The External World
Deutschland 2010, 15 min
Regie/Kamera/Schnitt: David OReilly | Drehbuch: David OReilly, Vernon Chatman | Produktion: Henning Kamm, David OReilly | Musik: Bram Meindersma
Review
von Kamala Reiter
The External World ist, in einem Satz gesagt, ein verstörend inszeniertes Animationsspektakel in einer postmodernen, zerrütteten Realität mit einer ordentlichen Prise von Referenzen aus der Populärkultur der letzten Jahrzehnte. Die Zusammenfassung des Machers David OReilly lautet: „A boy learns to play the piano.“; und das stellt die Rahmenhandlung des Films dar.
Im Film überlagern sich verschiedene Realitäten; das Format ist durchgehend das eines Animationsfilms. Bei der verwendeten Animationstechnik handelt es sich augenscheinlich um CGI, „Computer Generated Imagery“. Einzelne Figuren werden in kurzen, ironischen Sequenzen vorgestellt und darauf sofort parodiert. Beliebte und bekannte Figuren wie Mickey Mouse, Pikachu etc. gehen Tätigkeiten nach, die ihrer unschuldigen Herkunft kein gutes Zeugnis ausstellen. Gemeinsam mit einem laufenden Haufen Kot, einem immer wiederkehrenden, gehirnartigen Monster und vielen anderen bunten Zeichentrickfiguren spielen sie verrückt. Doch während man sich noch darüber lustig macht, sickert durch einen neuen Handlungsstrang (und damit zusammenhängend eine neue Konnotation des zuvor Gezeigten eine neue Bedeutung) zum Zuschauer durch, und man fühlt sich als Schuldiger angesprochen, ertappt und schockiert.
Schockiert von der eigenen Untätigkeit, dem eigenen Hinnehmen von eigentlich unannehmbaren Tatsachen. Die animierten Figuren aus Kindertagen entblößen in ihrem Abstieg in den Wahnsinn und die Sinnlosigkeit die Perversionen und Ängste einer ganzen Gesellschaft. David OReilly bedient sich bewusst des Animationsfilms, um reale Zustände unserer Welt darzustellen. Dabei scheint die Inszenierung übertrieben und alptraumhaft, doch wenn man sich in die dargestellten Zustände hineinzuversetzen beginnt, wird klar dass genau dies der richtige Zugang zu solchen Themen ist. Die Bildsprache ist grotesk-poetisch, spielt mit der Immersion und der Furcht vor Identifikation des Zuschauers durch flackernde Bilder, die sich einen Moment später durch ein kleines Detail grundlegend verändern.
Ein Beispiel dafür ist die Rahmenhandlung, der Junge verspielt sich und wird von seinem Lehrer auf den Hinterkopf geschlagen; am Ende des Films wird die Sequenz wieder und wieder abgespielt, nur dass der Schlag mit immer anderen Gegenständen durchgeführt wird. Zunächst mit einem Fisch – die Zuschauer lachen über das unerwartete Bild – und plötzlich mit einem Revolver, und ein Erstarren geht durch die Ränge, und mit einem Mal schlägt die Stimmung in gespannte Erwartung um. Der mit Gefahr konnotierte Revolver erfüllt schließlich seine Bestimmung, der kleine Junge erschießt seinen Lehrer. Am Ende spielt er sein Stück, eine berührende, melancholische Melodie, vor jenen Gestalten, die in der Binnenhandlung durch die verschiedenen Handlungsstränge und Abschnitte der chaotischen Außenwelt gestolpert sind; und endlich kann die zerstörte Welt für einen Moment innehalten.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen bei der Autorin.
