Tribute to Miranda Pennell
Termin:Sonntag, 30.5.2010, 20:00
Ort: Metro Kino

Was verbindet heruntergekommene Pubs, Waldstücke und entlegene Wiesen, private Wohnzimmer, zugefrorene Flüsse und funktionale Unterrichtsräume? Alles sind Tanzflächen; wenn man sie mit den Augen der britischen Künstlerin Miranda Pennell sieht. Rhythmus findet sich allerorts und Choreografie scheint nicht an Orte und Situationen gebunden zu sein. Selbst ein spontaner Ehestreit wird so zu einem expressiven Tanzduell im farbüberströmten Wohnzimmer, und exerzierende Soldaten geraten in den Sog einer (scheinbar oder tatsächlich) durchkomponierten Massenchoreografie.
Pennells besondere Herangehensweise an diese Bewegungen und die Entdeckung der Choreografie in Alltagssituationen legt oft erstaunliche Momente offen und lässt auch immer wieder ein Schmunzeln zu. Es ist eine ungewöhnliche Art von Tanzfilm: Die Menschen, die sich in den Bildern bewegen, werden nicht in eine perfekt arrangierte Choreografie gedrängt, nicht als Tanz im Studio, auf der Bühne oder im Musical. Pennells Filme und Videos werfen den Blick auf das Ritual und die Performance im Alltäglichen.
Miranda Pennell, ursprünglich in New York und Amsterdam zur Tänzerin ausgebildet, kreiert mit ihren Bildkompositionen nicht nur einen Tanz im Bild, sondern auch einen Tanz mit dem Bild – von aufwühlenden Situationen bis hin zu ruhenden Momenten, die die Bewegung zu kontrastieren vermögen. Stets geht es Pennell um das Verhältnis zwischen (tänzerischer) Bewegung, Umgebung und Ton. Ihre Filme fanden oft den Weg auf die Leinwände von Festivals, erhielten Auszeichnungen weltweit (zuletzt 2008 in Rotterdam). Die Kurzfilmtage Oberhausen widmeten ihr 2006 ein „Profil“-Programm. Darüber hinaus werden die Arbeiten vermehrt auch im Kunstkontext – etwa in Galerien und Ausstellungen – ausgestellt. Miranda Pennell lebt und arbeitet in London.
Das Tribute to Miranda Pennell kommt in Kooperation mit dem In-Person-Programm von sixpackfilm zu Stande. Die Künstlerin ist bei der Vorführung anwesend.
FILMPROGRAMM (72 min)
Monsieur X
UK 1990, 9 min, Digibeta
Lounge
UK 1995, 6 min, Digibeta
Tattoo
UK 2001, 9 min, Digibeta
Human Radio
UK 2002, 9 min, Digibeta
Magnetic North
UK/Finnland 2003, 9 min, Digibeta
Fisticuffs
UK 2004, 11 min, Digibeta
You Made Me Love You
UK 2005, 4 min, Digibeta
Drum Room
UK 2007, 15 min, Digibeta
Worauf legst du besonders Wert in deinen Arbeiten?
Ich wurde als Tänzerin und Choreografin ausgebildet, wandte mich dann aber schnell Gegenständen in der „wirklichen“, also nicht-theatralen und nicht-fiktionalen Welt zu, bei denen ich das Gefühl hatte sie mittels Film erforschen zu können. Das Herzstück dieser Filme bildet das Verlangen, einen grundlegenden menschlichen Prozess in alltäglichen Darstellungen und Choreografien offen zu legen und den geheimnisvollen Mechanismus des menschlichen Ausdrucks zu erhellen. Wenn ich den Schwerpunkt auf formalisierte und kodifizierte soziale Rituale lege, interessiert mich in welchem Verhältnis Individuen zu Gruppen stehen. In diesen Filmen gibt es oft einen starken Kontrast zwischen den formalen Aspekten choreografischer Codes und der Offenlegung individueller Erfahrung innerhalb der Darstellung.
Wie ist deine Herangehensweise bei der Verwendung von Musik und Ton?
Ton und Musik nehmen eine zentrale Rolle in meinen Filmen ein. Ich plane, welche Form ich der Erfahrung von Ton im Film geben will, und denke gleichzeitig über die Bilder nach. Weil die Dialoge fehlen, gibt es reichlich Gelegenheit die Tonebene in interessante und überraschende Beziehungen zur Bildebene zu setzen. Drum Room (2007) zum Beispiel spiegelt meine Erfahrung wieder, in einer Musikschule herumzugehen, wo sich die Töne oft verwandeln, wegen der Schallisolierung oder wegen Instrumenten, die nur durch Kopfhörer zu hören sind, und wo individuelle Erfahrungen von Musik oft privat sind und nicht der Perspektive eines außenstehenden Betrachters entsprechen. Das Thema des Films ist nicht nur das Spielen von Musik, sondern der Akt des Hörens von Musik. Der Ton in diesem Film verschiebt kontinuierlich die Perspektive des Publikums and verändert die Vorstellung von Realität dramatisch.




