Film – Dance – Rhythm
Schwerpunkt 2010
Tanz stimuliert den Blick, erzeugt visuelle und akustische Assoziationen. Körper schwingen im Takt, Worte nehmen gestisch Gestalt an, Scherze drücken sich in rhythmischen Effekten aus, Poesie wird zu Choreografie: Seit Anbeginn der Filmgeschichte spielen tänzerische, musikalische, rhythmische Szenen eine wichtige Rolle, wird umgekehrt auch Film als Ausdrucksform für Musik, Tanz und Rhythmus genützt. Im diesjährigen Schwerpunkt interessiert sich VIS für die Umsetzung von Bewegung und Choreografie im Film, für das Verschmelzen von Bild und Ton, für die synchronen Abläufe vor und hinter der Kamera. Insgesamt zehn Programme mit preisgekrönten Kurzfilmen und sehenswerten Raritäten hat das Festival zusammengestellt – und ermöglicht damit eine unterhaltsame, farbenfrohe und genussvolle Entdeckungsreise durch Tanzfilm, Musikvideo und Rhythmuskino.
Als Ausgangspunkt in mehrerlei Hinsicht diente Daniel Wiroths und Lionel Hoches sinnlicher und knisternder Tanzfilmklassiker „Erè mèla mèla“ aus dem Jahr 2001, der nach seiner ersten Ausstrahlung auf ARTE einen nachhaltigen Eindruck bei Teilen des Festivalteams hinterließ. Der Film diente schließlich nicht nur als Ideengeber, sondern auch als Gravitationszentrum für das gemeinsam mit sixpackfilm erstellte und zwischen skurrilen Deplatzierungen und filmischen (Massen-)Choreografien angesiedelte Tanzfilmprogramm „One Step, One Dance, One Song“. In Kooperation mit dem Avantgarde-Verleih wurde auch die großartige Tanzfilmerin Miranda Pennell für ein außergewöhnliches Tribute-Programm nach Wien eingeladen.
Wer die Wörter Musik, Tanz und Rhythmus bei Google eingibt, wird unweigerlich auch über die gleichnamige Disney-Kollektion stolpern. Nicht zuletzt im Animationsfilm spielen rhythmische Choreografien und auf Musik abgestimmte Bewegungen ja oft eine zentrale Rolle. Drei Programme des diesjährigen Festivals setzen sich daher speziell mit der Verbindung von Trickfilm und dessen Vertonung auseinander. Abseits des Disney-Kanons geht es etwa in der Reformierten Stadtkirche um die synästhetische Verbindung von Bild- und Tonebene in der Avantgarde – inklusive Live-Performance! Kurator Thomas Renoldner verweist in „Animated Music in Austria“ auf die Querverbindungen in der Geschichte des österreichischen Animationsfilms. Und im Liegekino werden die besten animierten Musikvideos der vergangenen zwei Jahre auf die Decke projiziert.
Apropos Musikvideo: Der wohl populärste Kurzfilmzweig wird in einem Retrospektiven-Programm von FM4-Experten einem subjektiven Rückblick auf das vergangene Jahrzehnt unterzogen. Und die Screensessions beleuchten am Abend darauf die Entwicklung der österreichischen MuVis in einem Jahrzehnt, das u.a. durch Plattformen wie YouTube oder MySpace einen hohen Professionalisierungs- und Verbreitungsgrad ermöglichte. Mit Musikclips und Popkultur setzt sich auch der diesjährige Artist in Residence, Benny Nemerofsky Ramsay, in seinem Carte-Blanche-Programm auseinander. Und zwei Programme thematisieren zu guter Letzt nicht unwesentlich das Thema Rhythmus: Einerseits ein von VIS kuratiertes Programm mit einigen grandiosen internationalen Highlights, andererseits das längst fällige Tribute an den österreichischen (Film-)Künstler Thomas Draschan. Rhythm is a Dancer – so let’s dance!

Freitag, 28.5.2010, 21:00, Badeschiff Wien
Was sagen Musikkurzfilme vulgo „Videoclips“ über die Alltagskultur, Ästhetik und Technologie einer Zeit aus? Eine Versuchsanordnung anhand sorgfältig ausgewählter Musikvideo-Kleinode - nicht nur, aber auch abseits des schon eingehend bekannten „Directors“-Kanons der Herrschaften Gondry, Jonze, Cunningham & Co. Auf Einladung von VIS haben sich die FM4-Mitarbeiter Stefan Trischler und Christian Fuchs auf eine subjektive Reise durch das vergangene Musikvideo-Jahrzehnt begeben.
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Samstag, 29. Mai 2010, 16:00, Metro Kino
Zweckentfremdete Gegenstände, prägnante Sprache, pointierte Bilder-Symphonien: Das dreizehn Filme umfassende Programm konzentriert sich auf die rhythmischen Spielformen im Realfilm, bei dem Ton und Musik zumeist in der abgefilmten Welt erzeugt werden. Ein Programm für alle, die den Rhythmus im Blut haben oder ihn finden wollen – und die Spaß daran finden, hin und wieder einfach genüsslich mit den Füßen mitzuwippen.
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Samstag, 29.5.2010, 21:30, Badeschiff Wien
Vor sieben Jahren, als die Screensessions zum ersten Mal österreichische Musikvideos auf die Kinoleinwand brachten, gab es weder YouTube noch MySpace, geschweige denn Facebook. VIS hat die australisch-wienerische Initiative eingeladen, einen Blick zurück zu den Anfängen zu werfen und die Entwicklung der vergangenen Jahre nachzuzeichnen. Entstanden ist die erste Retrospektive von „Screensessions – Your Music on the Big Screen“ – mit 18 Videos aus sieben Jahren.
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Samstag, 29. Mai 2010, 22:00, Metro Kino
Die Choreographie im Film ist so alt wie der Film selbst. Dieses Programm bietet freilich nur einen Ausschnitt aus der Vielfältigkeit an vorhandenen Herangehensweisen: Das Spektrum reicht dabei von der filmischen Übersetzung einer Tanzchoreographie zur abstrakten digitalen Überarbeitung; von skurrilen Deplatzierungen im Spielfilm zur ironischen Referenz auf stereotype Darstellungsformen im Musikvideo; vom mechanischen Tanz in Einzelbildern zur bunten Massenchoreographie.
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Dienstag, 1.6.2010, 18:00, Metro Kino
Film und Musik sind Geschwister – und im besten Fall gleichberechtigte, denn für den Gesamteindruck audio-visueller Kunst spielt der Ton eine ebenso bedeutsame Rolle wie das Bild. Im Falle von Animation und Musik treten Parallelen noch deutlicher zutage: Die Taktstriche einer Komposition lassen sich vergleichen mit jenen im Kaderplan einer Animation.
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Dienstag, 1.6.2010, 21:00, Reformierte Stadtkirche
„Dancing Images“ versteht die optisch-musikalische Poesie von einst in einer Linie mit der visuellen Musik von heute, verweist auf direkte und indirekte Bezüge in der jüngeren abstrakten Animationsgeschichte und verpackt die tanzenden (Vor-)Bilder von einst in eine filmhistorische Live-Performance der mehrfach ausgezeichneten und zurecht vielgepriesenen AV-Medienkünstler Max Hattler und Noriko Okaku.
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