Österreich-Wettbewerb 3
Ein teils bizarres, teils subversives und zumeist postmodernes Kinoerlebnis erwartet das Publikum beim dritten Programm des Österreich-Wettbewerbs – immer einen Schritt voraus und dennoch mit dem kommentierenden und interessierten Auge zurück in der filmischen Vergangenheit. Hier blicken die Nouvelle Vague und Buñuel durch, dort übernehmen Geräuschkulisse, Sound Footage oder Off-Stimmen eine kommentierende oder irritierende Funktion. Insgesamt acht animierte, dokumentarische, fiktionale oder experimentelle Kurzfilme fügen sich hier zu einem Programm zusammen, bei dem der Ton eindeutig die Musik macht.
Gesamtlänge des Filmprogramms: 84 min

Mystery Music
Österreich 2009, 5 min, DigiBeta
Regie/Drehbuch: Nikolaus Mahler | Kamera/Schnitt: Thomas Renoldner | Musik: Ulrich Troyer
Die Idee von „visual music“ findet in der animierten Arbeit von Nikolaus Mahler eine ironische Antwort, wenn die „Töne“diverser Instrumente als dicke Würste über die Leinwand fließen. Die akustische Umsetzung des wunderbar unaufgeregten Bildgeschehens mit experimentellen elektronischen Klängen fügt dem Werk eine weitere Humorebene hinzu.

des souvenirs vagues
Österreich 2009, 8 min, BetaSP
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion/Sound: Michaela Schwentner
Die Schuhe und das blaue Kopftuch stechen aus dem diffusen weißen (Gedanken-)Raum hervor, in dem Michaela Schwentner sich halb tanzend, halb zufällig bewegt. Es sind vage Erinnerungen, die die Protagonistin aus den weiblichen Originalstimmen verschiedener Filme herausfiltert, persönliche Momente, dann wieder szenische Abläufe – wie eine Choreografie der nebelhaften Erinnerung.

Nachnacht
Österreich 2010, 8 min, HD, Digital
Regie/Drehbuch/Produktion/Kamera/Schnitt: Herwig Kerschner | Original Musik/Sound: Herwig Kerschner, Michael Fakesch | Besetzung: Antonia Schuster, Paul Weixelbaumer, Herwig Kerschner
Surreal anmutende Bilder mit Symbolkraft fügen sich in Herwig Kerschners Gedankenverdichtung zu alptraumhaften Sequenzen zusammen. Durch die eigenwillige Bildmontage und intensive Geräuschkulisse entsteht eine Atmosphäre der Angst und Ungewissheit. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen, ein leerer Swimmingpool bleibt zurück.

Parallax
Österreich/Norwegen 2009, 5 min, DigiBeta
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt: Inger Lise Hansen | Produktion: OK Center for Contemporary Art Linz | Assistentin: Hilde Malme
Kopfüber, vorwärts, rückwärts. Orientierungslosigkeit und Irritation, Bewegung und Illusion. Die norwegische Künstlerin Inger Lise Hansen bildete in ihrer Artist-in-Residence-Zeit in Linz ein Stop-Motion-Bild der oberösterreichischen Hauptstadt heraus, das an die vergangene und gegenwärtige Industrie erinnert und gleichzeitig wie ein Raumschiff in die Zukunft weist.

Commentary
Österreich/UK 2010, 15 min, DigiBeta
Regie/Drehbuch/Produktion: Robert Cambrinus | Kamera: Cheung Jun Keung | Schnitt: Nathan Cubitt | Besetzung: Menis Yousry, Zmira Wicking, Alice Brickwood
Eine Persiflage der Kommentarfunktion und eine Demontage der eigenen Leinwandbilder: Robert Cambrinus erzählt während des Films, der von Identitätskonflikten eines muslimischen Vaters handelt, aus dem Off von der Entstehung und den Hintergründen des Projekts. Ein humorvoll-subversiver Akt der Umkehrung, der alternative Perspektiven eröffnet.

ri-m#03_BDJ
Österreich 2009, 3 min, DigiBeta, HD
Regie/Drehbuch/Produktion/Schnitt: Klaus Pamminger | Original Musik/Sound: Hjalti Bager-Jonathansson, Klaus Pamminger
Bildausschnitte aus Luis Buñuels Belle de Jour verändern die Raumgestaltung einer Wohnung. Durch das Zusammenfügen der Puzzleteile erwacht die starre Kameraeinstellung scheinbar zum Leben. Das Ergebnis von Klaus Pammingers ungewöhnlichem Serienteil ist eine unmerkliche, aber umso beeindruckendere Metamorphose des filmischen Raums.

STATE OF FLUX – Wave#1 / Wave#2 / Wave#3
Österreich 2009, 11 min, DigiBeta
Regie/Drehbuch/Produktion/Animation/Ton: Rainer Gamsjäger
Volltönendes Meeresrauschen von ineinander fließenden Wellen vermischt sich mit wiederkehrenden Bildelementen. Rainer Gamsjägers faszinierendes Triptychon ist eine bleibende, Nachschwingungen auslösende Wellen-Komposition, die sich mehr und mehr in ihr filmisches Rohmaterial auflöst. Gamsjäger: „Raum und Bewegung werden neu klassifiziert.“

K 11 – Confessions of a Sex Tourist
Österreich 2009, 29 min, BetaSP
Regie/Drehbuch/Kamera: Puja Khoschsorur | Produktion: Le Donja | Schnitt: Puja Khoschsorur, Reinhard Klingenberg
K11 bezeichnet das berüchtigte Rotlichtviertel Svay Pak, elf Kilometer nördlich von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, in dem Sextouristen auch junge Mädchen und Kinder angeboten bekamen. Puja Khoschsorur, der für eine lokale NGO arbeitete, hat sich dort einem 44-jährigen Geschäftsmann mit versteckter Kamera genähert – und diesen über seine Tricks und Vorlieben erzählen lassen. Ein verstörendes Dokument.
