Diagonale & VIS Vienna Independent Shorts Tour 2009

- Filmstill: Acting for the Camera
Der Kurzfilm ist – quer durch die Genres und Formate – nach wie vor eines der wichtigsten Experimentierfelder zur Entwicklung neuer filmischer Ausdrucksmöglichkeiten. Ob Video oder Film, kurzer Spielfilm, Essay, Dokumentarfilm, Experimentalfilm, Musikvideo oder neue Mischformen – der Einfallsreichtum der Filmschaffenden und die Vielfalt der Formen, Themen und Ansätze sind größer denn je.
Dennoch findet der Kurzfilm viel zu selten seinen Platz im regulären Kinobetrieb. Um dem Abhilfe zu schaffen, präsentieren die Diagonale und VIS Vienna Independent Shorts ein Programm mit Highlights der beiden Festivals: 2 Programme mit 14 herausragenden Beispielen österreichischer und internationaler Kurzfilme geben einen packenden, überraschenden, vielleicht auch kontroversen, jedenfalls aber abwechslungsreichen Einblick in das Spannungsfeld der aktuellen Kurzfilmproduktion.
Termine und Veranstaltungsorte
4. JUNI
Graz: Karl-Franzens Universität
Universitätsplatz 3/1, 8010 Graz, HS 15.14
Beginn: 19:00
Linz: Kunstuniversität Linz | Café Dokapi
Kollegiumgasse 2, 2. OG, 4010 Linz
Beginn: 20:00
St. Pölten: Fachhochschule St. Pölten, Audimax
Matthias Corvinus-Straße 15, 3100 St. Pölten
Beginn: 19:30
Wels: Medien Kultur Haus
Pollheimerstraße 17, 4600 Wels
Beginn: 20:00
PROGRAMM 1
Acting for the Camera (USA 2008, 14 min, Regie: Justin Nowell)
In einer Schauspielklasse wird die Orgasmus-Szene aus dem Film When Harry Met Sally erarbeitet. Fragwürdige Unterrichtsmethoden führen eine Schülerin an ihre Grenzen. Eine Fake-Doku, bei der das Stöhnen im Halse stecken bleibt.
Dropping Furniture (A 2008, 5 min, Regie: Harald Hund, Paul Horn)
Zwei anfangs leere, unmöblierte Zimmer bilden den Ausgangspunkt einer konsequenten Choreographie der Zerstörung. Nach wenigen Sekunden der Stille zerbersten Stühle, Kronleuchter, Sessel und Regalbretter. Wie von Geisterhand realisiert sich das Ende eines Lebensraumes, konzipiert als symbolisches Bild für den Verlust einer Existenz.
Der Doppelgänger (A 2009, 14 min, Regie: Stephanie Winter)
Ein Mann hastet zum Zug und reist mit dem an sich konventionellen Vehikel in seine innere Landschaft, sein ureigenstes Selbst. Unterschiedliche Identitäten übernehmen abwechselnd die Kontrolle über die bis dato vergessenen Bilder seiner eigenen Vergangenheit. Mit Fortdauer der Reise beginnen die Grenzen zwischen Beobachter und Beobachteten zu verschwimmen. Akteur und Manipulator verbindet ein grausames Geheimnis.
HEIM (A 2009, 12 min, Regie: Claudia Larcher)
Ein ganzes Haus wird besichtigt, vom Dachboden bis zum Keller. Das ganze Reservoir einer kleinbürgerlichen Provinzidylle offenbart sich in Claudia Larchers Videoanimation in Form von Fotos und Laufbild, montiert zu einem scheinbar unendlichen Panoramaschwenk. Im Hintergrund dröhnt die Tonspur und fördert Unbehagliches, Unheimliches zutage.
body trail (A 2008, 8 min, Regie: Willi Dorner, Michael Palm)
Der Körper als Werkzeug, um die Dimension von Raum wahrzunehmen: Sich wandelnde und der Umgebung anpassende Körper-Skulpturen eröffnen neue Perspektiven und Einblicke in Architektur und Stadt – Ein konzeptionelles (Be)Füllen urbaner Leer- und Zwischenräume. Der experimentelle Kurzfilm body trail basiert auf einer gleichnamigen Outdoor Performance, die im Oktober 2007 in Wien realisiert wurde.
i deeply regret (A/D 2008, 2 min, Regie: Karø Goldt)
Verpasste Rache, versäumte Genugtuung – die Befreiung aus der Opferrolle fällt oft schwer. In i deeply regret gelingt die Überwindung der Ohnmacht mithilfe einer Machtphantasie: Die lange, lange Zeit aufgeschobene Gegenwehr erfolgt zur gesummten Titelmelodie aus dem Film Rocky.
Der Conny ihr Pony (D 2008, 5 min, Regie: Robert Pohle, Martin Hentze)
Ein Collagenfilm, der einen Vortrag des Schweizer Slam-Poeten Gabriel Vetter skurril in Szene setzt. Die elfjährige Conny bekommt ihr viel zu großes Pony nicht in den Linienbus. Die Suche nach Schuldigen führt schließlich fast zum Untergang der Schweiz.
PROGRAMM 2
12 Explosionen (A 2008, 6 min, Regie: Johann Lurf)
Impressionen aus dem nächtlichen Wien. Alles wirkt ruhig. Plötzlich zerstört eine Explosion den Frieden! Raffinierterweise findet mit jeder Zündung ein Wechsel des Blickwinkels statt, so dass das Publikum sich auch so richtig aus seiner Position gehebelt fühlt. 12 Krimis, jeweils auf die Tat komprimiert.
Plot Point (B 2007, 14 min, Regie: Nicolas Provost)
New York als perfekte Filmkulisse: Der Künstler Nicolas Provost arbeitet mit den narrativen Codes des Kinos und spielt mit der Erwartungshaltung der Zuseher. Der Times Square mit Polizei, Uniformen und Sirenen verwandelt sich in eine filmische Umgebung – aber was ist real und was nur Fiktion?
Ground Control (A 2008, 2 min, Regie: Siegfried A. Fruhauf)
Wo Chaos medial reproduzierbar wird, verliert es seinen Status des Unkontrollierbaren. Ground Control setzt an diesem Punkt an. Die Aufzeichnung des Bildrauschens als filmischer Sieg über die Unwiederbringlichkeit visueller Phänomene. Eine Assoziationskette nimmt seinen Lauf: Spontan agierende Ameisenkörper, Satellitenschüsseln... Atmosphärischer Horror, mit Anleihen bei den so genannten Bug-Movies der 1950er-Jahre.
home.movie (A 2008, 10 min, Regie: Martin Bruch)
„Reisen ist immer eine Sache des Willens.“ (Maya McKechneay) home.movie ist das
Selbstporträt des Hand-Rollstuhlfahrers Martin Bruch. Ausflüge in den brausenden
Stadtverkehr sind für Bruch aufgrund fortschreitender Multipler Sklerose heute unmöglich – seine Sicht auf die Umgebung hat sich notgedrungen verändert. Innenraum ersetzt Außenraum. Von Stillstand aber keine Spur: Die hochmobile Kamera schweift durch die eigenen vier Wände, in denen sich Bruchs Reisen und Alltag heute realisieren.
Link: www.diagonale.at