
Kurzinterview: Miranda Pennell
Worauf legst du besonders Wert in deinen Arbeiten?
Ich wurde als Tänzerin und Choreografin ausgebildet, wandte mich dann aber schnell Gegenständen in der „wirklichen“, also nicht-theatralen und nicht-fiktionalen Welt zu, bei denen ich das Gefühl hatte sie mittels Film erforschen zu können. Das Herzstück dieser Filme bildet das Verlangen, einen grundlegenden menschlichen Prozess in alltäglichen Darstellungen und Choreografien offen zu legen und den geheimnisvollen Mechanismus des menschlichen Ausdrucks zu erhellen. Wenn ich den Schwerpunkt auf formalisierte und kodifizierte soziale Rituale lege, interessiert mich in welchem Verhältnis Individuen zu Gruppen stehen. In diesen Filmen gibt es oft einen starken Kontrast zwischen den formalen Aspekten choreografischer Codes und der Offenlegung individueller Erfahrung innerhalb der Darstellung.
Wie ist deine Herangehensweise bei der Verwendung von Musik und Ton?
Ton und Musik nehmen eine zentrale Rolle in meinen Filmen ein. Ich plane, welche Form ich der Erfahrung von Ton im Film geben will, und denke gleichzeitig über die Bilder nach. Weil die Dialoge fehlen, gibt es reichlich Gelegenheit die Tonebene in interessante und überraschende Beziehungen zur Bildebene zu setzen. Drum Room (2007) zum Beispiel spiegelt meine Erfahrung wieder, in einer Musikschule herumzugehen, wo sich die Töne oft verwandeln, wegen der Schallisolierung oder wegen Instrumenten, die nur durch Kopfhörer zu hören sind, und wo individuelle Erfahrungen von Musik oft privat sind und nicht der Perspektive eines außenstehenden Betrachters entsprechen. Das Thema des Films ist nicht nur das Spielen von Musik, sondern der Akt des Hörens von Musik. Der Ton in diesem Film verschiebt kontinuierlich die Perspektive des Publikums and verändert die Vorstellung von Realität dramatisch.
Interview: VIS, 2010.
