Tribute to Ben Rivers
Termin: Fr 15.5.2009, 19:00
Ort: Top Kino [Info]
Wh.: Di 19.5.2009, 17:00 im Top Kino
Tickets: EUR 7,- (Normalpreis), EUR 6,- (Studierende)
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Ben Rivers ist leider erkrankt und wird daher anders als angekündigt nicht bei der Vorführung anwesend sein. Wiktoria Pelzer (VIS) gibt im Rahmen der Veranstaltung eine kurze Einführung in das Programm.

Ben Rivers makes films.
Was auf der Website des Briten lapidar klingt, ergibt Sinn, wenn man in das Werk des Filmemachers eintaucht: Spuren im Schnee, mysteriöse Hütten, ein verlassener Hof. Kinder beim Spiel und Kreaturen, die sich aus dem Wald winden. Die Filme von Ben Rivers eröffnen einen Spielraum der Gedanken und Träume. Rivers ist ein Meister des Mysteriösen, des Unheimlichen, aber doch Persönlichen und Einfühlsamen. Die Katze im Schnee auf 16 mm oder das Radio in der abgelegenen Weite Schottlands. Auf den meist schwarz-weißen Aufnahmen ist ganz deutlich seine Handschrift abzulesen, eine, die an frühes Kino erinnern mag.
Ihn faziniert die Wildnis, wie er es beschreibt – wenn er filmt, ist er „off in the wilderness filming“. Man kann ihn kaum erreichen, kein Handy, kein Internet – er taucht ganz tief in seine Vorstellungen ein. Später erreicht die Außenwelt nur ein kurzes und, wenn man seine Filme betrachtet, verständliches, „then (I) got lost in filming“. Ben Rivers sagt über sich selbst, er sei schon immer ein „champion daydreamer“gewesen – dieses Gefühl überträgt er in seine Filme. Die Bilder und Überblendungen, ob sie nun angenehm oder beklemmend sind oder ein Albtraum, lassen der Phantasie Raum. Die märchenhafte Stimmung mancher seiner Filme lässt aber trotzdem die moderne Welt nicht aus den Augen, die beiden Welten existieren nebeneinander – allerdings nicht ohne Spannungen.
Rivers spürt Orte auf, die menschliche Spuren aufweisen – die gewissermaßen als Geisterorte funktionieren - belebt oder unbelebt. Er nimmt die Stimmung auf und transportiert sie in ein Filmbild, das den Zuschauer in kindliche Erinnerungen von Traumfetzen und tagträumerischen Begegnungen drängt. Rivers experimentierte schon früh mit Filmmaterial, schon während dem Studium an der Falmouth School of Art. Er arbeitet meist allein, nur im Dialog mit seiner 16-mm-Bolex. Auch im Schneideraum ist er meist allein mit dem Material. Diese bewusste Entscheidung erklärt auch seine Nähe zu Menschen die abgeschieden und ausserhalb unserer Gesellschaft in der „wilderness“ beheimatet sind.
Die Filme sind Narrationen, auch wenn sie sich nicht klassischen Narrationsstrukturen unterwerfen, sind Versatzstücke und geben dem Zuschauer den Freiraum seine eigene Geschichte zu spinnen. Wie immer wiederkehrende Erinnerungen, die nur noch collagenartig präsent sind. Über Einflüsse oder Vorbilder sprich Ben Rivers in einem Interview; durch seine Erfahrungen mit der Brighton Cinematheque, die er zusammen mit Michael Sippings betreibt, kann er keine direkten Einflüsse nennen. Er fallen Namen wie George Kuchar und Margaret Tait, John Smith und Man Ray, doch im Grunde sieht er sich von dem beeinflusst, was um ihn herum passiert.
Ben Rivers‘ Arbeiten wurden und werden auf zahlreichen internationalen Festivals und in Galerien gezeigt und prämiert. Den letzten Preis erhielt er beim International Film Festival Rotterdam 2008. Geboren 1972 in Somerset, lebt und arbeitet er heute in London.
FILMPROGRAMM
Gesamtlänge: 74 min
We the People

