6.6. - 10.6.2012

Faces – Gesichter in der Film- und Videokunst

Termin: Mo 18.5.2009, 19:00 - Im Rahmen der Experimentalnacht
Ort: Top Kino [Info]

Tickets: EUR 7,- (Normalpreis), EUR 6,- (Studierende) – Kombiticket Experimentalnacht (Faces + Internationaler Wettbewerb 5; Einheitspreis): EUR 8,-
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Gastprogramm kuratiert von Gerald Weber (sixpackfilm).

Spiegel der Seele, atemberaubende Gesichtslandschaften, Orte von Emotion und Empathie. Nicht nur der Spielfilm hat früh und dauerhaft das menschliche Gesicht entdeckt und in der Folge zu einem bevorzugten Objekt der Kamera gemacht. Auch in der Film- und Videokunst galt das Gesicht jeher als beliebtes Motiv.

Die in Faces versammelten Zugänge können dabei unterschiedlicher kaum sein: von der strukturellen Kurzschnittmontage bei Kren und Schmidt jr., dem nahezu bewegungslosen Portrait, das dann aber eben doch nicht bewegungslos ist (vom Grüller/Goldt), den präzise und humorvoll montierten Werbefilm-Fundstücken (Kubelka) bis zu den gemalten und computergenerierten Animationen (Lassnig/Bruckmayr) und den Beobachtungen von Menschen in Ekstase und höchster Konzentration (Russell/Dijkstra). Für alle gilt in gleichem Maße: Gesichter erzählen Geschichten.

Im Anschluss Gespräch mit den anwesenden FilmemacherInnen.

 

 

49/95 tausendjahrekino

Österreich 1995, 5 min, Sprache: deutsch
Regie: Kurt Kren
Touristen fotografieren und filmen den Wiener Stephansdom. Kurt Kren filmte sie dabei, mit einer Belichtungszeit von zwei Bildern pro Sekunde. Auf der Tonebene sind Dialoge und Geräusche aus dem Film Der Verlorene von und mit Peter Lorre zu hören.

 

Dichtung und Wahrheit

Österreich 1996/2003, 13 min, Sprache: ohne Dialog
Regie: Peter Kubelka
Ein behutsam korrigiertes Ready-made wollte Kubelka formen – und zugleich Raum lassen für zukünftige archäologische Fragen, wie wir sie heute noch gar nicht stellen können. Die Antworten birgt der Film schon jetzt. (Peter Tscherkassky)

 

Eltern (Mutter / Vater) (Parents (Mother / Father))

Österreich 1997. 6 min, Sprache: ohne Dialog
Regie, Kamera: Friedl vom Gröller
Hier wird die Situation des Filmens für Modell und Filmerin an besten sichtbar, durch den liebevollen und dann verletzten Gesichtsausdruck der Mutter, die schließlich die Regieanweisung missachtet und aus dem Bild verschwindet. Die unterschiedliche charakterliche Reaktion wird beim "Durchhalten" des Vaters, der seine Gefühle nicht zeigt, offenbar. Der Betrachter wird währenddessen auf sich selbst zurückgeworfen.

 

Selfportrait

Österreich 1971, 5 min, Sprache: englisch
Regie: Maria Lassnig
Lassnig, oder genauer ihr filzstiftgezeichneter Kopf, singt Englisch mit herzzerreißendem österreichischem Akzent. Über das bisherige Leben, ihre Träume, die ewige Suche nach der besseren, männlichen Hälfte: "To look for the better half". Doch passt mal ein Partner in Form und Farbe, nennt er sie bald schon "weak" and "woman" im gleichen Satz. (Maya McKechneay)

 

36/78 Rischart

Österreich 1978, 3 min, Sprache: ohne Dialog
Regie: Kurt Kren
Dies ist der zweite Porträt-Film, den Kurt Kren gedreht hat. Durch ständiges Auf- und Abblenden bei den Aufnahmen seines Gesichts entstanden Mehrfachbelichtungen.

 

Mein Begräbnis ein Erlebnis

Österreich 1977, 1 min, Sprache: ohne Dialog
Regie: Ernst Schmidt jr. | mit: Sara Suranyi
Body Art, Remake und Rekonstruktion eines "Filmgenres" aus der Frühzeit des Films (Serie Comic Faces, 1898, Regie: G. A. Smith): das Gesichterschneiden vor der Kamera.

