6.6. - 10.6.2012

Vorwort zur 7. Festivalausgabe

Tanzende Bilder im Kurzfilmland

Das internationale Kurzfilmfestival VIS Vienna Independent Shorts geht ab 27. Mai in seine siebente Auflage – erstmals mit drei Wettbewerbsschienen und dem Metro Kino als neuer Hauptspielstätte. Ein Schwerpunkt liegt diesmal auf dem Themenkomplex Film – Tanz – Rhythmus.

 

Filmstill: Die Sindy Show

Es ist noch gar nicht so lange her, da warb VIS Vienna Independent Shorts vor allem damit, dass es im Filmbereich einfach auch etwas anderes gibt als das standardisierte Kinoformat. „Langfilme sind Angeber“ stand da ironisch-provokativ auf Stickern in der ganzen Stadt. Oder „Die Kürze ist die Schwester des Talents“ wurde augenzwinkernd Tschechow zitiert. Tatsächlich herrscht hierzulande nur wenig Bewusstsein dafür, dass die kurze filmische Form nicht ausschließlich in der Kunst- und Experimentalsparte angesiedelt sein muss oder zu Übungszwecken an Filmakademien entsteht, sondern einen reichhaltigen und in Österreich oft nur unzureichend wahrgenommenen Kosmos umfasst. „Kurzfilm ist alles, nur nicht lang“, wurde daher schon im ersten Jahr des Festivals postuliert. Seither hat es sich VIS zur Aufgabe gemacht, den Blick auf den unabhängigen Film bis zu einer Länge von 30 Minuten zu verändern, zu schärfen und – am allerwichtigsten – überhaupt zu ermöglichen.

 

Filmstill: MAZY: systems of transition

Was einst als ehrgeiziges Studierendenprojekt begann, hat – trotz weiterhin schwieriger finanzieller Bedingungen – zu einer enormen Belebung der heimischen Festivallandschaft geführt. In seinem (verflixten) siebenten Jahr stand VIS vor der Herausforderung, dem gewachsenen Publikumsinteresse ebenso wie dem anspruchsvoll-unabhängigen Grundgedanken gleichermaßen Rechnung zu tragen. Als neue Hauptspielstätte dient daher nun das Metro Kino, das durch seinen intimen Charakter und seine lange Tradition – nicht zuletzt in Verbindung mit kurzen filmischen Formen – einen idealen Festivalmittelpunkt zwischen MuseumsQuartier, Badeschiff, Reformierter Stadtkirche und Gartenbaukino bildet. Bespielt wird das Kino mit drei Wettbewerbsschienen, die durch eine Kooperation mit dem Animationsfilmverband ASIFA Austria und der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VDFS) möglich wurden, sowie mit Spezialprogrammen aus dem musikalisch-rhythmischen Schwerpunkt Film - Dance - Rhythm.

 

Filmstill: The Girl Helicopter

Das umfangreiche Wettbewerbsprogramm gliedert sich heuer erstmals in drei Bereiche: die internationale Konkurrenz für kurze fiktionale und dokumentarische Arbeiten, den österreichischen Wettbewerb sowie den internationalen Wettbewerb für Animation, Experimentalfilm und digitale Medien, kurz Animation Avantgarde. Während letzteres Programm – gemeinsam mit dem Kurator Thomas Renoldner erstellt – dezidiert den Erfahrungshorizont erweitern soll, richtet sich die Selektion im Bereich „Fiction and Documentary“ danach, die herausragenden Kurzfilme des vergangenen Jahres in fünf Programmblöcken zu präsentieren. Zum ersten Mal einer Jurybewertung unterzogen werden zudem die spannendsten Arbeiten aus Österreich.

