Porträt: Ben Rivers

Text: Wiktoria Pelzer
Ben Rivers makes films.
Was auf der Website des Briten lapidar klingt, ergibt Sinn, wenn man in das Werk des Filmemachers eintaucht: Spuren im Schnee, mysteriöse Hütten, ein verlassener Hof. Kinder beim Spiel und Kreaturen, die sich aus dem Wald winden. Die Filme von Ben Rivers eröffnen einen Spielraum der Gedanken und Träume. Rivers ist ein Meister des Mysteriösen, des Unheimlichen, aber doch Persönlichen und Einfühlsamen. Die Katze im Schnee auf 16 mm oder das Radio in der abgelegenen Weite Schottlands. Auf den meist schwarz-weißen Aufnahmen ist ganz deutlich seine Handschrift abzulesen, eine, die an frühes Kino erinnern mag.
Ihn faziniert die Wildnis, wie er es beschreibt – wenn er filmt, ist er „off in the wilderness filming“. Man kann ihn kaum erreichen, kein Handy, kein Internet – er taucht ganz tief in seine Vorstellungen ein. Später erreicht die Außenwelt nur ein kurzes und, wenn man seine Filme betrachtet, verständliches, „then (I) got lost in filming“. Ben Rivers sagt über sich selbst, er sei schon immer ein „champion daydreamer“gewesen – dieses Gefühl überträgt er in seine Filme. Die Bilder und Überblendungen, ob sie nun angenehm oder beklemmend sind oder ein Albtraum, lassen der Phantasie Raum. Die märchenhafte Stimmung mancher seiner Filme lässt aber trotzdem die moderne Welt nicht aus den Augen, die beiden Welten existieren nebeneinander – allerdings nicht ohne Spannungen.
Rivers spürt Orte auf, die menschliche Spuren aufweisen – die gewissermaßen als Geisterorte funktionieren - belebt oder unbelebt. Er nimmt die Stimmung auf und transportiert sie in ein Filmbild, das den Zuschauer in kindliche Erinnerungen von Traumfetzen und tagträumerischen Begegnungen drängt. Rivers experimentierte schon früh mit Filmmaterial, schon während dem Studium an der Falmouth School of Art. Er arbeitet meist allein, nur im Dialog mit seiner 16-mm-Bolex. Auch im Schneideraum ist er meist allein mit dem Material. Diese bewusste Entscheidung erklärt auch seine Nähe zu Menschen die abgeschieden und ausserhalb unserer Gesellschaft in der „wilderness“ beheimatet sind.
Die Filme sind Narrationen, auch wenn sie sich nicht klassischen Narrationsstrukturen unterwerfen, sind Versatzstücke und geben dem Zuschauer den Freiraum seine eigene Geschichte zu spinnen. Wie immer wiederkehrende Erinnerungen, die nur noch collagenartig präsent sind. Über Einflüsse oder Vorbilder sprich Ben Rivers in einem Interview; durch seine Erfahrungen mit der Brighton Cinematheque, die er zusammen mit Michael Sippings betreibt, kann er keine direkten Einflüsse nennen. Er fallen Namen wie George Kuchar und Margaret Tait, John Smith und Man Ray, doch im Grunde sieht er sich von dem beeinflusst, was um ihn herum passiert.
Ben Rivers‘ Arbeiten wurden und werden auf zahlreichen internationalen Festivals und in Galerien gezeigt und prämiert. Den letzten Preis erhielt er beim International Film Festival Rotterdam 2008. Geboren 1972 in Somerset, lebt und arbeitet er heute in London.
