Aanaatt
UK/Deutschland/Japan 2008, 5 min, HD
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt: Max Hattler | Produktion: Max Hattler, WK Tokyo Lab
Review

von Nina Jasmin Hoanzl
Mit seinem Kurzfilm Aanaatt aus dem Jahr 2008 entführt uns der deutsche Avantgardekünstler Max Hattler für fünf Minuten in eine faszinierende Welt aus Formen, Farben und Klängen. Bei diesem Film handelt es sich eigentlich um ein Musikvideo, welches Hattler für den japanischen Elektromusiker Jemapur produzierte.
Der Clip wurde ausschließlich mit analogen Animationstechniken aufgenommen, der so genannte Objektanimation. Hier werden Objekte für jede Aufnahme nur um ein Stückchen verrückt oder verschoben und aus einer Masse an Einzelaufnahmen, die mit einer Frequenz von bis zu 24 Bildern pro Sekunde abgespielt werden, entsteht der Eindruck von Bewegung. In einem Talk verriet uns Max Hattler persönlich, dass die Dreharbeiten zu Aanaatt um die drei Wochen gedauert haben. Dies merkt man besonders, wenn man die Witterung durch das Fenster betrachtet. Wolken, blauer Himmel und Regen wechseln sich innerhalb von Augenblicken ab. Schon in den ersten Sekunden stellen sich dem Betrachter wohl schon einige Fragen zur Machart. Besonders die Perspektive aus der die Aufnahmen gemacht werden, wird zu einem großen und unlösbaren Rätsel. Max Hattler verriet uns aber sein Geheimnis. Die bespielte Ebene ist in Wirklichkeit ein Spiegel und mit Hilfe von weiteren Glasebenen schafft es der Künstler uns jeglichen Anhaltspunk zu entziehen und den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Der Betrachter fühlt sich immer schwereloser und man bekommt fast das Gefühl als würde man in eine andere Welt schweben.
Obwohl es sich um ein abstraktes Werk handelt, erkennt man doch eine gewisse Dramaturgie in den Abläufen. Seinen Höhepunkt findet das verwirrende Wechselspiel in einem farbenfrohen Mix aus bunten und weißen Quadraten, die sich zuletzt in einem Tanz aus schwarzen und weißen Figuren, welche stark an Schachfiguren erinnern, auflösen. Das dichte Treiben endet jedoch ganz unspektakulär mit dem Verschwinden aller Formen, bis nur noch der Spiegel zu sehen ist und man durch die Reflexionen den blauen Himmel sieht.
Wer sich nun noch die Frage stellt, was es mit dem Titel Aanaatt auf sich hat, dem sei gesagt, dass es keinerlei Bedeutung hat, sondern lediglich der Titel des Musikstücks sei. Max Hattler verriet uns, dass der Titel viele Vorteile für ihn bringe, da er damit immer zu Beginn einer alphabetisch geordneten Listen stehe, wie es bei Filmfestivals ja üblich ist. Und es wird bestimmt nicht sein letzter Titel sein, der auf einer solchen Liste Erwähnung findet.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung Filmanalyse: Geschichte und Techniken des Animationfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2010 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen bei der Autorin.
