6.6. - 10.6.2012

Animation Avantgarde 3

INTERNATIONALER WETTBEWERB

Termin:Sonntag, 30.5.2010, 18:00
Ort: Metro Kino

 

Die Themen „Pop-Kultur“ und „Gesellschaft“ bilden die zwei Fokussierungspunkte des mit dem Oscar-Gewinner 2010 für den besten animierten Kurzfilm abschließenden Programms. Kino- und Fernsehkultur bilden für einen Teil der Filme Ausgangspunkt für atmosphärischen Rahmen, kritisch-unterhaltsame Analyse, derbe Übersteigerung oder anarchische Demontage. Die Realität von Krieg und Unterdrückung bildet den Gegenpol dazu, dazwischen und daneben finden sich Strategien der Collage und Neumontage von unterschiedlichsten Wirklichkeitsfragmenten. Die Verwandlung des realen Raumes in einen verdichteten Alptraum.

Gesamtlänge des Filmprogramms: 74 min

 

Tintenkiller (Ink Eraser)

Österreich 2009, 5 min, Digital, BetaSP, HD
Regie/Drehbuch/Produktion/Kamera/Schnitt: Veronika Schubert
Eine analytische und gleichzeitig unterhaltsame Auseinandersetzung mit den verbalen Klischees deutschsprachiger Krimiserien. Im Aufeinanderprallen ähnlicher Situationen führen sich diese gegenseitig ad absurdum und so zu äußerst humoristischen Ergebnissen. Für den Film animierte Veronika Schubert rund 3.000 gezeichnete und dann wieder partiell gelöschte Blätter.

 

Des souvenirs vagues

Österreich 2009, 8 min, BetaSP
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion/Ton: Michaela Schwentner
Die Schuhe und das blaue Kopftuch stechen aus dem diffusen weißen (Gedanken-)Raum hervor, in dem Michaela Schwentner sich halb tanzend, halb zufällig bewegt. Es sind vage Erinnerungen, die die Protagonistin aus den weiblichen Originalstimmen verschiedener Filme herausfiltert, persönliche Momente, dann wieder szenische Abläufe – wie eine Choreografie der nebelhaften Erinnerung.

 

Drux Flux

Kanada 2008, 5 min
Regie: Théodore Ushev | Produktionsleitung: Marc Bertrand | Produktion: René Chénier | Musik: Alexander Mossolov | Sounddesign: Olivier Calvert | Re-recording: Jean Paul Vialard, Shelley Craig | Digital imaging specialist: Susan Gourley | Technical coordinator: Julie Laperrière
Die Arbeit von Théodore Ushev, inspiriert von Marcuses Der eindimensionale Mensch, ist eine furiose, zu modernistischer Musik in rhythmischen Kürzestschnitten gestaltete Auseinandersetzung mit dem Thema Mensch und Industrie. Zwischen den mehrfach überlagerten Realbildern und zweidimensionalen Grafiken blitzen diverse Zitate sozialistischer Propagandakunst auf.

 

Coal Spell

China 2008, 8 min, BetaSP
Regie/Drehbuch/Schnitt: Sun Xun | Kamera: Yang Ze | Produktion: Zhou Lei
Sun Xun ist einer der außergewöhnlichsten jungen Künstler aus China, der – vergleichbar mit dem südafrikanischen Künstler William Kentridge – in erster Linie für den Kunstraum arbeitet. Die malerische Film-Arbeit Coal Spell verdichtet bedrückende Stimmungen und Bilder aus Chinas Geschichte und Gegenwart und hinterlässt einen irritierenden Nachgeschmack.

 

Lucia

Chile 2007, 4 min, DigiBeta
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion: Niles Atallah, Cristóbal León, Joaquín Cociña | Besetzung: Paula Navarrete
Lucia ist der erste Teil der Filmserie Lucia, Luis and the Wolf, in der die Geschichte der drei Figuren an einem einzigen Schauplatz bebildert wird. In einem altmodisch möblierten Zimmer werden dabei sämtliche Einrichtungsgegenstände lebendig, Kohlezeichnungen überwuchern die Wände – und eine flüsternde Mädchenstimme jagt einem Angst ein.

