Satyre und Parodey 2.0 – Remix, Mashup und Scharfsinn im Netz
NEW COMMUNITIES
Termin:Sonntag, 29.5.2011, 19:00
Ort:Schikaneder
Tickets: 7,50 Euro (Normalpreis) / 5 Euro (ermäßigt) [Ticket-Info]
Dieses Kompendium von knapp 30 satirischen und parodistischen Beiträgen aus dem Netz ist umfangreichen Recherchen zu verdanken - was nicht zuletzt am schwer zu fassenden Überangebot an Clips liegt, das einem auf YouTube und Co. entgegen schwappt. Schließlich ließen sich aber fast alle in Frage kommenden Beiträge fünf Kategorien (von Internet-Serien bis Werbe-Parodie) zuordnen, die nun das Konzept sinnvoll gliedern. Das Ergebnis ist keineswegs so trocken, wie sich das in der Theorie vielleicht anhört, sondern wohl eines der unterhaltsamsten Programme des Festivals. Kuratiert von Franka Giesemann und Daniel Ebner.
Gesamtfilmlänge: 65 min

Star Wars (John Williams is the Man) a cappella
Kanada 1999/2008, 4 min
Regie: Corey Vidal | Drehbuch, Musik: Moosebutter | Web: http://www.moosebutter.com
„You must use the force“ singt die A-Cappella-Truppe Moosebutter zum Score von Close Encounters of the Third Kind, um in Folge die unterschiedlichsten Kompositionen von John Williams zu einem absurden Ritt durch die Star-Wars-Geschichte zu nutzen. Der Kanadier Corey Vidal hat dazu das perfekte Split-Screen-Video entwickelt – als Parodie, Hommage und Tribute an einen Meister.
5 Second Movies
USA 2008, 1 min (4 Episoden à 15 sek)
Regie/Drehbuch/Schnitt: Doug Darien Walker (aka That Guy With The Glasses) | Web: http://www.thatguywiththeglasses.com
Wenn aus einem lustigen Experiment eine Serie wird und diese noch dazu viele Nachahmer findet, dann darf die ursprüngliche Idee ruhig einmal gewürdigt werden: Doug Darien Walker, im Netz unter dem Namen That Guy With The Glasses unterwegs, hat Hollywood-Blockbuster auf ihre Essenz zusammengestutzt. Mit „Lion King“, „Kill Bill“, „Titanic“ und „The Matrix“ zeigen wir vier der besten Exemplare.
How It Should Have Ended – Lord of the Rings
USA 2006, 2 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: Daniel Baxter, Tommy Watson, Tina Alexander | Produktion: David Katz | Web: http://www.howitshouldhaveended.com
Bei Daniel Baxter, Tommy Watson und Tina Alexander hat ebenfalls die Beschäftigung mit Blockbustern zu einer Webserie geführt, die sich mittlerweile sogar als Geschäftsidee etablieren konnte. Die Frage, wie die „Herr der Ringe“-Reihe eigentlich hätte verlaufen sollen, führte zu einem der witzigsten der stets kantig animierten und mit neuem Voice-Over bedachten Clips.
Die Partei – Wahlwerbespot 1
Deutschland 2005, 2 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: TITANIC – Das endgültige Satiremagazin | Besetzung: Martin Sonneborn | Web: http://www.die-partei.de
Die vom Satiremagazin „TITANIC“ 2004 gegründete Volksbewegung „Die Partei“ hat immer wieder mit spektakulären Aktionen für Aufsehen gesorgt. Doch die Wahlwerbespots für die deutsche Bundestagswahl 2005, die auch regulär im Fernsehen ausgestrahlt wurden, gelten mittlerweile schon als legendär: Vorsitzender Martin Sonneborn stellt darin das ungewöhnliche Parteiprogramm vor.
Literal Versions: „Take On Me“ (Aha)
USA 2008, 4 min
Regie/Drehbuch/Gesang: Dustin McLean | Web: http://www.dustfilms.com/literalvideos
Auch diese Idee war so originell, dass sich auf YouTube innerhalb kürzester Zeit ein Hype entwickelte und das Konzept vielfach kopiert wurde: Dustin McLean schuf vor drei Jahren zum Aha-Klassiker „Take On Me“ das erste wörtlich genommene Musikvideo und damit nicht nur eine kongeniale Parodie, sondern auch ein völlig neues Rezeptionsmuster für diese spezielle Kurzfilmform.