 

12 Uhr mittags - High Noon

Österreich 1977, 4 min
Regie: Ernst Schmidt jr. | Musik: Wolfgang Ernst | mit: Sara Suranyi
Ein Mensch harrt 24 Stunden vor der Kamera aus, alle zehn Minuten wurde eine kurze Aufnahme gemacht, 8 Bilder pro Sekunde (bei einer Projektionsgeschwindigkeit von 24 Bildern). Die Ermüdungen in 24 Stunden auf 4 Minuten gerafft.

 

Polterabend (Hen-Night)

Österreich 2009, 3 min, Sprache: ohne Dialog
Regie, Konzept, Kamera: Friedl vom Gröller
Das Setting ist einfach: Gruppenbild mit sechs in zwei Reihen hintereinander platzierten älteren Frauen, die alle in die Kamera schauen. Nur eine Frau riecht an einem Fläschchen. Anlass des Films war Kubelkas bevorstehende Hochzeit. Polterabend zeigt die Reaktionen der Freundinnen, die in den Gesichtern der Frauen pointiert zum Ausdruck kommen. Gesichter erzählen bekanntlich auch Geschichten. (Dietmar Schwärzler)

 

i deeply regret

Österreich/Deutschland 2009, 3 min, Sprache: ohne Dialog
Regie: Karø Goldt | Stimme: Maria Garcia Rojo
In i deeply regret geht es um verpasste Rache und somit auch um versäumte Genugtuung. Sich aus der Opferrolle zu befreien gelingt eher selten, viele Opfer entschuldigen sich noch für ihre Ohnmacht. Mein Video zeigt einen Versuch, sich nachträglich mittels einer Machtphantasie aus dieser Lage zu befreien. Oder mit anderen Worten: Nach langer, langer Zeit lebt hier jemand die Gegenwehr zur gesummten Melodie von Rocky tatsächlich aus. (Karø Goldt)

 

ich bin traurig (i am sad)

Österreich 2003, 4 min, Sprache: kein Dialog
Regie: Didi Bruckmayr, Michael Strohmann | Sound: Fuckhead
Das Video ich bin traurig ist Teil einer Serie von Arbeiten über "digitale Übersetzungen der Wirklichkeit" (D. Bruckmayr). Fuckhead – eines der Band-Projekte der Kulturarbeiter Bruckmayr/Strohmann – ist selbst so ein Übersetzungsprojekt. Die maskulin aufgeladene Wüterei brachialer Metal-Musik läuft – analog des technischen Prozederes in der Tonmischung – durch die Filter anderer kultureller Ausdrucksformen: der Oper und ihres melodramatischen Stimmeinsatzes sowie der empathielosen Kühle elektronischer Klangerzeugung. Das Resultat ist ein Bastard, ein Science-Fiction-Wesen, dessen Existenz immer prekär ist. (Michael Loebenstein)

 

Black and White Trypps Number Three

USA 2007, 12 min, Sprache: englisch
Regie: Ben Russell
Der dritte Teil einer Reihe von Filmen, die sich mit natürlich gewonnenen Psychedelia auseinander setzen. Gedreht während einer Performance der Noise-Band Lightning Bolt aus Rhode Island, dokumentiert dieser Film wie sich das gemeinsame Ausflippen eines Rockkonzert-Publikums in ein Trance-Ritual der höchsten spirituellen Stufe verwandelt.

 

Annemiek

Niederlande 1999, 4 min, Sprache: englisch
Regie: Rineke Dijkstra
Ein junges Mädchen singt lippensynchron zu ihrem Lieblingslied der „Backstreet Boys“. Während der Popsong die Unüberwindbarkeit von Ich und Du sowie die Sehnsucht nach Aufhebung dieser Grenzen zum Thema hat, spiegeln sich diese Gefühle in der Mimik des Mädchens wider: Hier bewegt sich alles zwischen Pose und Natürlichkeit, zwischen Wahrhaftigkeit und Wunschbildern. (Kunstmuseum Bonn)