wege, bis sie im letzten Drittel des Films aufeinander einwirken und die jeweils andere Geschichte beeinflussen. Als Hintergrundbilder der animierten Stories dienen zum großen Teil Fotografien eines Waldes. Durch einige wenige Stop-Motion-Aufnahmen und dem Verwackeln der Bilder wird der Eindruck eines bewegten Hintergrunds erweckt.

Der Film Glue beginnt in einer rein animierten Szenerie und zeigt ein Kind und einen Erwachsenen mit einer Maske, die einem Straßenfest beiwohnen. Das Kind wird vom maskierten Erwachsenen von einem animierten Straßenfest in den realen Wald gezerrt, dort mit einem Schlag auf den Kopf besinnungslos gemacht und mit der Maske zurückgelassen. Die Maske veranlasst dessen Träger, anderen Lebewesen Schaden zuzufügen – sie wird später im Film noch eine wichtigere Rolle übernehmen. Horse zeigt das Schicksal eines Soldaten, der nach einer Kampfhandlung zweier Armeen als einziger Überlebender zurückbleibt. Dieser Film wird immer wieder in Glue eingeblendet, welcher aber nie ganz verschwindet. Auch zu den Zeiten, an denen Horse für kurze Zeit die Oberhand im Bild gewinnt, ist Glue noch immer leicht zu sehen. Um den Wechsel zwischen den beiden Filmen zu kennzeichnen, wird in den meisten Fällen das Geräusch eines Störimpulses des frühen Fernsehens verwendet.

Auch wenn dieser Film kein Hybridfilm in dem Sinn ist, als dass Real- und Animationsfilm vereint werden, ist eine gewisse Hybridität des Films nicht abzustreiten. Dieser Film kombiniert das Medium der Fotografie mit dem Medium des Animationsfilms auf eindrucksvolle Weise. Animation und Fotografie gelten in diesem Fall als gleichberechtigt, und man kann den Film weder gänzlich in die eine noch die andere Kategorie einordnen.

Die Musik übernimmt auch einen wichtigen Part in diesem Film. Sie versetzt die Zuseher in die richtige Stimmung für die zu sehenden Bilder. Dies erscheint umso eindrucksvoller, wenn man weiß, dass fast die gesamte Musik aus freien Onlinearchiven kommt, da die Musik das Geschehen sehr stimmig dokumentiert. Der gesamte Film ist in schwarz-weiß gehalten, um in Verbindung mit Handlung und Musik eine düstere Stimmung zu erzeugen. Das Besondere an Horse Glue ist, dass zur gleichen Zeit und im selben Raum zwei Geschichten erzählt werden, welche gegen Ende ineinander greifen.

 

Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Alle Rechte liegen beim Autor.