Extra 3: Nur noch Kultur im Fernsehen
Deutschland 2008, 4 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: Jesko Friedrich, Johannes Büchs | Produktion: NDR/Extra 3 | Web: http://www.ndr.de/extra3
Die einzige Satire-Sendung im deutschsprachigen Fernsehen hat nicht zuletzt über das Internet (und damit auch mit dem Verlassen der terrestrischen Grenzen) große Popularität erlangt: Dieser Extra-3-Kurzfilm von Jesko Friedrich und Johannes Büchs entstand nach Marcel Reich-Ranickis Brandrede beim Deutschen Fernsehpreis – und zeigt, wie das Fernsehen heute eigentlich aussehen müsste…
Get Your War On: Terrorist Watch List
USA 2010, 2 min
Regie/Drehbuch: David Rees | Produktion: Holly Schlesinger, Brian Spinks |Besetzung: Jonathan Glaser, Anthony Laurent | Web: http://www.mnftiu.cc/category/gywo
Die pointierten, satirischen Comicstrips von David Rees sind seit ihren Anfängen höchst kontroversiell rezipiert worden. Die Serie „Get Your War On“ erfreute sich dabei so großer Beliebtheit, dass der umtriebige Humorist mit Holly Schlesinger und Brian Spinks daraus eine animierte Serie machte – und sich dabei gerne aktuellen politischen US-Themen annahm. Diesmal: die Terrorist Watch List.
Extra 3: Putin Kampfschlumpf
Deutschland 2007, 2 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: Dennis Kaup, Jesko Friedrich | Produktion: NDR/Extra 3 | Web: http://www.ndr.de/extra3
Besondere Kreativität entwickelt die Redaktion von Extra 3 stets, wenn es um die satirische Charakterisierung von politischen Hauptakteuren geht – sei es beim wunderbaren Berlusconi-Song oder wie in diesem Fall bei der unglaublichen Adaption von „Pippi Langstrumpf“ auf den russischen Premier Wladimir Putin. „Hey, Putin Kampfschlumpf, tralali tralala trala hopsasa…“
Get Your War On: Dominating the News Cycle
USA 2010, 2 min
Regie/Drehbuch: David Rees | Produktion: Holly Schlesinger, Brian Spinks | Besetzung: Jonathan Glaser, Anthony Laurent | Web: http://www.mnftiu.cc/category/gywo
Der Aufbau der kurzen „Get Your War On“-Clips bleibt stets derselbe: Das Telefon klingelt – und es beginnt ein provokanter Dialog zwischen zwei Freunden, der eine Liberaler, der andere Republikaner. Verschwörungstheorien, krude Behauptungen, politische Zitate werden durch den Fleischwolf gedreht – diesmal widmet sich David Rees der Idee, die Nachrichtenwege dominieren zu können.
Die Partei – Wahlwerbespot 2
Deutschland 2005, 2 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: TITANIC – Das endgültige Satiremagazin | Besetzung: Martin Sonneborn | Web: http://www.die-partei.de
Zum Abschluss des ersten Programm-Blocks gibt es den zweiten Teil der satirischen Wahlwerbespots für die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“, die sich mit ihrem Vorsitzenden Martin Sonneborn unter anderem für den Wiederaufbau der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland einsetzt.
Scary Mary (Trailer Recut)
USA 2006, 1 min
Regie/Drehbuch: Christopher C. Rule | Assistenz: Nick Eckert | Web: http://www.RuleArt.com
Ebenso wie „Literal Videos“ beschäftigen sich Trailer Recuts mit der Bild/Ton-Schere, nur dass dieses Mal bekannte Bilder mittels neuer Musik und neuem Schnitt umgedeutet werden. Nach Christopher C. Rules stilbildender Arbeit „Scary Mary“ sind auf YouTube plötzlich zahlreiche Neuinterpretationen von Filmen aufgetaucht – doch kaum ein Bruch bleibt so in Erinnerung wie jener zu „Mary Poppins“.
