6.6. - 10.6.2012

The External World

Deutschland 2010, 15 min
Regie/Kamera/Schnitt: David OReilly | Drehbuch: David OReilly, Vernon Chatman | Produktion: Henning Kamm, David OReilly | Musik: Bram Meindersma

Review

von Stefanie Lagler

Die Satire erlebt ihren Höhepunkt

Beschreibt man den Kurzfilm The External World mit drei Worten, so fallen neben satirisch auch die Wörter grenzwertig und humorvoll. Was eigentlich in der Wortwahl widersprüchlich erscheint, erlebt in dieser kurzen Produktion einen zeitgleichen Höhepunkt.

Der Animationsfilm von David OReilly lebt von Satire und Humor. Der Kurzfilm versetzt den Zuseher in eine computeranimierte Welt mit Ausschnitten des tatsächlichen Lebens. Im Zuge des Kurzfilmfestivals Vienna Independent Shorts (VIS) wurde David OReillys Werk im Teil eins der Serie Animation Avantgarde gezeigt. Die Geschichte beginnt und endet mit der Szene eines Vater-Sohn-Verhältnisses. Der Vater stellt Erwartungen an den Klavier spielenden Sohn, welcher dieser nicht erfüllen kann. Die Szenen schreiten fort zu in Computersprache sprechenden Tieren, Doktors Spezialrezept mit der Gleichgültigkeitsaufforderung „Go fuck yourself“ bis hin zu schreienden Kindern, die durch das Museum schreiten, und Szenen, die den schlechten Einfluss der Medien auf Kinder thematisieren.

OReilly greift Verhaltensweisen und Probleme der Gesellschaft auf und verpackt sie in bizarre wie auch humorvolle Kurzgeschichten mit computeranimierten Gestalten. Der Zuseher wird mit Ausschnitten aus der Fantasie- und Emotionswelt der Kinder konfrontiert und zeigt teilweise den sehr starken Kontrast zum Leben der Erwachsenen auf. Der junge Klavierspieler schafft es unter dem Druck des Vaters nicht, am Klavier die richtige Melodie erklingen zu lassen, genauso wie der Junge mit den „normalen“ Verhaltensweisen eines Museumsbesucht bricht, indem er mit einer Trommel Unruhe stiftet. Dass der Junge am Klavier schlussendlich den Vater erschießt und das junge Mädchen sich aufgrund der Ausweglosigkeit in der Badewanne das Leben nimmt, sind Elemente in OReillys Werk, die so mancher Zuseher als grenzwertig erlebt und beschreibt.

David OReilly baut Elemente unterschiedlicher Animationslegenden wie Super Mario ein. Es wird ein Mann gezeigt, der mit dem Kopf den Stein anhüpft und sich über die hervorspringende Münze freut oder durch die Kraft des „Mushrooms“ wächst. Die unterschiedlichen Animationen sind einzigartig gemacht und gut animiert. Der Stil ist satirisch, witzig und nach David OReilly's Art  optisch unverwechselbar.

Trotz aller positiver Beurteilung sei aber doch auf den verwirrenden Inhalt verwiesen. Während die Szenen zu Beginn aus der Welt gegriffen und nachvollziehbar erscheinen, stiftet OReilly im Zuge des Filmverlaufs zunehmend Verwirrung und Unverständnis. Auch wenn der Konzertraum am Ende das Zusammentreffen der einzelnen Handlungen und Schicksale signalisiert, bleibt die Frage nach einem sinnvollen Zusammenhang offen. Die Betrachtung dieser Kurzfilmproduktion stellt eine große Herausforderung an den Zuseher dar. Die kurzen animierten Ausschnitte sind in einer Art und Weise andeinandergereiht, die es dem Zuseher erschweren, das Gesehene zu interpretieren oder zu verstehen.

Doch trotz der irrsinnigen Aneinanderreihung dieser aus der Welt gegriffenen unterschiedlichen Ausschnitte trübt es die Begeisterung nicht, mit welcher man nach der Betrachtung von The External World das Kino verlässt. Was nicht zuletzt daran liegt, dass dieses Werk von einem ungewöhnlich talentierten Kopf stammt, der den Zuseher in den Bann dieser irrsinnigen Welt zieht, nämlich dem von David OReilly.

Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.

Alle Rechte liegen bei der Autorin.