UK 2004, 1 min
Regie, Kamera, Schnitt: Ben Rivers
Ein kleines Dorf, verlassen und völlig still. Die Kamera wandert durch die Straßen. Doch die Tonebene kontrastiert das Bild, wodurch der Eindruck einer Massendemonstration entsteht.
The Hyrcynium Wood

UK 2005, 3 min
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: Ben Rivers
Eine opulente Landschaft in leuchtendem Schwarz und Weiß. Die Hügel des ländlichen England übertragen in eine Anordnung tief nachklingender Schattenformen, wo das Land immer seine Eigentümlichkeit bewahrt.
This Is My Land

UK 2006, 14 min
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: Ben Rivers
Der Alltag des selbstgenügsamen Jake Williams, der alleine in einem viele Quadratmeilen großen Waldgebiet in Aberdeenshire, Schottland lebt. Jake hat immer viele Jobs gleichzeitig laufen, findet für alles Verwendung, ist ein Experte im Mandoline-Spielen und besitzt Komposthaufen, die viele Jahre zurückreichen. Er hat ein Verständnis von Zeit, das sich von jenem der meisten Menschen im 21. Jahrhundert unterscheidet.
The Coming Race

UK 2006, 5 min
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: Ben Rivers
Tausende Menschen erklettern ein felsiges Bergland. Ihr Zielort und ihre Absichten bleiben unklar. Sie kriechen und stolpern, machen Fortschritte bei ihrem Weg nach oben, verschwinden zwischen den Wolken an der Spitze und das Nicht-Spezifische ihrer Handlungen und Gesten wirft Fragen über die menschliche Natur auf. Eine vage, geheimnisvolle und beunruhigende Wallfahrt, in der wir Zeuge des ewige Kampfs der Menschheit um den Gipfel werden.
The Origin of the Species

UK 2008, 16 min
Regie, Drehbuch, Schnitt: Ben Rivers
Ein 70-jähriger Mann, der in einem abgelegenen Teil Schottlands lebt, ist seit Jahren vom Versuch besessen, Darwins Buch, das er sehr bewundert, „wirklich zu verstehen“. Während er dieser Leidenschaft nachhing, arbeitete er kontinuierlich an kleinen Erfindungen, die ihm sein Leben leichter machten.
Ah, Liberty!

UK 2008, 20 min
Regie, Drehbuch, Schnitt: Ben Rivers
Ein Familienleben in der Wildnis der schottischen Highlands, Arbeit und Spiel am Bauernhof im Wechsel der Jahreszeiten; frei laufende Tiere und Kinder, Abfall und Natur, all dies in einer der sublimsten aller Landschaften. Ein Gefühl der Freiheit, ohne bestimmte Geschichte, Anfang, Mitte oder Ende, bloß Bruchstücke von Leben, die gelebt werden. Eine poetische Studie, die das saft- und kraftlose Umfeld der rastlosen Energie der Jugendlichen gegenüberstellt.
House

UK 2007, 5 min
Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt: Ben Rivers
Eine Reihe geisterhafter Bilder von einem maßstabgetreuen Modell eines verlassenen Hauses. Erleuchtet von Fackeln, bekommen wir nur flüchtige Eindrücke, Fragmente des Gebäudes mit. Was wir nicht sehen, ist genauso wichtig wie das, was wir sehen können. Zerfallende Innenräume, schmutzige, abbröckelnde Wände, vergessene Möbelstücke, Staubflächen auf verrottenden Dielen. Der Prozess der Preisgabe, des Verfalls und der Erneuerung.
A World Rattled of Habit

UK 2009, 10 min
Regie, Drehbuch, Kamera: Ben Rivers
Rivers erzählt die Geschichte einer Reise nach Woodbridge, Suffolk, zwecks eines Besuchs bei seinem Freund Ben und seinem Vater Oleg...