The Shining (Trailer Recut)
USA 2006, 2 min
Regie/Drehbuch: Robert Ryang | Produktion: PS260 | Web: http://www.ps260.com
Fast zur gleichen Zeit wie „Scary Mary“ entstand Robert Ryangs Trailer Recut von „The Shining“, ähnlich fantastisch gemacht und durch seinen Humor und die geradezu perfekte Musik (Peter Gabriels „Solsbury Hill“!) ebenfalls nur schwer zu vergessen. Wer hätte Jack Nicholson in Kubricks Horrormeisterwerk jemals als liebenden Familienvater auf der Suche nach einem Freund gesehen?
Lexikon des Lebens: Selbstentblößung 2.0
Deutschland 2010, 2 min
Regie/Drehbuch: polylux/polylog-Redaktion | Produktion: Kobalt Filmproduktion, Stefan Mathieu | Web: http://www.polylog.tv
Auch wenn es die TV-Sendung „polylux“ leider nicht mehr gibt und die Webseite „polylog.tv“ schon ziemlich eingeschlafen ist, so bleibt doch zumindest die satirische Reihe „Lexikon des Lebens“ als prägender Blick auf soziokulturelle Alltagsfragen in Erinnerung. Im vorliegenden Beispiel wird die Tendenz zur Selbstentblößung im Internet bei gleichzeitiger Überwachungsangst persifliert.
iStalker
USA 2009, 2 min
Regie/Drehbuch/Produktion: Adam Sacks | Web: http://www.adamthinks.com
So groß die Schar der Apple-Jünger ist, so viele Parodien auf Werbungen für Produkte mit dem angebissenen Apfel gibt es. Keine trifft den Nagel jedoch so gut auf den Kopf wie jene von Adam Sacks, der sich realer Applications bedient, um subversiv auf eine immer weiter um sich greifende Smartphone-Unkultur hinzuweisen. Und der Clip ginge dabei noch glatt als Fernsehwerbung durch.
Right-wing Radio Duck (Donald Duck meets Glenn Beck)
USA 2010, 8 min
Regie/Drehbuch/Produktion: Jonathan McIntosh | Design: Justin McIntosh | Web: http://www.rebelliouspixels.com
Die Verbindung von Popkultur und Politik ist das Spezialgebiet von Jonathan McIntosh, der das repressive Klima der Bush-Ära und die derzeitige Politik der US-Konservativen mit seinem Remix aus 50 Disney-Klassikern der 1930er bis 50er anprangert. Ein aufwendiges Video, das die McCarthy-ähnliche Rhetorik der rechten Medienikone Glenn Beck entlarvt.
Telephone (Lady Gaga Parody)
USA 2010, 3 min
Regie: Tom Small | Drehbuch: Mark Douglas | Produktion: The Key of Awesome, Jake Chudnow | Stimmen: Anastasia Douglas, Carolyn Castiglia | Besetzung: Lauren Francesca, Echoe Malone | Web: http://www.youtube.com/show/keyofawesome?s=1
Mit dem Wörtchen „Kult“ muss man ja vorsichtig sein, aber Mark Douglas und seine „The Key of Awesome“-Kumpels hatten mit ihren aufwendigen und kunstvollen Parodien so viel Erfolg, dass die Plattform binnen kürzester Zeit gleich von YouTube übernommen wurde. Die erfolgreichste Musikvideo-Persiflage war jene auf „Telephone“ von Lady Gaga und Beyonce – kultverdächtig.
Lexikon des Lebens: Altershipness
Deutschland 2010, 2 min
Regie/Drehbuch: polylux/polylog-Redaktion | Produktion: Kobalt Filmproduktion, Stefan Mathieu | Web: http://www.polylog.tv
Eine satirische Breitseite der polylog-Redaktion auf ein weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen in Berliner Szenekneipen, mit Vorliebe in Mitte oder Prenzlauer Berg: die Altershipness. Das Problem des Nicht-Altern-Wollens wird hier in zwei Minuten so gekonnt zerlegt, dass man fast vermuten könnte, dass sich im Umkreis der Redaktion einige gute Beobachtungsexemplare befinden.