 

Luis

Chile 2008, 4 min, DigiBeta
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion: Niles Atallah, Cristóbal León, Joaquín Cociña | Besetzung: Paula Navarrete
Nachdem in Lucia diese über ihre Liebe zu Luis erzählte und ein verwirrendes, alptraumartiges Geschehen entstehen ließ, erleben wir in Luis eine Geschichte aus buchstäblich entgegengesetzter Perspektive. Das in Lucia völlig zerstörte Zimmer fügt sich nach und nach wieder zusammen, bis ein vorgezogener Vorhang uns den Blick verwehrt.

 

Excerpt

Israel 2008, 5 min, DV
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion: Guli Silberstein
Die Bilder suggerieren eine Wärmebildkamera, ausgehend von einem dokumentarischen Fernsehbild. Ein kleiner Ausschnitt von Realität, der wir uns nicht persönlich stellen müssen, sondern die uns über extreme Zeitlupe in Schemen nahegebracht wird. Ein Familienbild mit einem laufenden Kind, auf der Straße aufgenommen. Doch können wir wirklich erkennen, was dort passiert?

 

Loop Loop

Kanada 2008, 5 min, Digital
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion: Patrick Bergeron   
Loop Loop ist der erste Kurzfilm von Patrick Bergeron, der für die Special Effects von Filmen wie Matrix verantwortlich zeichnete. Eine Zugreise nach Hanoi lieferte ihm das visuelle Basismaterial, in ausgewählten Details ergeben sich beeindruckende Einblicke in die Realität vor Ort. Die Montage mehrfacher horizontaler Streifen verdichtet sich dagegen fast zum abstrakten Bild.

 

Dromosphäre

Deutschland 2010, 10 min, HD
Regie/Drehbuch/Kamera/Schnitt/Produktion/Musik: Thorsten Fleisch
Geschwindigkeit und Widerstand, Stillstand. Das griechische „dromos“ steht für den Wettlauf, wir denken an Mathematik, an physikalische Versuche. Thorsten Fleisch bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft und ihrer künstlerischen Umsetzung, vollständig im Digitalen und Analogen zugleich. Ein Film als Geschwindigkeitsskulptur, als Meditation zum Thema selbst.

 

N.A.S.A. - A Volta

USA 2009, 4 min, Digital, DigiBeta, HD
Regie/Drehbuch/Produktion: Alexei Tylevich | Schnitt: Volker Besseling @ Logan | Produktion: Logan
Gewalttätig, pornografisch, ausgeflippt: Im Zentrum steht eine weirde Drogengeschichte im Gangstermilieu, die von einer unsteten und selten fokussierten Kamera wie zufällig eingefangen wird. A Volta ist eines der aktuellsten Musikvideos des HipHop-Projektes N.A.S.A. ('North America South America') von Spike Jonzes Bruder Sam Spiegel und Ze Gonzales.

 

Logorama

Frankreich 2009, 16 min, 35 mm
Regie/Drehbuch: H5 (François Alaux, Hervé de Crécy, Ludovic Houplain) | Produktionsleitung: Nicolas Schmerkin | Produktion: Stéphane Kooshmanian (Addict), Maurice Prost (Mikros), Nicolas Schmerkin (Autour de Minuit) | Ko-Produktion: Sandrine Demonte | Schnitt: Sam Danesi, Stephen Berger | Musik: Human Worldwide
Der in Frankreich u. a. wegen der prominenten Sprecher bereits lange vor der Oscar-Prämierung als „Kult“ gehandelte Film besticht durch eine Grundidee, die nur im Bereich der Animation so umsetzbar ist. Sämtliche Akteure und Objekte in der Action-Crime- und Weltuntergangs-Parodie treten als Logos international bekannter Marken auf. Eine fantastische Persiflage auf Hollywood und die US-Konsumkultur.