 

Filmstill: passage à l´acte

Aus rund 1.200 aus aller Welt eingereichten und rund 600 auf Festivalreisen in ganz Europa gesichteten Kurzfilmen wurden schließlich 92 Werke aus mehr als 20 Ländern für die Wettbewerbsprogramme ausgewählt. 33 Kurzspiel- oder Kurzdokumentarfilme rittern nun um den mit 4.000 Euro dotierten Wiener Kurzfilmpreis, 38 Animations- und Experimentalfilme konkurrieren um den mit 2.000 Euro dotierten ASIFA Austria Award und 25 nationale Produktionen dürfen auf den von der VDFS mit 2.000 Euro dotierten Österreichischen Kurzfilmpreis hoffen. Mitsamt Publikums- und Spezialpreisen (u. a. von der Elfi-von-Dassanowsky-Stiftung) werden diesmal mehr als 12.000 Euro an Preisgeldern vergeben, immerhin drei Mal so viel wie im vergangenen Jahr. Diesen neuerlichen Wachstumsschub verdankt das Festival nicht nur zahlreichen und teils frisch hinzugekommenen Medien- und Kooperationspartnern, sondern mit LG vor allem auch seinem neuen, sowohl medien- als auch filmaffinen Hauptsponsor.

 

Filmstill: Finningins Bluff

Wer in den gerade geschilderten Entwicklungen möglicherweise einen Grund zum Tanzen erkannt hat, wird sich vermutlich auch auf den thematischen Schwerpunkt der diesjährigen Ausgabe freuen. Die drei Worte „Film Dance Rhythm“ prangen gleichsam einer Einladung zu einer genussvollen Reise durch tänzerische und rhythmische Kurzfilmgefilde über dem Festival. Gemeinsam mit sixpackfilm entstand etwa – ausgehend von Daniel Wiroths und Lionel Hoches sinnlichem und knisterndem Tanzfilmklassiker „Erè mèla mèla“ – ein vielfältiges Programm zwischen skurrilen Deplatzierungen und filmischen (Massen-)Choreographien. Und in Kooperation mit dem Avantgarde-Verleih wurde auch die großartige Tanzfilmerin Miranda Pennell für ein außergewöhnliches Tribute-Programm nach Wien eingeladen.

 

Filmstill: Aanaatt

Das österreichische Tribute fügt sich mit dem retrospektiven Blick auf das bisherige Werk des Kubelka-Schülers Thomas Draschan genauso nahtlos in den rhythmischen Schwerpunkt ein. In einer Kooperation von Filmarchiv Austria und ASIFA Austria wirft Thomas Renoldner zudem einen amüsiert-fokussierten Blick auf die Geschichte der „Animated Music in Austria“. Und in der Reformierten Stadtkirche unweit vom Metro Kino werden – ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv – animierte Bilder mit Live-Musik zum Tanzen gebracht. Apropos Musik: Der wohl populärste Kurzfilmzweig, das Musikvideo, soll im Zuge dieser Festivalausgabe endlich ebenfalls den ihm gebührenden Platz einnehmen. Während die Experten von FM4 am Badeschiff einen Rückblick auf die besten internationalen Musikvideos des vergangenen Jahrzehnts erstellen, wird von den Screensessions ebendort die Entwicklung der österreichischen MuVis beleuchtet. Und im Forum am Badeschiff wird schließlich bewiesen, dass über Kurzfilme mindestens so lange diskutiert werden kann wie über seine längeren Kinogenossen.

 

Filmstill: TXT Island

Dass das Festival in dieser einzigartigen Bandbreite über die Bühne gehen kann, verdankt VIS vor allem den Förderabteilungen der Stadt Wien, des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, des Österreichischen Filminstituts, der VDFS sowie dem Fachverband der Film- und Musikindustrie (FAF) und der Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien (VAM). Und dem aufgeschlossenen Publikum, das dem Kurzfilm seit Jahren in immer größer werdender Zahl neugierig begegnet und große Erklärungen, was es denn nun eigentlich damit auf sich hat, heute vielfach gar nicht mehr nötig macht. Ganz einfach: Life is Short. Life’s Good.