Literal Versions: „Beautiful“ (James Blunt)
USA 2008, 3 min
Regie/Drehbuch/Gesang: Simeon Bisas
Simeon Bisas hat sich von Dustin McLean inspirieren lassen und mit seiner wörtlich genommenen Musikvideo-Parodie zu James Blunts „Beautiful“ eindeutig den Vogel abgeschossen. Die schlechte Mikro-Aufnahme und die teils krächzenden Töne tun dem Witz des neuen Textes keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Ein Glücksfall, der Bisas eine Unmenge Fans auf YouTube eingebracht hat.
Schindler’s List (Trailer Recut)
USA 2007, 1,5 min
Regie/Drehbuch/Produktion: Chris Maggio, John Wilson | Web: http://www.thefuturemachine.com
Auch in diesem Fall sind das übersteuerte Mikro und die vergleichsweise schlechte Bildqualität beim äußerst satirischen Trailer Recut von „Schindlers Liste“ kein Hindernis, um die böse Umdeutung des Originals von Steven Spielberg nicht trotzdem ins Programm zu nehmen. Der Holocaust als Romantic Comedy? Das erinnert fast ein bisschen die „Titanic“ zu ihren besten Zeiten.
Die Partei – Wahlwerbespot 3
Deutschland 2005, 2 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: TITANIC – Das endgültige Satiremagazin | Besetzung: Martin Sonneborn | Web: http://www.die-partei.de
Apropos „Titanic“, es wird Zeit für den dritten von vier Wahlwerbespots, die „Die Partei“ anlässlich der deutschen Bundestagswahl 2005 angefertigt hat. Der Stil der Spots ändert sich im Verlauf zwar nur geringfügig, die Ausstattung wird aber immer absurder, die Forderungen immer abstruser. Und Martin Sonneborn sonnt sich hinter seinem Schreibtisch gekonnt im Scheinwerferlicht.
How It Should Have Ended – Seven
USA 2005, 1 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: Daniel Baxter, Tommy Watson, Tina Alexander | Produktion: David Katz | Web: http://www.howitshouldhaveended.com
Kaum ein Hollywood-Thriller hat mit einem so großen Kloß im Hals geendet wie David Finchers „Sieben“, für den sich Daniel Baxter, Tommy Watson und Tina Alexander schon ziemlich am Anfang ihrer Reihe ein neues Ende haben einfallen lassen. Mit der reduzierten Form und der überraschenden Wende am Ende werden wohl auf Rache sinnende Optimisten am meisten Freude haben.
Pedophile Beards
USA 2008, 2 min
Regie/Drehbuch/Besetzung: Jon LaJoie | Produktion: Brandon Dermer | Web: http://www.undergroundfilms.net
Jon LaJoie ist eine der bekanntesten satirischen Stimmen aus dem US-amerikanischen Untergrund – und mit seinen Werbe-Parodien ebenso wie mit seinen pseudo-proletarischen Musikvideos vielleicht auch einer der umstrittensten. Nichtsdestotrotz, die Fanbase des Selfmade-Comedians ist mittlerweile riesig; und seine Kleidungsempfehlungen für Missbrauchstäter zum Schreien komisch.
Die Partei – Wahlwerbespot 4
Deutschland 2005, 2 min
Regie/Drehbuch/Schnitt: TITANIC – Das endgültige Satiremagazin | Besetzung: Martin Sonneborn | Web: http://www.die-partei.de
Der vierte Wahlwerbespot für „Die Partei“, die bei der anschließenden Bundestagswahl 2005 immerhin auf 0,016 Prozent der Stimmen kam, bildete den vielleicht nicht krönenden, aber doch sehenswerten Abschluss der TV-Präsenz der Satire-Bewegung. Wer traut sich wetten, dass die Deutschland-Fahne auch diesmal das Ende des Spots nicht im statischen Bild erleben wird?
Show Me Your Genitals
USA 2008, 3 min
Regie/Drehbuch/Besetzung: Jon LaJoie | Produktion: Brandon Dermer | Web: http://www.undergroundfilms.net
Die Geschwindigkeit, mit der sich dieses Musikvideo vor drei Jahren im Netz verbreitet hat, war enorm, die hohen Klickraten auf YouTube sprechen Bände: „Show Me Your Genitals“ von Jon LaJoie rief sowohl unzählige Fans als auch Kritiker auf den Plan, die dem satirischen Werk Frauenfeindlichkeit vorwarfen. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Kann dieser Tanzstil lügen?
