6.6. - 10.6.2012

Porträt: Miranda Pennell

> Biographie und Filmographie.

 

Was verbindet heruntergekommene Pubs, Waldstücke und entlegene Wiesen, private Wohnzimmer, zugefrorene Flüsse und funktionale Unterrichtsräume? Alles sind Tanzflächen; wenn man sie mit den Augen der britischen Künstlerin Miranda Pennell sieht. Rhythmus findet sich allerorts und Choreografie scheint nicht an Orte und Situationen gebunden zu sein. Selbst ein spontaner Ehestreit wird so zu einem expressiven Tanzduell im farbüberströmten Wohnzimmer, und exerzierende Soldaten geraten in den Sog einer (scheinbar oder tatsächlich) durchkomponierten Massenchoreografie.

Pennells besondere Herangehensweise an diese Bewegungen und die Entdeckung der Choreografie in Alltagssituationen legt oft erstaunliche Momente offen und lässt auch immer wieder ein Schmunzeln zu. Es ist eine ungewöhnliche Art von Tanzfilm: Die Menschen, die sich in den Bildern bewegen, werden nicht in eine perfekt arrangierte Choreografie gedrängt, nicht als Tanz im Studio, auf der Bühne oder im Musical. Pennells Filme und Videos werfen den Blick auf das Ritual und die Performance im Alltäglichen.

Miranda Pennell, ursprünglich in New York und Amsterdam zur Tänzerin ausgebildet, kreiert mit ihren Bildkompositionen nicht nur einen Tanz im Bild, sondern auch einen Tanz mit dem Bild – von aufwühlenden Situationen bis hin zu ruhenden Momenten, die die Bewegung zu kontrastieren vermögen. Stets geht es Pennell um das Verhältnis zwischen (tänzerischer) Bewegung, Umgebung und Ton. Ihre Filme fanden oft den Weg auf die Leinwände von Festivals, erhielten Auszeichnungen weltweit (zuletzt 2008 in Rotterdam). Die Kurzfilmtage Oberhausen widmeten ihr 2006 ein „Profil“-Programm. Darüber hinaus werden die Arbeiten vermehrt auch im Kunstkontext – etwa in Galerien und Ausstellungen – ausgestellt. Miranda Pennell lebt und arbeitet in London.

 

Text: VIS / Wiktoria Pelzer, 2010.