Big Bang Big Boom
Italien 2010, 10 min
Regie/Drehbuch: Blu | Produktion: Silvia Siberini | Musik: Andrea Martignoni
Review
von Vanessa Wilcke (vanessa.wilcke(at)gmail(dot)com)
Mit dem Kurzfilm Big Bang Big Boom kreiert der italienische Graffitikünstler und Filmemacher Blu eine circa zehnminütige Stop-Motion Animation, die die Streetart auf ein neues Level bringt. Der Künstler thematisiert die Entwicklung der Evolution. Angefangen, wie es sich aus dem Titel schon erahnen lässt, beim Big Bang (Urknall) bis hin zu einem möglichen Ende der Welt und damit der Menschheit. Gleichzeitig bietet Blu aber auch einen programmatischen Querschnitt durch die künstlerischen Möglichkeiten der Streetart. In einer ständigen Metamorphose ziehen sich die überwiegend maritimen Darstellungen durch die urbane Landschaft, entlang an Häuserfassaden, über Brücken, durch Abflussrohre und Fenster. Gleichzeitig oszillieren sie zwischen Zweidimensionalität und Dreidimensionalität, zwischen Objekt und Malerei. Teilweise ergibt sich daraus ein Zusammenspiel von alltäglichen Gegenständen, wie einem alten Eimer und figurativen Graffitis, zu beispielsweise einem Einsiedlerkrebs. Die Kunst erhält mit der Streetart Einzug in den öffentlichen Raum, mit Big Bang Big Boom annektiert sie den öffentlichen Raum geradezu. Ganz in der Tradition von Marcel Duchamp werden Plastiktüten zu künstlerischen Objekten und zu Protagonisten im Film.
Gleichzeitig erweist sich die Animation immer wieder als sehr selbstreflexiv, so sehen wir vereinzelt die Gerüste und Personen, die zur Erstellung der Graffitis nötig waren, im Bild. Durch das Morphing und das damit verbundene stetige Übermalen der vorherigen Darstellung, bleiben zudem die Spuren der Bewegung sichtbar. Blu betont dadurch den künstlerischen Aspekt seiner Arbeit und thematisiert den Herstellungsprozess an sich. Untermalt wird der Kurzfilm durch ein minimalistisches Klangkonzept von Andrea Martignoni. Bewegungen werden mit Geräuschakzenten unterlegt und gewinnen dadurch an Lebendigkeit.
Mit dem Big Bang kam gleichzeitig auch der Big Boom, Blu schafft es spielerisch aktuell politische und ökologische Probleme zu thematisieren. Mit der Entwicklung des Menschen entstand gleichzeitig auch sein größter Feind: er selbst. Ein gelungener Kurzfilm, der zum Denken anregen will und dieses auch schafft.
Der Text entstand im Rahmen der Lehrveranstaltung "Medienübergänge" - Hybride des Animations- und Realfilms unter der Leitung von MMag. Franziska Bruckner im Sommersemester 2011 am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien.
Alle Rechte liegen bei der Autorin.
